Heilende Schnitte ohne Skalpell
13.01.2010 | 17:56 Uhr 2010-01-13T17:56:00+0100
Dortmund. Darmkrebs - eine böse Diagnose. Denn meist wird die Krankheit erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt, weil sie anfangs keine Beschwerden bereitet.
Am Klinikum Dortmund haben die Mediziner des Innern die Diagnose und Behandlung von Darmerkrankungen durch endoskopische Eingriffe weiter verfeinert. Immer öfter ersetzt das Endoskop das Skalpell.
Der Fall der 170 Kilo schweren Patientin, die mit einer großen Wucherung im Darm, einem Polypen, kam, machte gestern bei der Fortbildung für Ärzte und Pflegekräfte im Klinikum die Runde. Durch den aggressiven Polypen hatte die Kranke nur noch ein Fünftel ihres Blutes. Aufgrund ihrer Leibesfülle kam ein klassischer chirurgischer Eingriff nicht in Frage, erläutert Prof. Michael Heike. Der Königsweg kam ohne Schnitt aus: mit den neuen endoskopischen Instrumenten.
„Wir können endoskopisch jetzt tiefer in die Darm- und Magenschichten schneiden”, erläutert Dr. Martin Fähn-drich, neuer Leitender Oberarzt der ausgebauten Endos-kopie-Abteilung. „Wir können dabei sogar ein Loch in der Darmwand in Kauf nehmen”, so Fähndrich. Denn das Endoskop, das durch den After eingeführt wird, ist nicht nur mit optischen Hilfen, sondern auch mit Schlingen, thermischen Messern und sogar mit Klammer-Clips ausgestattet.
„Wir sind auf diesem Gebiet in der Region ein Referenzzentrum”, erklärt Prof. Heike. Zwei Dutzend Mediziner aus Dortmund und Umgebung hörten sich gestern die Neuheiten an - und durften anschließend selbst zur Tat schreiten. Dazu hatte Dr. Marcel Sandmann Schweinemagen besorgt und für die endoskopische Übung präpariert.
»Kein großer Bauchschnitt für kleine Tumore«
Vorteil der Endoskopie: Für kleine Tumore in Magen und Darm muss heute nicht mehr der große Bauchschnitt sein. Polypen, die Vorstufen zu bösartigen Tumoren, werden fast immer bei Vorsorge-Untersuchungen entdeckt, wenn sie noch keine Beschwerden bereiten, so Prof. Heike. Er rät, auch die Symptome von Reflux, Sodbrennen, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Es könne sich um kanzerogene Vorstufen in der unteren Speiseröhre handeln.
Einige Millionen Deutsche nähmen inzwischen die Vorsorge wahr. „Die Mehrheit aber leider noch nicht”, bedauert Heike. Der Spezialist am Klinikum ist überzeugt, dass die Untersuchungen die Häufigkeit von Dickdarmkrebs senken werden.
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