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Interview

"HipHop kommt immer mehr an"

12.03.2010 | 18:59 Uhr

Dortmund. Die 18. Deutsche Meisterschaft im HipHop werden heute im Dietrich-Keuning-Haus ausgetragen. Das ist kein Zufall, denn Dortmund ist längst ein wichtiger Standort für die Szene geworden - das sagt HipHop-Expertin Sina Nitzsche.

Die 32-Jährige arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Amerikanistik der TU Dortmund und beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit dem Phänomen HipHop.

WAZ: HipHop im Ruhrgebiet - gibt es das überhaupt?

Sina Nitzsche: Ich denke, die Tatsache, dass die Meisterschaft hier stattfindet, sagt schon viel über die vielschichtige Bedeutung des HipHop im Revier aus. Man spricht von vier klassischen Elementen des HipHop: MCing, also der Kunst des Reimens, DJing, Graffiti und Breakdance. Was heute als „HipHop”-Tanzen gilt, hat seine Ursprünge im Breakdance.

Und auch mit Erfolg, oder?

Ja, es gibt Dortmunder Breakdance-Gruppen, die sehr gut im Geschäft sind. Wie zum Beispiel Reckless oder StyleMatic, die auch morgen um den Titel kämpfen. Für die ist das nicht bloß ein Hobby, die werden auch oft gebucht, zum Beispiel für den Bundespresseball.

Also ist der HipHop jetzt auch „gesellschaftsfähig”?

Da hat sich viel entwickelt. Der HipHop kommt langsam an. Das ist nicht mehr bloß eine Subkultur, sondern erreicht zum Beispiel auch die Bildungseinrichtungen...

... wie das Dietrich-Keuning-Haus. Die Veranstalter haben sich für Dortmund als Austragungsort entschieden, weil hier viel in der Jugendarbeit getan wird und Jugendliche mit Migrationsgeschichte zusammen kommen.

Das würde ich ganz dick unterstreichen. HipHop gibt es in der Region schon seit den 80er Jahren. Die erste Generation, zu der auch Bands wie „Too Strong” und „Creutzfeld & Jakob” gehören, kam aus meist der Mittelschicht. Zur zweiten Generation zählen viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Für sie ist HipHop ein Mittel, um sich zu integrieren. Das kann keine andere Jugendkultur.

Was unterscheidet den HipHop im Ruhrgebiet von der Musik in anderen deutschen Städten?

Die Musik hier kann man als rau und kantig bezeichnen. Auch der Strukturwandel spielt immer wieder eine Rolle in den Texten. Für die HipHopper bietet dieser oft neue Möglichkeiten.

Sie selbst organisieren eine Tagung zu dem Thema. Warum ist das für Wissenschaftler interessant?

Die Konferenz ist am 2. und 3. Juli, organisiert vom Institut für Amerikanistik und findet im Keuning-Haus statt. Am ersten Tag kommen Wissenschaftler aus Deutschland und den USA zusammen. Wir wollen beleuchten, was den HipHop im Ruhrgebiet so besonders macht. Am zweiten Tag gibt es Praxis-Workshops, die richten sich besonders an die Jugendlichen von hier.

Katrin Schlusen

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