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Haft für Herrscher des „Strichs“

20.12.2012 | 17:02 Uhr
Der damalige Straßenstrich an der Ravensburger Straße.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Sein Wort war Gesetz auf dem früheren Straßenstrich an der Ravensburger Straße. Dafür muss der 42-Jährige mit dem Spitznamen „Sunay“ jetzt drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Zur Durchsetzung seiner Interessen beauftragte er auch gern seine vier schlagkräftigen Statthalterinnen.

Mit harter Hand sorgte er dafür, dass auf dem früheren Straßenstrich alle nach seiner Pfeife tanzte. Und alle spurten, wenn „Sunay“, so der Spitzname des 42-jährigen Bulgaren, auf der Ravensburger Straße seine Anweisungen gab.

Dafür muss „Sunay“ jetzt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer räuberischer Erpressung drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter, so lautete gestern das Urteil der 39. Großen Strafkammer. Zuvor hatte der Mann an der Seite seines Verteidigers Matthias Meier ein umfassendes Geständnis abgelegt. Und das, so der Vorsitzende Richter Peter Windgätter, sei in diesem Fall als besonders strafmildernd zu werten.

Dortmunds Bordell-Zone

Denn sowohl Opfer als auch Zeugen der zahlreichen massiven Einschüchterungsaktionen auf Prostituierte konnten gestern nicht vor Gericht gehört werden: Sie sind verschwunden, vielleicht in ihrer bulgarischen Heimat, vielleicht in irgendwelchen Clubs. Und da es „Sunay“ selbst war, der zur Aufklärung seiner Straftaten entscheidend beitrug, durfte er gestern erst einmal in seine Dortmunder Wohnung gehen und muss Weihnachten nicht im Knast verbringen. Der Haftbefehl wurde unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt, in naher Zukunft tritt er dann seine Strafe aus der Freiheit an.

„Arbeitserlaubnis“ gab es erst von Sunay

Was „Sunay“ sagte, das war Gesetz auf dem im Mai 2011 geschlossenem Straßenstrich an der Ravensburger Straße. Und hier durfte nur „arbeiten“, wer sich an Sunays Regeln hielt. Zur Durchsetzung seiner Interessen hatte er eine ganze Armada von Statthalterinnen um sich gescharrt. Und die mussten den Neuen sagen, wo es lang ging. Vier der Damen wurden bereits wegen Erpressung und Körperverletzung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Als letzte traf es Violetta, sie kassierte im August ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung.

Straßenstrich am Ende

Alle vier Frauen waren Täterinnen und Opfer zugleich. Im Auftrag von „Sunay“, so hatten sie in ihrem Prozess erzählt, trieben sie von ihren neuen Konkurrentinnen Standgeld ein, teilweise 50 Euro am Tag. So hatte eine der „Neuen“ aus Angst vor „Sunays“ energisch auftretendem Quartett insgesamt 7500 Euro berappt.

In Plovdiv klickten dann die die Handschellen

Auch die brutale Strafaktion der Statthalterinnen gegen eine junge Bulgarin, die sich nicht um das Standgeld scherte und sich einfach weiter trotzig an die Straße stellte, geschah im Auftrag des Chefs: Zu mehreren lauerte man dem Mädchen in der Verrichtungsbox auf und schlug sie grün und blau. Eine andere Frau verlor einmal einen Zahn, eine dritte wurde mit dem Regenschirm verprügelt.

Während die vier Frauen bereits ab Anfang 2011 größtenteils in der Nordstadt festgenommen und später verurteilt wurden, klickten für „Sunay“ die Handschellen erst im Mai 2012 in Plovdiv .

Kathrin Melliwa

Kommentare
13.03.2013
13:23
Haft für Herrscher des „Strichs“
von SoftPlaner | #6

Ach, wurde uns nicht jahrelang von der christlichen Einrichtung Kober an der Ravensbergerstraße erzählt, dass es sich dort um gute, sichere, saubere...
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2012-12-20 17:02
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