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Hinterbänkler aus Dortmund verabschiedet sich nach 23 Jahren im Bundestag

17.07.2013 | 17:07 Uhr
Hinterbänkler aus Dortmund verabschiedet sich nach 23 Jahren im Bundestag
23 Jahre war der Dortmunder Politiker Erich G. Fritz für die CDU im Bundestag aktiv. Politik regelte der 67-jährige Wirtschaftsexperte weitgehend geräuschlos. Für den neuen Bundestag kandidiert er nicht mehr. Foto: Horst Müller / WAZ FotoPool

Dortmund.   Der Dortmunder CDU-Mann Erich G. Fritz verlässt nach 23 Jahren den Bundestag. Als Hinterbänkler setzte er auf Detailarbeit statt Polit-Show und machte die Politik aus der zweiten Reihe zu seinem Prinzip. Öffentlichkeitsarbeit war seine Sache nicht, er setzte hinter den Kulissen Akzente.

Zwei leere Büros, ein Telefon und das Handbuch für Abgeordnete – mehr findet Erich G. Fritz nicht vor, als er 1990 in den Deutschen Bundestag einzieht. Typisch deutsch dieser Arbeitsplatz eines Parlamentariers vor heute 23 Jahren: schmucklos, nüchtern, man muss sich einzurichten verstehen.

Ähnlich geräuschlos scheidet der Dortmunder nun wieder aus dem Parlament aus, in dem er für seine Partei, die CDU, bald ein Vierteljahrhundert Politik weitgehend geräuschlos gemacht hat. Er sagt: „Man ist halt einfach weg.“

Kein großer Zapfenstreich

Natürlich menschelt es beim Abschied. Der 67-Jährige hat viel erlebt in seiner langen politischen Laufbahn. Vor allem: Er hat viele Mitstreiter gewonnen. Vermuten wir mal, dass da manche Freundschaften entstanden sind. Neudeutsch dürfte sich Fritz wohl einen Netzwerker nennen. Um den einen oder anderen Ausstand wird er also sicher nicht herumkommen.

Doch ein offizieller Akt zum Ausscheiden aus dem Bundestag, eine Art Zapfenstreich für Parlamentarier ist nicht vorgesehen. Seine letzte Rede im Reichstag hielt Fritz bereits im Juni. Als er vom Rednerpult ging, rief ihm ausgerechnet ein Sozialdemokrat ein paar dankende Worte hinterher. Das war’s. Immerhin: Der Sozialdemokrat ist Vizepräsident des Bundestages: Wolfgang Thierse.

Christdemokrat mit guten Manieren

23 Jahre – so lange, wie das wiedervereinigte Deutschland alt ist – saß Fritz im Bundestag, erst in Bonn, dann in Berlin. Darf man da wohl fragen, warum der bald 67-Jährige es in dieser langen Zeit nicht wenigstens – sagen wir – bis zum Staatssekretär gebracht hat? Irgendein Posten eben mit einer Prise mehr Macht und Ruhm und Popularität hätte doch drin sein müssen für den Christdemokraten mit den betont kultivierten Umgangsformen, die jeder Fernsehtalkshow zur Ehre gereichen würden.

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„Danach habe ich nie gestrebt“, verteidigt Fritz sein Politikverständnis, das sich um die Zurschaustellung der eigenen Person und Position offenkundig nicht schert und die Rolle des klassischen „Hinterbänklers“ im Bundestag zum Politik-Prinzip erklärt. 50 Prozent seiner Energie in Öffentlichkeitsarbeit investieren, das wollte der Abgeordnete Fritz nicht. Freilich: Ganz ohne Machtinstinkt dürfte der gebürtige Bayer, den das Lehrerstudium nach Dortmund verschlug, nicht sein. Wie sonst kann man sich in der SPD-Domäne Dortmund 24 Jahre an der Spitze des CDU-Kreisverbandes halten?

Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Erich G. Fritz, so sieht es aus, hat also einiges richtig gemacht im harten Geschäft der Politik. Dazu mag auch seine Entscheidung gehören, nicht in die Vergeblichkeitsfalle der Dortmunder CDU zu tappen. Den zermürbenden, weil jahrzehntelang erfolglosen Ansturm auf die Trutzburg der Genossen im Dortmunder Rathaus überließ er anderen. Fritz zog es stattdessen in die weite Welt. Politisch gesehen.

Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Außenhandel – das waren und sind seine Steckenpferde. Als außenwirtschaftlicher Sprecher der Unions-Fraktion und Vorsitzender des Unterausschusses Globalisierung setzte er sich früh für angemessene Antworten auf die sich radikal wandelnde Weltwirtschaftsordnung ein. 17 Jahre war sein Sachverstand in der parlamentarischen Lenkungsgruppe des Bundestages für die Welthandelsorganisation WTO in Genf gefragt.

„Revier hat eine Lobby in Berlin“

Was das alles mit den Menschen in Dortmund und im Ruhrgebiet zu tun hat, für die er ja diese Politik macht, liegt für Fritz auf der Hand: Die Revier-Wirtschaft profitiere schließlich von der Globalisierung: „Denken Sie nur an all die Weltmarktführer, die wir in unserer Region haben.“

Rein gar nichts hält Fritz von der Behauptung, das Ruhrgebiet führe in Berlin ein Schattendasein: „Das stimmt nicht. Wir haben sehr wohl eine Lobby.“ Wie zum Beweis macht Fritz, dem auch die verschlungenen Pfade im Dickicht der Infrastrukturpolitik vertraut sind, allen stressgeplagten Pendlern des Reviers ein Abschiedsgeschenk. Der schon oft totgesagte Ruhrschnellzug RRX sei nicht mehr zu stoppen. Fritz: „Das Projekt ist unumkehrbar.“

Michael Kohlstadt



Kommentare
18.07.2013
15:49
Hinterbänkler aus Dortmund verabschiedet sich nach 23 Jahren im Bundestag
von xxyz | #1

Ja, es gibt Bundestagsabgeordnete aus Dortmund, auch wenn man davon wenig merkt.

Wenn ich an die Tradition des Metallbaus etc. denke, wo Dortmunder Know-how in der weiten Welt zu Kaisers Zeiten gefragt war, sieht es zurzeit düster aus.
Wir verladen, was andere produziert haben, oder packen es um bzw. verkaufen es. Dass man damit nicht viel verdient, sieht man an jeder Ecke.

Wir sind eine der größten Städte Deutschlands, haben einen Bahnhof, den man Gästen lieber nicht zeigt und eine Bahninfrastruktur, die nicht ausreicht. Auf das Ufo am Bahnhof oder die schnelle S-Bahn warten wir seit Jahren, während andere Abgeordnete in ihrer Region für Mega-Investitionen sorgen.

Warum wählen wir eigentlich? Die Abgeordneten scheinen sich wenig direkt für die Bürger zu interessieren. Schallschutz und Tempo-Reduzierung gibt es überall, nur nicht Do-Brechten.

Im Endeffekt zählt das Ergebnis und da schaut Dortmund bei Investitionen etc. zu oft nur zu, wenn andere an die vollen Töpfe gehen.

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