Im Doppeldecker auf Erkundungstour durch Dortmund

Mit einem roten Doppeldecker bietet Dortmund Tourismus Stadtrundfahrten an.
Mit einem roten Doppeldecker bietet Dortmund Tourismus Stadtrundfahrten an.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Seit Sommer haben Touristen die Möglichkeit, Dortmund auf einer Stadtrundfahrt in einem Doppeldecker-Bus zu erkunden. Hoch über den Straßen erhalten Besucher einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Westfalen-Metropole. Wir sind mitgefahren.

Dortmund.. Wer sich einen ersten Überblick über Metropolen wie London, Paris oder Berlin verschaffen will, findet in den zahlreichen Stadtrundfahrten, die vor Ort angeboten werden, eine passende Möglichkeit. Seit Sommer 2012 gibt es ein solches Angebot auch in Dortmund. Doch wer die gut anderthalbstündige Fahrt antritt, merkt schon nach kurzer Zeit: Dortmund ist nicht London.

Und auch nicht Köln. Oder Düsseldorf. Auch in diesen beiden Städten bietet der Tour-Veranstalter Wolfgang Willms Stadtrundfahrten an. Allerdings in einem höheren Takt als in Dortmund. So fahren die Doppeldecker-Busse in Köln im 30-Minuten-Takt, während in Dortmund zwei Stunden bis zur Ankunft des nächsten Busses vergehen.

90 bis 100 Minuten dauert die Fahrt

90 bis 100 Minuten dauert die Fahrt durch Dortmund. Los geht’s am Hauptbahnhof, am kleinen Bussteig gegenüber der Stadt- und Landesbibliothek. Dort wartet der große rote Doppeldecker auf Fahrgäste. Oben auf dem Sonnendeck haben bereits 18 Touristen Platz genommen. Vorne sitzt ein Grüppchen Seniorinnen und schaut sich die Strecke durch die riesige Windschutzscheibe an. Über den Köpfen schützt eine transparente Plane vor Regen, Wind und Wetter.

Eine angenehme Stimme vom Band kündigt Sehenswürdigkeiten an und erzählt Hintergründiges. Fremdsprachige Gäste können sich die Erklärungen auch auf Englisch, Holländisch, Japanisch, Russisch, Türkisch, Spanisch, Französisch, Chinesisch oder Polnisch über Kopfhörer anhören. Zuerst aber eine Warnung: Nicht aufstehen. Das könnte in der Tat gefährlich werden, denn unter einigen Brücken ist nicht mehr viel Luft zwischen dem vier Meter hohen Bus und der Decke.

Das Harenberg Center lassen wir rechts liegen und passieren den U-Turm. Über den Wall führt die Route zur Hohe Straße. Die Stimme erzählt von der mittelalterlichen Stadtmauer und vom Strukturwandel und kommt dann zum ersten Mal auf den Fußball zu sprechen. Die Touristen lernen, dass die Hohe Straße einer der Hauptwege zum Stadion ist. Sogleich erwähnt der Sprecher ein bedeutendes Ereignis aus der jüngeren Stadthistorie: den Derbysieg des BVB vom 12. Mai 2007, mit dem die Borussen dem FC Schalke die Meisterschaft verdarben – im Revier ist eben immer Derby.

Besucher staunen über das grüne Ruhrgebiet

Im Kreuzviertel erzählt die Stimme von der interessanten baulichen Geschichte des Viertels. Über die Lindemannstraße kämpft sich das Bus-Ungetüm Richtung BVB-Geschäftsstelle. „Hier sitzen die? Müssen die Geld haben!“, staunt Dieter Kryzkowski aus Hankensbüttel beim Blick auf den dunklen Büroklotz, in dem der BVB residiert. Er und seine Frau Birgit sind wegen des Fußballspiels zwischen dem BVB und Mönchengladbach in Dortmund. Die Stadtrundfahrt machen sie, um eine Eindruck zu bekommen.

„Wahnsinn, wie grün das Ruhrgebiet geworden ist“, staunt Dieter Krzykowski. Derweil erzählt die Stimme, nach einem kleinen Exkurs in die Vereinsgeschichte des BVB, wie die Möllerbrücke zu ihrem Namen kam. „Das hat nichts mit Andy Möller zu tun, oder?“, fragt Kryzkowski. Nein, hat es nicht.

Über die Rheinische Straße (O-Ton Dieter Kryzkowski: „So richtig Tourismus ist in Dortmund aber nicht, oder?“) fährt der Bus Richtung Hafen. Hier besteht für die Fahrgäste die Möglichkeit, auszusteigen und eine Hafenrundfahrt zu machen oder das Alte Hafenamt zu besichtigen. Der Hinweis, dass der Deutschlandachter auf dem Dortmund-Ems-Kanal trainiert, wird von den Mitfahrern mit einem anerkennenden „Ah!“ kommentiert.

Wer sitzen bleibt, fährt weiter über die Mallinckrodtstraße und dann durch Huckarde und Dorstfeld. Die Stimme erzählt, dass Dortmund im Mittelalter eine reiche Handelsmetropole war und dass im 14. Jahrhundert die englische Krone an Dortmunder Kaufleute verpfändet war – ein passendes Kontrastprogramm zu den tristen Straßenzügen, die draußen am Fenster Dortmund von seiner unschönen Seite zeigen.

Den Dorstfelder Hannibal würdigt der Sprecher keines Wortes, sondern preist die DASA als möglichen Ort zum Aussteigen und Besichtigen an. Auf dem Uni-Campus unterquert der Bus die H-Bahn, die für die Fahrgäste offenbar ein Blickfang ist. Danach wird’s ländlich, als der Bus sich durch die engen Straßen Eichlinghofens quetscht. Über Schönau und Barop gelangt der Bus zum Stadion, das, wie die Stimme erklärt, von den Dortmundern trotz Umbenennung weiterhin „Westfalenstadion“ genannt wird. Wer möchte, kann den Bus hier verlassen und ins Borusseum gehen. Sitzenbleiber werden auf dem kürzesten Weg zum Westfalenpark kutschiert und erfahren von der Reiseführer-Stimme Einzelheiten über die Geschichte von Borussia Dortmund.

Kriegerische Historie von Dortmund und Hörde

Danach folgt mit dem Rombergpark das Kleinod des Dortmunder Südens, bevor es industriekulturell zur Sache geht. Auf Phoenix-West erzählt die Stimme von Stahlkochern und Strukturwandel, spricht von rußgeschwärzten Fassaden in Hörde und gewährt einen äußerst interessanten Blick in die bewegte und durchaus kriegerische Vergangenheit der einst verfeindeten Nachbarstädte Hörde und Dortmund. „Ooooh, man kann das Stadion sehen“, staunt eine der Damen des Senioren-Kränzchens in Reihe Eins.

Am Clarenberg staunen Kryzkowskis über den Concierge-Service, der in der einstigen Problem-Siedlung angeboten wird. Noch mehr staunen sie am Phoenixsee, der als Highlight angepriesen wird, aus der Touristen-Perspektive hoch oben im Bus aber eher das Flair einer Abraumhalde verströmt. Als Touristenmagnet taugt das Gewässer mit den vielen Baustellen offenbar noch nicht.

Der touristische Reiz Dortmunds

Das gilt auch für die Faßstraße. Selbst die Hörder Burg ragt nicht so heraus, wie sie es verdient hätte. Aber irgendwie muss der Bus ja zum nächsten Ziel kommen. Das ist in diesem Fall die City. Der Bus streift den Friedensplatz und fährt über den Wall am noch nicht existierenden DFB-Museum vorbei zurück zum Hauptbahnhof.

Dem Ehepaar Kryzkowski hat die Tour gefallen, wenngleich sich der touristische Reiz Dortmunds den beiden Niedersachsen nicht unbedingt erschlossen hat. „Eine Stadtrundfahrt ist immer gut, um sich in der Stadt orientieren zu können“, so das Fazit von Birgit Kryzkowski. Ihr Mann stimmt zu: „Wir haben Dinge gesehen, die wir sonst wohl nicht besucht hätten. Vom Phoenix See habe ich noch nie gehört.“

Der Borsigplatz fehlt

Auch aus der Sicht des Eingeborenen ist die Stadtrundfahrt durch Dortmund interessant – vor allem beim Blick durch das große Panoramafenster vorne. Die Perspektive verleiht der Tor einen majestätischen Touch. Doch es bleiben Fragen: Warum ausgerechnet diese Route? Warum fehlt Zeche Zollern? Und der vor allem: Warum fährt der Bus nicht über den Borsigplatz? Auch Hohensyburg fehlt auf der Route, dabei wäre ein Abstecher ins Casino oder zum Kaiser-Willhelm-Denkmal reizvoll und eine gute Gelegenheit, die zwei Stunden zwischen zwei Bussen zu überbrücken.

Ulrike Willms erklärt: „Einige Stellen können wir nicht anfahren, weil der Bus zu hoch ist.“ Mit seinen vier Metern habe das Gefährt Probleme mit Oberleitungen. Auch seien einige Straßen einfach zu eng für den mächtigen Doppeldecker. Trotzdem scheint sich das Angebot zu lohnen. Zumindest an Wochenenden soll im kommenden Sommer der Takt erhöht werden.