"Herr Sierau hat die Zahlen gekannt”
19.09.2009 | 13:55 Uhr 2009-09-19T13:55:00+0200
Dortmund. Ullrich Sierau (SPD), Oberbürgermeister im Wartestand, kann nicht länger behaupten, von den miserablen Haushaltszahlen nichts gewusst zu haben. "Er kannte die Zahlen", sagt die Arnsberger Vize-Regierungspräsidentin. Für Sierau wird es jetzt noch schwerer, sein Amt anzutreten.
Es wird eng für Ullrich Sierau (SPD), OB in spe. Die Arnsberger Bezirksregierung hat Freitag offiziell Sieraus Darstellung widersprochen, er habe „von der Eskalation der Zahlen nichts gewusst”.
Die Unterlagen, die Sierau am 29. Mai für das Treffen mit OB Langemeyer und Kämmerin Uthemann am 5. Juni aus der Kämmerei zugestellt wurden, sprechen eine andere Sprache - wir berichteten. Sierau selbst wertete diese Zahlen nach wie vor als eine „nicht belastbare Prognose”.
"Die Zahlen gekannt"
„Herr Sierau hat die Zahlen gekannt”, präsentierte Vize-Regierungspräsidentin Carola Geiß-Netthöfel am Freitag ein „Zwischenergebnis” der Arnsberger Aktenprüfung. Tatsächlich weist Kämmerin Christiane Uthemann in den fraglichen Papieren für die Sitzung am 5. Juni pflichtgemäß auf einen sich abzeichnenden Fehlbetrag in Höhe von 158,5 Mio. Euro fürs Jahr 2009 hin - geplant war ein Minus von 27 Mio. Euro. Mehr noch: In den Prognosen für die Folgejahre bis 2013 rechnete die Kämmerei mit weiteren Defiziten von 217 Mio in 2010 sowie mit 237,8 Mio in 2011, mit 200,4 Mio. für 2012 und 158,3 Mio. für 2013. Das Eigenkapital der Stadt (die allgemeine Rücklage) schmilzt wie Butter in der Sonne von zwei auf 1,3 Milliarden Euro. Ausdrücklich weist Uthemann in den brisanten und bislang geheim gehaltenen Unterlagen darauf hin, dass Dortmund ohne Gegensteuern in die Haushaltssicherung rutscht. Als Gegenmaßnahme regt Uthemann die Gründung einer Ratskommission an, der sowohl OB Langemeyer als auch Stadtdirektor Sierau angehören sollten. „Und selbst wenn Herr Sierau diese Zahlen nicht gelesen hat”, so Vize Geiß-Netthöfel, „als Stadtdirektor hätte er sie lesen müssen.”
"Qualität der Dortmunder Kämmerei ist exzellent"
Auch den Hinweis von Sierau, es habe sich um Prognosen gehandelt, lässt Arnsberg nicht gelten. „Die Qualität der Dortmunder Kämmerei ist exzellent”, lobt Ferdinand Aßhoff, Leiter der Kommunalaufsicht. „Eine Kämmerin schreibt das nicht einfach so auf.” Es mag angehen, dass sich zwischenzeitliche Fehlbedarfe zum Jahresende immer wieder glätten ließen. „Aber nicht bei dieser Finanzkrise.” Alle Städte im Regierungsbezirk hätten frühzeitig sinkende Steuereinnahmen und steigende Sozialausgaben signalisiert. „Um so mehr hatte es uns überrascht zu hören, dass die Finanzkrise an Dortmund offenbar spurlos vorbeigehen sollte. Denn genau diesen Eindruck habe die Kämmerin noch am 26. Mai bei einem Gespräch im Rathaus vermittelt - drei Tage später verschickte sie die Brandpapiere. Fazit von Geiß-Netthöfel: „Man hat uns über die dramatische Entwicklung im Unklaren gelassen.”
Sierau untermauert Darstellung
Ullrich Sierau untermauerte am Freitag gegenüber der WR seine bisherige Darstellung. Die vorgelegten Zahlen für 2009 seien „nicht belastbar und unvollständig” gewesen. Mehreinnahmen und zusätzliche Erträge seien nicht deutlich geworden. „Nicht ernst zunehmende Prognosewerte.”
Das träfe um so mehr auf die so genannte „Schweineliste”, die Zahlen für 2010 zu. Die Kämmerei weise immer auf Risiken hin und flöße Angst ein. „Das darf man 1:1 nicht glauben.” Schon vor Jahren habe man das Wohnungsamt auflösen wollen - doch das gebe es heute noch, beschreibt Sierau den aus seiner Sicht vorläufigen Charakter des Zahlenwerks.
19:35
Auch ein kommissarischer OB Langemeyer kann durch den Rat abgewählt werden. Und ich kann mir gut vorstellen, daß es einige Genossen gibt, die ihn auch lieber gestern als morgen zum Teufel jagen wollen.
Und: es kann Jahre dauern, muß aber nicht... siehe Meckenheim. Man darf also gespannt sein, wer zuletzt lacht.
Mein Tip: Sierau knickt nach der Bundestagswahl ein.
18:28
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18:09
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10:11
@Eichlinghofer
Da mußt Du nur mal die Leserbriefe in der Druckausgabe der WR lesen, sei es am vergangenen Samstag oder auch heute. Entweder läßt sich der SPD-kritische Bürger eher im Internet aus, oder die WR legt ein leicht tendenziöses Verhalten bei der Auswahl der abzudruckenden Zuschriften an den Tag. Ein Chelm, wer Pöses dapei denkt. Jedenfalls, wenn Du mal die Statements der treuen Stammwählerschaft lesen willst, da wirst Du fündig.
00:57
*********** soll in der Düsseldorfer SPD-Parteizentrale ob der Dortmunder Wahlbetrugsaffäre und der autistischen Aktion von Langemeyer getobt haben. Verstehen könnte mensch das schon.
Die SPD soll für die Bundestagswahl Dortmund abgeschrieben haben- heißt: Hier werden keine nenneswerten Stimmanteile der wichtigen Zweitstimmen mehr für die SPD erwartet. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die beiden Direktmandate geholt werden können.
Bei einer Wiederholung der Kommunalwahl fürchtet die Partei ein Debakel. Halt so eines, wie sie es der Stadt mit dem Haushalt auch bereitet hat.
00:48
Danke;-)
Was mich allerdings noch viel mehr als die ausbleibende Unterstützung aus den örtlichen Reihen wundert, ist die Tatsache, dass Hannelore Kraft sich zum Thema völlig duckt, obwohl ja sie es war, die in der ominösen Kandidatenaffäre hier unverhofft auftauchte und Sierau als Kompromisskandidaten aus dem Hut zog.
Will sich da Jemand vor nächstem Sonntag nicht mehr die Finger verbrennen oder ist das auch eine mehr als beredte Stille??;-)
22:42
touché :-)
22:35
@Eichlinghofer
Ich denke, dass die Absenz dieser von Ihnen erhofften Statements schon ein deutliches Statement an sich ist. Öffentlicher Rückhalt für Sierau & Co. sollte anders aussehen.
22:17
@ vaikl
danke, für die antwort. unsere ansichten sind da ziemlich deckungsgleich.
dennoch fehlt mir nach wie vor eine nennenswerte masse an ehemaligen spd-stammwählern, die sich nun auf grund der aktuellen entwicklung endgültig und eindeutig lossagen.
dass die tendenziell unentschlossenen sich jetzt hoffentlich endgültig abwenden ist ja selbstverständlich, aber mich interessiert die rote basis, die hier in dortmund über jahrzehnte die politische landschaft bestimmt hat.
ich denke dabei nicht nur an die kleinen wähler, die nichts anderes mehr kennen, sondern auch an die vielen funktionäre, manager und (nicht zuletzt) an die so genannte gestige elite, die dormunds vetternwirtschaft nicht nur seit jahrzehnten toleriert, sondern von der eigenen mitgliedschaft sicherlich ein gutes stück toleriert.
aus dieser perspektive hätte ich halt gerne mal ein klares statement.
22:03
Ich habe die Zahlen nicht gekannt haha
plötzlich Ich habe die Zahlen gekannt, aber nicht ernst genommen haha
dann OWEIA, die Zahlen stimmen plötzlich oh Gott.
LÜGNER LÜGNER