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Herr über mehr als 30 Boote und den Gold-Achter

26.01.2013 | 10:00 Uhr
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Herr über mehr als 30 Boote und den Gold-Achter
Markus Schmitz ist seit sieben Jahren Bootsbauer am Ruderleistungszentrum.

Dortmund. Markus Schmitz ist seit sieben Jahren Bootsbauer am Ruderleistungszentrum - auch er lieferte seinen Beitrag zum Olympiasieg des Deutschland-Achters.

Mit Rudern hatte er nie was am Hut und doch ist er jetzt ein Stück weit mit dem Deutschland-Achter Olympiasieger geworden . Markus Schmitz ist seit sieben Jahren Bootsbauer am Ruderleistungszentrum.

Draußen ist es kalt. Mehrere Zentimeter Schnee liegen auf dem Parkplatz vor den Bootshäusern. Der Kanal ist ruhig. Bei diesen Witterungen ziehen sich die Rudersportler häufig auf die Ergometer und in den Kraftraum zurück. Auch Markus Schmitz ist dann froh, dass er in seiner Werkstatt eine große Heizung hat. Hier arbeitet er an den meterlangen Booten.

Gebaut wird an anderer Stelle

Er steht gebeugt über ein Boot. Markus Schmitz arbeitet an der dünnen Außenwand des Doppel-Einers, ein ein-Mann-Boot mit zwei Rudern. „Das ist letztes Jahr im Trainingslager auf ein Muschelbett gefahren“, sagt Schmitz. Der 37-Jährige fühlt mit einer Hand über die ausgebesserten Stellen im weißen Lack.

Bootsbauer Schmitz stellt die Boote jedoch nicht her. Gebaut werden die meisten bei der Bootswerft Empacher. Schmitz ist dafür zuständig, dass die Boote in Ordnung bleiben. Außerdem ist er dafür zuständig, dass die Sportler die richtige Haltung im Boot haben: „Wenn ein neues Boot kommt, stellen wir die Sitzposition mit den Trainern und den Ruderern zusammen ein. Wo müssen die Rollsitze sein? Welche Position zu den Riemen sollen sie haben? Wie hoch muss ein Sitz sein?“

Das alles kann er nur in enger Zusammenarbeit mit den Trainern wie Ralf Holtmeyer und den Sportlern selbst machen. „Es ist dann ein Zusammenspiel davon, wie es sich für die Sportler anfühlt und wie es für die Trainer oder auch den Steuermann mit der jeweiligen Erfahrung aussieht.“

Moderne Boote aus Hightech-Materialien

Die Boote instand zu halten kostet am Leistungszentrum viel Zeit. Denn Markus Schmitz ist der Herr über mehr als 30 Boote - allein für die Herrenabteilung. „Und die müssen alle unglaubliche Kräfte aushalten“, sagt Schmitz. Dennoch: Schon Treibholz im Kanal oder eine Flasche im Wasser können ein kleines Loch in die Haut schlagen. Das moderne Olympia-Boot des Achters beispielsweise ist zwar über 17 Meter lang, wiegt aber gerade einmal 96 Kilogramm - so viel wie Achter-Olympiasieger Maximilian Reinelt .

Die modernen Boote seien durch Hightech-Materialien so leicht, sagt Schmitz. Kohlefaser, Glasfaser und Epoxidharz nutzt er für die Reparaturen. „Weil das dann immer aushärten muss, kann eine Reparatur zwei bis drei Tage dauern.“ Insbesondere, wenn sie in der heißen Trainingsphase nötig ist. Dann benötigen die Sportler schließlich die Boote. Reparieren kann Markus Schmitz sie nur, wenn die Sportler nicht auf dem Wasser sind.

Doch Schmitz ist nicht nur Handwerker, er ist auch Logistiker für das Ruderleistungszentrum. Fährt eine Sportlergruppe ins Trainingslager oder zu einem Wettkampf, liefert er die Boote, die Ergometer und Materialien für Physiotherapeuten und Mediziner an das dortige Trainingszentrum. „Das ist eine große Verantwortung. Das wissen viele nicht. Auf einem Anhänger lade ich Sachen im Wert einer Viertelmillion Euro.“

Vor Ort die Einstellungen überprüft

Im Olympiajahr hat er alle Trainingslager mit vorbereitet und abgefahren. Quer durch Europa ging es für ihn und die Boote. „Ich könnte nicht sagen, wie viele Wochenenden ich überhaupt zu Hause war.“ Rund 40.000 Kilometer hat er mit dem Bulli und dem Anhänger abgespult. Von Italien über Spanien führte der Weg der Trainingslager dann nach London.

Und auch dort war er dabei, als das Team Gold gewann. Vor Ort hat er nochmals die Einstellungen überprüft, alle Schrauben kontrolliert und das Boot noch einmal auf Hochglanz gebracht. Damit es sich besonders gut anfühlt, poliert er es regelmäßig. Für jede Oberfläche gibt es andere Polituren und andere Aufsätze.

In der Werkstatt liegen ein Dutzend verschiedene Bezüge für die Poliermaschine. „Lammfellscheiben, Schaumstoffscheiben“, sagt Schmitz und greift in ein Regal mit mehreren runden, weichen Bezügen. „Wenn die Sportler merken, das Boot ist besonders glatt, kann das ein mentaler Vorteil sein. Ob es am Ende etwas bringt, müssen die Wissenschaftler untersuchen.“ Schmitz hat alles getan, um seinen Beitrag zum Olympiasieg zu leisten.

Von Oliver Körting

Kommentare
26.01.2013
10:12
Herr über mehr als 30 Boote und den Gold-Achter
von xxyz | #1

Die Ruderer sind ein Bereicherung für Dortmund. Es ist immer wieder toll, die Sportler auf dem Wasser zu sehen.

Aber ich frage mich doch, wie die Trainer(innen), die schreiend auf dem Rad fahrend die Ruderer begleiten, sich im Privatleben verhalten :-).

Viel Erfolg!

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