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Udo Mager im Interview

Ich würde Dortmund-Aktien kaufen

15.02.2010 | 14:22 Uhr
Ich würde Dortmund-Aktien kaufen

DORTMUND. Negativschlagzeilen hat Dortmund nach "Wahllüge" und dem Neuwahl-Hickhack gemacht. Jüngst kritisierte Signal-Iduna-Chef Reinhold Schulte das Millionengrab Flughafen und die Anhebung der Gewerbesteuer. Die WAZ sprach mit Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, über die Lage.

WAZ: Als Chef des dortmund-projects und seit 2005 als Chef der Wirtschaftsförderung haben sie Dortmunds Image in den letzten Jahren intensiv positiv mitgestaltet. Wird dieser Ruf jetzt wieder verspielt?

Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund weist auf die Fákten hin: Die Zahl der sozialversichungspflichtig Beschäftigen erreicht zum 2. Quartal 2009 einen Höhepunkt. Fotos: Horst Müller / WAZ FotoPool

Udo Mager: Ich bedauere die kritischen und negativen Schlagzeilen und Betrachtungen, die Dortmund erlebt. Es war ein Fehler, vor der Kommunalwahl so zu tun als wäre Dortmund beim Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen besser weggekommen als andere Städte. Wir stehen aber im Vergleich zu Städten wie Duisburg, Oberhausen und Essen grundsätzlich nicht schlechter, eher besser dar.

Wie wirkt sich die negative Sicht auf Dortmund aus?

Wenn ich Analyst an der Börse wäre, würde ich raten, jetzt Dortmund-Papiere zu kaufen. Wir werden schlechter gehandelt als wir dastehen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist 2009 auf einen Spitzenwert seit zehn Jahren geklettert. Die Arbeitslosenquote geringer als im Umland gestiegen. Um 1000 ist Anfang 2010 die Zahl der Kurzarbeiter gesunken. Wir erleiden weniger Insolvenzen als andere Kommunen. Wir haben 2009 rund 68 000 qm Büroflächen umgesetzt, mehr als 2008. Die Bauindustrie erlebte ein Rekordjahr mit der ECE-Galerie, dem U- und weiteren Großprojekten.

Stimmen sie der Kritik an der Gewerbesteueranhebung und an der „Investitionsruine” Flughafen zu?

Generell: Ich würde es begrüßen, wenn alle Kommunen im Revier sich auf den gleichen Hebesatz zur Gewerbesteuer einigen könnten. Konkret zu Dortmund: Ich bin von Anfang an gegen die Gewerbesteueranhebung gewesen. Aber sie ergibt sich aus der Logik der Gerechtigkeit, weil auch die Bürger durch höhere Gebühren und Preise belastet werden. Ganz anders als Reinhold Schulte bin ich aber der Meinung, dass wir als Oberzentrum in der Metropole Ruhr den Flughafen brauchen. Das gilt unter anderem auch mit dem Blick auf den Wirtschaftsbereich Logistik, der in Dortmund zu den Arbeitsplatzbeschaffern gehört. Zu Straße, Schiene und Wasserweg muss es ergänzend auch den Luftverkehr geben. Und neben den rein betriebswirtschaftlichen Betrachtungen des Flughafens muss ich auch regionalwirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Der Flughafen gibt direkt und indirekt rund 3000 Menschen Beschäftigung und kurbelt die Wirtschaft an. Man kann sich aber grundsätzlich die Frage stellen, ob das Modell in Dortmund - Besitz und Betrieb in einer Hand - das richtige ist.

Wird es einen Aderlass bei den rund 300 Eurowings-Arbeitsplätzen geben?

Es ist noch zu früh, konkret etwa zu sagen. Aber Entwicklungen wie bei Eurowings und bei Karstadt sind die Kehrseite der Medaille, die auf der anderen Seite beispielsweise die Aufstockung der Mitarbeiterzahlen bei der zentralisierten Kassenärztlichen Vereinigung und dem Telekom Call Center-Projekt an der Schützenstraße für Dortmund haben.

Was passiert mit dem Weißen Feld nach dem Aus fürs Projekt Gesundheitscampus und läßt sich Phoenix West überhaupt noch vermarkten?

Wir sind in konkreten Gesprächen mit Investoren für das Weiße Feld. Auf Phoenix West wurden bereits mehrere Gebäude errichtet bzw. sind im Bau. Und wir sind dort dran, damit ein weiteres Unternehmen dort in diesem Jahr einen Neubau errichtet.

Wieviel Gewerbesteuer wird für 2009 beim Kämmerer als Einnahme gebucht?

Es war mal mit 300 Mio Euro gerechnet worden. Nun scheinen 240 bis 250 Mio realistisch.

Wie wird sich die Gewerbesteuereinnahme 2010 entwickeln?

Ich wage noch keine Prognose. Da die Unternehmen die Höhe ihrer Gewerbesteuervorauszahlungen ans Finanzamt den positiven aber auch negativen Geschäftserwartungen anpassen lassen können, ist dies seriöserweise auch nicht möglich.

Klaus Buske und Michael Kohlstadt

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