Hochkarätiger Besuch aus Israel
17.03.2010 | 17:33 Uhr 2010-03-17T17:33:00+0100
Dortmund. „Der 2. Nisan 5770 wird in die Annalen unserer jüdischen Gemeinde als historischer Tag eingetragen”, freute sich gestern Avichai Apel, Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund, über hohen Besuch aus Israel.
Es sei das erste Mal, dass eine so hochkarätige Persönlichkeit die Dortmunder Gemeinde besuche. Damit gemeint war Israels Oberrabbiner Raw Yona Metzger (57).
Metzger ist seit 2003 einer von zwei Oberhäuptern des jüdischen Glaubens in Israel und damit auch weltweit.
Rituelles Tauchbad im Frühjahr fertiggestellt
Der Oberrabbiner besichtige den Neubau der „Mikwe”, des rituellen jüdischen Tauchbads, das im Frühjahr fertiggestellt worden war.
Am Eingang der Mikwe, die in einem Anbau des Kindergartens untergebracht ist, brachte er die „Mesusa” an, eine kleine Schriftkapsel, die heute in jedem traditionellen jüdischen Haushalt zu finden ist und auf Moses zurückgeht.
Raw Yona Metzger wurde 1953 in Haifa (in der Nähe von Dortmunds Partnerstadt Netanya) geboren. Seine Eltern stammen aus Berlin.
Er war Soldat in der israelischen Armee und kämpfte in mehreren Kriegen.
Er ist einer von zwei Großrabbinern in Israel. Raw Jona Metzger bekleidet das Amt des aschkenisischen Oberrabiners seit 2003. Aschkenasen ist die Selbstbenennung der West- und Ostjuden, die eine gemeinsame Kultur und Religion verbindet.
„Mikwe” bezeichnet sowohl das Gebäude für das rituelle Tauchbad in einer jüdischen gemeinde als auch dieses Taucbad selbst.
Der Zweck der Mikwe ist nicht das Erlangen hygienischer, sondern allein der rituellen Reinheit.
Der Besuch sei eine scheinbare Selbstverständlichkeit, an die wir uns gewöhnt haben, so Bürgermeisterin Birgit Jörder in ihrer Begrüßung während einer Feierstunde in der Synagoge. Angesicht schrecklicher Zeiten in der Vergangenheit „ist es allerdings wie ein Wunder”. Durch den Besuch „wird das Band der Freundschaft zwischen unseren Ländern noch enger geknüpft.” Die Kultusgemeinde gestalte das Leben in unserer Stadt mit, bereichere es.
Es sei schwer zu vergessen, was man uns angetan hat, erklärte Raw Yona Metzger. Er selbst, obwohl noch zu jung, definiere sich als Überlebender des Holocausts. Denn seine Eltern seien rechtzeitig aus Deutschland geflohen. „Sonst würde ich hier nicht stehen”. Gleichzeitig wisse man es zu „schätzen und sei dem dankbar, der es gut mit uns meint”. Sein Dank galt Bürgermeisterin Jörder und der Stadt, dass „sie das alles ermöglicht haben, was hier entstanden ist”.
Es sei eine zentrale Frage nach dem Holocaust gewesen, „ob in Deutschland jüdisches Leben möglich ist”, so Zwi Rappoport, Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemeinde. Ob es im Land der Mörder noch Juden geben könnte. Die ernsthaften Zweifel seien durch die Geschichte überholt worden. „Ob es möglich ist, dauerhaft ein neues Judentums in Deutschland zu eta-blieren, wird die Zukunft zeigen.” Man sei optimistisch und glaube an die Zukunft für Juden in Deutschland. „Das Jüdische Volk lebt auch und gerade hier in Dortmund.”
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