Hohensyburg-Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs
27.11.2008 | 16:48 Uhr 2008-11-27T16:48:00+0100
Dortmund. Im Streit um geplante Kündigungen von acht Saalchefs im Casino Hohensyburg hat jetzt der Betriebsrat gepunktet. Per einstweiliger Verfügung untersagte das Arbeitsgericht der Casinoleitung, die Kündigungen auszusprechen.
Im Streit um geplante Kündigungen von acht Saalchefs im Casino Hohensyburg hat jetzt der Betriebsrat gepunktet. Ginge es nach der Casinoleitung, sollten die Mitarbeiter auf wesentlich niedriger dotierte Ersatzarbeitsplätze versetzt werden - mit der Begründung, man wolle Hierarchien abbauen. Das Arbeitsgericht schob dem einen Riegel vor und untersagte die Kündigungen.
Einer der freigestellten Saalchefs erwirkte vor dem Arbeitsgericht eine Weiterbeschäftigung, für die anderen sieben Fälle gilt, dass erst ein Sozialplan/Interessensausgleich verhandelt werden muss - genau das hatte sich die Casinoleitung offenbar ersparen wollen.
Die Kündigungsfälle treffen die ohnehin von einem Stimmungstief heimgesuchten Mitarbeiter zutiefst. „Hier denkt jeder nur noch, er wäre der Nächste”, so ein Betriebsrat. Hauptvorwurf: Die Geschäftsführung von Casino-Betreiber Westspiel in Duisburg versuche, „so billig wie möglich" Personal rauszudrücken. Und zwar am Spielbankengesetz vorbei, das einen geregelten, sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau ermögliche. Zwar zu Lasten der Spielbankabgabe, die u.a. den Kommunen zugute kommt, aber immerhin.
Von daher sehen die Dortmunder Personalvertreter auch das Land und seinen höchsten Repräsentanten, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, in der Pflicht. „Westspiel gehört zu 100 Prozent der NRW-Bank - und die dem Land”, hieß es. Daraus ergebe sich die Verantwortung, auf einen geregelten Ablauf in den Häusern zu achten. Einen Brief habe man bereits an Rüttgers geschrieben - aber noch keine Antwort erhalten.
Casinomitarbeiter auf dem Abstellgleis?
Sowieso sehen sich viele der 250 Dortmunder Casinomitarbeiter auf dem Abstellgleis. Befristete Verträge seien nicht verlängert worden, es gebe eine „tierische Leistungsverdichtung”, man sei personell so ausgedünnt, dass an den besucherstarken Wochenenden viele Tische nicht besetzt werden könnten. „Einen betriebswirtschaftlichen Sinn sehen wir nicht dahinter”, so die Personalvertreter.
Inzwischen habe man das Gefühl, dass sich Hohensyburg auf dem Weg zu einem Billig-Casino befinde. „Zu einer ,Kuller-Bude'”, wie ein Mitarbeiter illusionslos befand.
Das Unternehmen Westspiel schwieg zu den aktuellen Vorkommnissen. Man nehme zu innerbetrieblichen Maßnahmen öffentlich keine Stellung, hieß es auf Anfrage.
22:59
Hohensyburg war schon immer eine Kullerbude.
Wer einmal in den USA in einem Casino war, wird eh nie wieder eine deutsche Spielbank betreten.
Horrende Parkgebühren, Eintritt um sein Geld los zu werden, Getränkepreise wie in einer Oben-Ohne-Bar, unfreundliche, arrogante Croupiers, Minimum-Einsätze von 20 € am Blackjack-Tisch, Trinkgeld-Pflicht bei Treffern am Roulette, usw.
Ich könnte die Liste noch verlängern.
Es könnten von mir aus alle deutschen Spielbanken schließen.
Wer spielen möchte, dem kann ich nur empfehlen, nach Las Vegas oder Laughlin zu reisen:
Günstige Hotels, hervorragendes Essen, Getränke umsonst, freundliches Personal (auch wenn man ausnahmsweise mal gewinnt), kurzum gute Unterhaltung.
15:14
So ist das eben mit den neuen Führungsindustrien der Spassgesellschaft. Spielen ist nicht produktiv und vernichtet letztlich Volksvermögen. Das geht so lange gut, bis individuell und in der Gesellschaft nichts mehr zu holen ist.
Dann ist Schluss mit lustig. Wir sind kurz davor.
14:16
@Weber111: Ich glaube nicht dass sich die zahlreichen Casinobesucher, die sich einfach einen netten Abend machen wollen, gerne als arme, spielsuechtige und erpressbare Menschen bezeichnen lassen. Ich auf jeden Fall nicht.
12:48
Wenn sich die Rentner vom billigen Casinobus dorthin kutschieren lassen,sollten sie wenigstens dickes Trinkgeld geben,auch dem Busfahrer.
00:10
Die vergessen immer noch, wer eigentlich denen das Gehalt zahlt: Arme, zu bedauernde spielsüchtige Menschen, die durch Troncpressing zum Trinkgeldgeben gezwungen werden.
21:38
Dann dauert es bei denen auch nicht mehr lange bis sie bei von der SPD, CDU/CSU, FDP und Grüne eingeführtem Hartz 4 gelandet sein werden.
Aber die Arbeitslosenzahlen sinken ja angeblich immer weiter nach unten. Vor der nächsten Wahl wird der weise Weise aus Nürnberg dem Volk dann wohl vorlügen. VOLLBESCHÄFTIGUNG IST DA!
18:43
Nun ja, die Sorgen und Ängste der Casino-Mitarbeiter sind berechtigt und nachvollziehbar. Niemand gibt freiwillig und gerne etwas von seinem Besitzstand ab und Gehaltseinbußen sind mehr als ärgerlich.
Die andere Seite des Jetons ist aber die Folgende:
1. Saalchefs sind unter den Spieltechnikern die Topverdiener gewesen. Sie haben in den ersten Jahren der Spielbank - bis zu den schlechter werdenden Zeiten- ein Gehalt bezogen, das sie wohl kaum öffentlich bekannt geben wollen. Denn Mitleid können sie mit ihren Bezügen zu DM -Zeiten kaum erwecken, höchstens Neidgefühle.
Es musste jedem klar sein, dass der Boom der 90er Jahre nicht unbegrenzt sein würde ...
2. Alle Arbeitnehmer haben Einbußen , bis hin zur Kündigung hinnehmen müssen. Das ist nur ein schwacher Trost, ist schon klar.
3. Das Unternehmen WESTSPIEL ist nicht dafür bekannt , das Wohl der Mitarbeiter an die erste Stelle zu stellen, und die Personalpolitik ist schon immer dekadent gewesen. Jeder hätte also mit solchen Aktionen rechnen müssen, auch wenn man es gerne verdrängt.
Die Kampfeslust der Hohensyburger Saalchefs ist zwar zu verstehen, dennoch jammern sie auf einem - immer noch !- hohen Niveau.
runningvalentino
17:29
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