Hoesch Spundwand in Dortmund muss schließen - 350 Betroffene

Was wir bereits wissen
Das Aus für Hoesch Spundwand und Profil in Dortmund ist beschlossen. Die Belegschaft ist schockiert und blickt in eine ungewisse Zukunft.

Dortmund.. 300 Mitarbeiter und Unterstützer von Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) sind am Dienstagmorgen nach Salzgitter aufgebrochen. Sie protestierten dort vor der Verwaltung des Mutterkonzerns Salzgitter AG. Vergeblich. Denn dessen Vorstand tagte am Dienstag - und beschloss das Aus des HSP-Werkes.

In seiner Sitzung am Dienstag hatte der Vorstand der Salzgitter AG, den Geschäftsbetrieb der HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP), einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Salzgitter AG, stillzulegen. Das teilte das Unternehmen vor wenigen Minuten per Pressemitteilung mit.

Etwa 350 Mitarbeiter betroffen

"Das Unternehmen produziert Stahlprofile, die vornehmlich im Wasserbau, Verkehrswegebau, Tiefbau und Umweltschutz eingesetzt werden. Eine seit Jahren rückläufige Nachfrage für diese Produkte führte trotz hoher Investitionen und Restrukturierungsanstrengungen immer wieder zu erheblichen Verlusten. Nachdem auch die Bemühungen um einen Verkauf an einen Erwerber mit einer kostengünstigeren Vormaterialversorgung nicht erfolgreich waren, war die Schließung zur Vermeidung weiterer negativer Folgen für den Konzern unausweichlich", heißt es in der Mitteilung. Von der Maßnahme seien etwa 350 Mitarbeiter betroffen. Der Konzern setze sich für eine sozialverträgliche Regelung ein.

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, meldete sich nach der Verkündung zu Wort. "Wir akzeptieren keinen Schließungbeschluss und fordern die Aufrechterhaltung der Produktion bis Ende des Jahres", rief er zu den angereisten Stahlarbeitern. Viele von ihnen nahmen die Nachricht schockiert und fassungslos auf. "Es war klar, dass die nicht anders entscheiden, nur weil wir hier stehen", sagte Christian Görlich, der seit 2008 im HSP-Walzwerk arbeitet. "Man hat damit gerechnet, trotzdem sitzt der Schock jetzt tief", sagte Betriebsratsmitglied Klaus Röhr, der nach Worten ringen musste. Trotz allem, so Röhr, müsse man sich jetzt einen Funken Hoffnung bewahren.

Insgesamt protestierten rund 1500 Menschen vor dem Verwaltungsgebäude der Salzgitter AG. Nicht nur Dortmunder Beschäftigte, sondern Mitarbeiter, Betriebsräte, Vertrauensleute von vielen Salzgitter AG Töchtern waren gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Auch Delegationen unter anderem von VW sind dabei.

HSP-Mitarbeiter produzieren voll weiter

Anfang Juni hatte die HSP-Geschäftsführung den verbliebenen 343 Beschäftigten mitgeteilt, dass es auf eine Schließung des Werks an der Alten Radstraße hinauslaufen könnte.

Dagegen wehren sich die Mitarbeiter, die derzeit voll weiter produzieren. Sie fordern den Erhalt des Standortes und, eine mögliche positive Geschäftsentwicklung abzuwarten, die im April mit der Umstellung vom Drei- auf den Zwei-Schicht-Betrieb eingeleitet worden war. Damals hatte HSP 100 feste Mitarbeiter und 63 Leiharbeiter entlassen.

In Salzgitter hofften die Mitarbeiter, vom Mutterkonzern ein positives Signal zu erhalten, dass es bei HSP noch eine Zeitlang weitergeht - vergebens.