Das aktuelle Wetter Dortmund 11°C
Bruno Knust

Heimat geht über alles im „Weißen Rüssl“

16.09.2011 | 19:00 Uhr
Heimat geht über alles im „Weißen Rüssl“
Im weißen Rüssel am Phoenixsee ist so manches möglich... Foto: Marcus Simaitis

Dortmund. Monte Schlacko, geliebte Halde mit dem schlackernden Gipfel - man sieht sie noch gar nicht, da hört man sie schon. Und auch der Phoenixsee ist, Junge, schiff nie wieder, nie wieder hinaus, erst mal akustisches Ereignis. Dann öffnet sich im Spiegelzelt am U der rote Vorhang, und Bruno Knusts „Im weißen Rüssl“ kommt zum Vorschein.

Richtig gelesen. In Hörde heißt das Rössl Rüssl - und der ist richtig lang. Über drei Stunden dauert es am Premierenabend, bis der Vorhang wieder geschlossen ist. Und dabei, trauert „Günna“, habe er die Vorstellung um mehr als die Hälfte gekürzt, Das klingt, als wolle er sich entschuldigen.

Muss er nicht. Wo er spielt, ist Heimspiel. Ist Heimatspiel.

In Knusts Wirtshaus kämpfen zwar auch Wirtin und Kellner um ihre Existenz, mit ihren Gefühlen und gegen renitente Gäste aus Berlin, doch die Speisekarte schmeckt eher nach Westfalen. Nach Pannas und Griebenschmalz auf Püttmanns Art. Doch jodeln können die netten Hörder Eingeborenen schließlich auch. Man höre!

Überhaupt ist viel Musik in der Sache, mehr als im beliebten alpinen Singspiel selbst. Also weiß Sigismund nicht nur, was er dafür kann, dass er so schön ist. Nein, der Besucher geht auch auf eine (rüssllange) Reise, durch Musical, Operette, Schlager und noch mal Schlager - mit Phonixsee-kompatiblen Texten natürlich. Auch das hohe Lied der Klofrau wird gesungen, und für eine horizontale Ebene sorgen stimmstarke Bienen und ihr Lud’l, also der Herr Verkehrsdirektor.

Womit wir bei den Dialogen sind. Die sitzen in der Premiere noch nicht wirklich wie genagelt, Knust wird da nachbessern wollen: Zu viele Pointen gehen verloren. Zwei große Lacher sind für die Länge des Ganzen dann doch etwas wenig. Wir heißen alle Lulu, verrät Miezi. Außer Chantal, die heißt Mandy. (Alt?) Die Bahn kommt auch vor (obwohl Wasserflugzeug-Kapitän Crash und seine Crew den Hörder Aufprall perfekt beherrschen. Zur Bahn: Bahnfahrer sind die besten Liebhaber. Die kommen nie zu früh.

Die Perle Westfalens

Es gibt Strecken, da sich das Zeltpublikum des ersten Abends intensiv mit sich selbst beschäftigt. Bis von der Bühne ein markiges „Kein Bier mehr für ab dahinten!“ kommt.

Den Satz spricht „Sigismund“ Dominik Freiberger. Mit ihm und Knust auf der Bühne: Jane Franklin, Susan Kent, Nicoletta Knust, Anne-Sophie Rüther, Claus Dieter Clausnitzer, Michael Kamp, Fabio Knust, Olaf Mohrholz. Und Oleg Bordo, der Mann am Klavier.

Sie alle wissen jetzt: Gutes Volkstheater ist schwere Arbeit, Regie kann hilfreich sein, der typische Knust-Jargon ist nicht unbedingt auf alle übertragbar. Und dass die Perle im Westfalenland „dat Hörde is“. Nix sonst.

Rainer Wanzelius



Kommentare
Aus dem Ressort
Thyssen-Krupp Steel führt die 31-Stunden-Woche ein
Stahl
Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp Steel führt an seinen Standorten Duisburg, Bochum, Dortmund, Finnentrop und Siegen die 31-Stunden-Woche bei Lohnverzicht ein. Darauf haben sich Unternehmen und Betriebsrat verständigt. Der „Tarifvertrag Zukunft“ soll Stellenstreichungen und Kurzarbeit verhindern.
Unheimliche Einbruchsserie in der Gartenstadt
Seit Juli
Zwei maskierte Männer stehen spätabends in einem Jugendzimmer in der Gartenstadt. Das ist der Auftakt einer unheimlichen Einbruchserie in der südlichen Gartenstadt. Seit Juli folgt dort ein Einbruch auf den anderen.
Stadt plant Rückkehr von Katastrophenschutz-Sirenen
Für große Gefahrenlagen
Ältere Dortmunder kennen die Heultöne noch - wenn nicht aus dem Krieg, so doch zumindest von den regelmäßigen Probealarmen, die es bis in die 1990er Jahre gab. Jetzt könnte es eine Rückkehr der Sirenen auf Dortmunds Dächer geben. Wir haben eine Hörprobe.
Messerstecherei in Nordstadt - Mann schwer verletzt
Schüchtermannstraße
Erst gab es Streit, dann wurde das Messer gezückt: Bei einer Messerstecherei ist am Freitagmorgen ein 36 Jahre alter Dortmunder schwer verletzt worden. Das Opfer war in einem Caf in der Nordstadt mit einem 24-Jährigen aneinander geraten. Nach ersten Erkenntnissen schwebte der Mann zwischenzeitlich...
Jesiden-Demo mit 1000 Teilnehmern zieht zum Friedensplatz
Protest gegen IS-Miliz
Es könnte die bisher größte Jesiden-Demo in Dortmund werden: Für heute Nachmittag ist ein Protestzug mit 1000 Teilnehmern von der Nordstadt in die City angemeldet. Es wird voraussichtlich zu Verkehrsbehinderungen kommen, besonders auf dem Wall.
Fotos und Videos
Phoenix-See und Weihnachtsbaum - Dortmund von oben
Bildgalerie
Aus der Luft
Gedenkstätte vor dem Haus an der Hangeneystraße
Bildgalerie
Fotostrecke
Der Hansemarkt 2014 ist eröffnet
Bildgalerie
Fotostrecke
DFB-Museum testet LED-Leinwände
Bildgalerie
Fotostrecke