Dortmund

Heute geht's um die Weltreise

Auch wenn die Bewerber noch nicht genau wissen, wohin die Reise geht, wollen sie die Chance gerne wahrnehmen.
Auch wenn die Bewerber noch nicht genau wissen, wohin die Reise geht, wollen sie die Chance gerne wahrnehmen.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Aus hundert Bewerbungen sind ihre herausgestochen: Ida Andrae und Klaus Steiner wollen Botschafter des Strukturwandels werden. Die Emschergenossenschaft hat Menschen aus der Region dazu eingeladen, auf einer Reise durch die USA, Japan und Afrika den Strukturwandel von einer anderen Seite kennenzulernen.

Dortmund. Um 9 Uhr geht es los! Ida Andrae muss vor einem Gremium aus sechs Leuten ihr Konzept vorstellen. Auf Englisch! Ist sie überzeugend, reist die 26-Jährige demnächst vier Wochen lang durch drei Kontinente und kommt als Botschafterin des Strukturwandels zurück in die Emscherregion.

Aus hundert Bewerbungen ist ihre herausgestochen. Genauso wie die von Klaus Steiner. Die beiden Dortmunder sitzen heute in einem ungewöhnlichen Vorstellungsgespräch. Sie haben sich für die Teilnahme am Kunstprojekt „Grand Tour Nouveau“ beworben. Drei Menschen aus dem Ruhrgebiet sucht die Emschergenossenschaft für das Projekt. Nach der Weltreise sollen die Teilnehmer ihre Erkenntnisse so aufarbeiten, dass sie bei der Emscherkunst-Ausstellung im Sommer 2013 einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden können.

Ida Andrae kann sich auf spontane Weltreise begeben, weil sie gerade ihr Fotografie-Studium an der Fachhochschule abgeschlossen hat. Klaus Steiner ist in einer ganz anderen Lebensphase: Der 59-jährige Dortmunder geht in die passive Phase der Altersteilzeit. „Jetzt kann ich solche Chancen wahrnehmen“, sagt der Leiter der Unternehmensentwicklung des Rechenzentrums kommunaler Unternehmen „rku.it“.

Reise nach Afrika und Japan

Zeit hatte der leitende Angestellte bisher wenig für seine Hobbys. Nun hat er sie und zahlreich Pläne, wie sie zu füllen wäre. Die Emscherkunst ist eine Option. „Eine sehr, sehr schöne“, betont Steiner. Zumindest höre sich das so an. Schließlich wissen die Bewerber bisher wenig über die Aufgaben, die auf sie zukommen. Auch die Eckdaten der Reise liegen noch im Dunklen. „Sicher ist: Es geht aus Europa raus nach Südafrika, USA, China und Japan“, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft.

Drei Menschen schickt die Genossenschaft auf drei Reisen. Jede mit einem eigenen Schwerpunkt. Gesucht wurde ein junger Mensch mit künstlerischer Ausbildung, ein Student der Stadtplanung oder der Soziologie und ein Menschen über 50 Jahre, der Erfahrung in einer leitenden Position im Politik- oder Wirtschaftssektor hat.

Überzeugungsarbeit für das Ruhrgebiet

„Ich bin ein Kind dieser Region und habe den Strukturwandel erst bei den Stadtwerken, später dann bei der rku mitverfolgt“, erzählt Klaus Steiner. Das IT-Unternehmen bei dem er noch bis zum 1. September tätig ist, entwickelte Lösungen für den öffentlichen Nahverkehr, für die Energie- und Wasserversorgung der Region. „Wenn Kollegen vom Bodensee kamen, musste ich erst Überzeugungsarbeit für das Ruhrgebiet leisten. Die waren dann ganz überrascht, wenn wir beispielsweise den Phoenix-See besucht haben.

Ida Andrae begleitet den Strukturwandel im Revier ganz anders. „Seit rund vier Jahren begleite ich das Improvisationstheater Emscherblut fotografisch“, erzählt die Fotografie-Studentin. „Mit 16 habe ich die Gruppe kennengelernt und im Studium kam mir die Idee, dass ich die Auftritte, die ja immer mit einer Wanderung durchs Ruhrgebiet verbunden sind, gerne begleiten möchte.“ Eine Arbeit fürs Herz, nicht so sehr für den Geldbeutel.

Arbeit fürs Herz

Genauso sieht die junge Frau auch das Projekt der Emschergenossenschaft. „Ich bin heimatverbunden, deshalb ist es schön für die Emscherkunst aktiv zu werden.“ Das Konzept für die Präsentation der auf der Reise gewonnen Erfahrungen, das sie für das Bewerbungsgespräch entwickeln sollte, verrät Ida Andrae aber nicht. Genau wie Klaus Steiner. Schließlich ist es ihr Kapital zur Realisierung ihres Traums, für die Emscherregion auf Weltreise zu gehen.