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Nazi-Demo

Hunderte protestieren lautstark während der Nazi-Demo am Freitag in Dortmund

02.09.2011 | 17:59 Uhr
Auftakt zum großen Demo-Wochenende in Dortmund: Hunderte protestierten beim Zug von 215 Rechtsradikalen vom Südbad über die Saarlandstraße. Fotos: DerWesten

Dortmund. Vor den großen Aufmärschen am Samstag haben Nazis und Gegendemonstranten für Freitagabend sieben Kundgebungen in Dortmund angemeldet. Die Polizei begleitete die 215 Rechtsradikale beim Zug durch das Saarlandstraßenviertel sowie 1500 Protestler aus dem linken bzw. bürgerlichen Lager. Es blieb überwiegend friedlich

Mit einem gellenden Pfeifkonzert haben die Bewohner der Dortmunder Saarlandstraße am Freitagabend  einen Zug von 215 Neonazis empfangen. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot  präsent war, reagierte bei einer  Teilblockade der Straße sehr besonnen, ließ die Gegendemonstranten sitzen und schirmte sie mit Beamten und Reitern gegen die Rechten ab. Auch die im Vorfeld zum Teil befürchteten Krawalle blieben aus. Die Polizei führte im Vorfeld zahlreiche Personen- und Fahrzeugkontrollen durch. Sie vermeldete fünf Verhaftungen (vier Rechtsradikale, ein "Linker"). Bei der Kontrolle eines Busses mit Personen des linksextremistischen Spektrums wurden Gegenstände, die bei einer Demonstration verboten sind, gefunden und sichergestellt.

Die Neonazis marschierten am Freitag durch die südliche Innenstadt. Treffpunkt zur Auftakt- und späteren Abschlusskundgebung war das Südbad. Auf der Wegstrecke lagen u.a. die Sonnen-, Saarland- oder auch Hohe Straße. Zwei Rechtsrock-Bands traten auf. Nach umfangreichen Vorkehrungen kontrollierte die Polizei die Personalien der Rechten. Einige Aktivisten kamen in Gewahrsam. Vier Personen des rechten Spektrums wurden wegen Verstoßes gegen § 86 a StGB ("Hitlergruß") und wegen des Mitführens verbotener Gegenstände vorläufig festgenommen. Zahlreiche Straßenzüge wurden abgesperrt. Die Behörde rechnete mit 200 bis 300 rechtsradikalen Teilnehmern, tatsächlich kamen 215. Kurz vor 19 Uhr setzte sich der Demo-Zug hinter einer Reiterstaffeln der Polizei in Bewegung.

Bei der ersten Sitzblockade auf der Saarlandstraße wurde es dann knifflig. Die Polizisten, die den Nazi-Aufmarsch anführen, leiteten die Rechten daran vorbei. Ein Polizist sagte auf die Frage, warum denn nicht geräumt würde: "Dann kriegen wir schlechte Presse." Beeindruckend, wie laut sich aber die zahlreichen Protestler bemerkbar machen und wie weit Rufe wie „Nazis raus“ vernehmbar sind. Mit Trillerpfeifen bewaffnet, protestieren die Zivilisten so gegen Rechtsradikalismus. Die Polizei hielt nach dem Vorbeimarschieren ca. 20 Sitzblockierer in Schach, da diese dem Nazi-Zug folgen wollten. Zuvor hatte sie den Blockierern angeboten, eine Spontandemo (dann hinter der Absperrung) anzumelden, was diese ablehnten. Dabei stand auch die grüne Landtagsabgeordnete Daniela Schneckenburger aus Dortmund. „Ich bin hier, weil ich den Aufzug der Neonazis unerträglich finde und die Demokratie  verteidigen möchte.“ Schneckenburger weiter: „Die Stadt kann stolz sein, dass die Bürger für Toleranz und Meinungsfreiheit eintreten.“

Nazi-Auftakt in Dortmund

Die Zwischenkundgebung der Rechten auf dem (dort gesperrten) Alten Mühlenweg verfolgten gegen 19.45 Uhr ebenfalls zahlreiche Gegendemonstranten. Getrennt durch ein Absperrgitter, versammelten sich ca. 100 Protestler, darunter auch etwa 20 vermummte Mitglieder der Antifa. Folge: Die Polizei sperrte die Hohe Straße/Saarlandstraße. Weiter ging es dann für die Rechtsradikalen um 20.25 Uhr über die Sonnenstraße zurück in Richtung Südbad. Dort kamen sie um 20.45 Uhr an, auf den letzten Metern dorthin nahm der lautstarke Widerstand ab. Gegen 21 Uhr begann die Abschlusskundgebung, erst danach wurden allmählich die dortigen Straßensperrungen aufgehoben.

Straßensperrungen

Um 18 Uhr war die Saarlandstraße und wenig später auch die Ruhrallee wegen der Kundgebung und den Protesten gegen sie gesperrt worden. Es war eine  Mischung aus  Anspannung und Nachbarschaftstreff, die schon eine gute Stunde vor dem erwarteten Aufzug der Neonazis auf der Saarlandstraße und auf dem Sonnenplatz begann. In der warmen Abendsonne standen  rund 400 Anwohner mit Antifaschisten jeden Alters auf beiden Seiten der Straße, um den Neonazis ein entsprechenden Empfang zu bereiten. 500 weitere trafen sich auf dem Sonnenplatz. Kinder malten mit Kreide auf die Fahrbahn „Nazis raus“.

Video
Polizeipräsident Hans Schulze und seine Mitarbeiter sind vorbereitet auf die Demo von Rechtsradikalen und Gegnern in Dortmund. Im Interview gibt er Ratsczhläge wie man so eine Demo als friedlicher Passant unbeschadet übersteht.

Da neben der Auftaktkundgebung der Rechtsradikalen sich auch ca. 1500 Gegendemonstranten bei sechs Protestveranstaltungen angekündigt haben, ist die Polizei bereits am Freitag mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Vor allem in der Südstadt und konkret etwa am S-Bahnhalt Stadthaus nahmen die Beamten am Freitagnachmittag weiträumige Absperrungen vor, um ein direktes Aufeinandertreffen zu verhindern. Auch Wasserwerfer- und Räumfahrzeuge standen bereit, ein Polizeihubschrauber kreist über der Innenstadt.

Erste Krawalle konnten im Vorfeld nicht ausgeschlossen werden, zumal das rechte und linke Lager in örtlicher Nähe marschieren. Anwohner aus dem Saarlandstraßenquartier wurden von linken Bündnissen aufgefordert, sich querzustellen und friedlich zu blockieren, etwa an der Kreuzung Dresdener Straße/ Saarlandstraße und Chemnitzer/Sonnenstraße. Auch das Alerta-Bündnis gab an, ins Kreuzviertel und Richtung Stadthaus gehen zu wollen. Etwa 500 Teilnehmer sollen es bei diesem Aufzug sein.

Passanten malen am Freitag ihre Protest gegen Rechtsradikalismus auf die Saarlandstraße.

Im Saarlandstraßenquartier wurden einige Autos abgeschleppt.  Am Sonnenplatz hatten sich knapp 500 Nazi-Gegner zusammengefunden, dort und im ganzen Viertel sowie am Theater und am Südbad zog die Polizei erhebliche Kräfte zusammen.

Gegenprotest formierte sich auch am Westentor. Etwa 200 Leute, zum größten Teil mit Sonnenbrille, viele mit Kapuzenpulli bekleidet, kamen hier zusammen. Einige schwenkten Antifa-Fahnen. Die Organisatoren baten die Teilnehmer, sich nicht von der Polizei provozieren zu lassen. Auch am U-Turm lief oben auf der Bilderuhr wieder wie im letzten Jahr ein Protest-Schriftzug: „Ich, der Turm, fand schon damals Nazis voll uncool“.

Die Antifa versammelte sich zur Kundgebung an der Möllerbrücke. Es ging friedlich zu, einige Eltern hatten Kinder mitgebracht, Mädchen pusteten Seifenblasen. Die Straßen wurden zum großen Teil gesperrt. Die Organisatoren bezifferten die Teilnehmerzahl auf 600. Über Lautsprecher beschwerten sie sich über die Polizei, die Teilnehmer kontrollierte und die Vermummung einiger Demonstranten bemängelt habe. „Wir nennen das Schutz vor Sonnenbrand.“

Am Hauptbahnhof blieb es dagegen ruhig. Viele Polizisten waren vor Ort, ansonsten hasteten wie üblichPassanten vorbei.

Die sechs Gegenprotestveranstaltungen:

  • 16 Uhr, Bündnis „Dortmund stellt sich quer“ (Dortmund stellt sich quer/DSSQ) Platz der alten Synagoge;
  • 17 Uhr, Vinckeplatz bis Rheinische Straße (DSSQ),
  • 17 Uhr, Landgrafenstraße/Ecke Märkische Straße (Linkes Bündnis),
  • 17.30 Uhr, Westentor bis Sonneplatz (Privatperson aus dem linken Spektrum)
  • 18.30 Uhr, Antifa Dortmund-Süd, Sonnenplatz bis Vinckeplatz
  • 19 Uhr, Omnibus Bahnhof bis Wilhelmplatz (Die Linke).
    Die Antifa-Bewegung

DerWesten

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Hunderte protestieren lautstark während der Nazi-Demo am Freitag in Dortmund
Hunderte protestieren lautstark während der Nazi-Demo am Freitag in Dortmund
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/hunderte-protestieren-lautstark-waehrend-der-nazi-demo-am-freitag-in-dortmund-id5022720.html
2011-09-02 17:59
Dortmund