Hacker tricksten Wahlautomaten aus
08.10.2007 | 00:00 Uhr 2007-10-08T00:00:00+0200Ernst-Otto Sommerer hätte am liebsten, das niemand über das Debakel spricht: In Holland dürfen Wahlautomaten des holländischen Herstellers Nedap wegen Zweifeln an der funktionellen Sicherheit nicht mehr verwendet werden. Die gleichen Wahlautomaten sind in
Zwei Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) hatten in Holland den Glauben an die Zuverlässigkeit der Wahlautomaten ins Wanken gebracht. Bei Fernsehsendungen spielten sie mit den Wahlautomaten Schach. Die Öffentlichkeit reagierte empört. Bis das Innenministerium die Zulassung zurückzog.
Ernst-Otto Sommerer, der seit Jahrzehnten in Dortmund Wahlen organisiert, sagte, die Holländer seien mit den Geräten einfach "zu lasch umgegangen". Die beiden Hacker hätten sie ohne Probleme bei einer Gemeinde kaufen können und dann eben umprogrammiert. Herbert Schulze-Geiping von der HSG-Wahlsysteme GmbH in Werne, der die Geräte in Deutschland vertreibt: "Was Menschen programmiert haben, können sie auch wieder umprogrammieren."
Sommerer ist überzeugt, dass Manipulationen in Dortmund ausgeschlossen sind. Weil niemand die Möglichkeit hat, auf die Innereien der Automaten Einfluss zu nehmen. Die seien gelagert in einem "alarmgesicherten Raum". Die Hacker von Holland sagen allerdings, es reichten nur 60 Sekunden, um den Speicherbaustein gegen einen anderen auszutauschen. Sie wollen in Holland bei mehreren Kommunalwahlen Tests gemacht und festgestellt haben, dass insbesondere in den Morgenstunden Wahlautomaten bis zu 20 Minuten unbeobachtet herumgestanden hätten. "Es hätte geklappt."
In Dortmund sind die Geräte auch noch versiegelt
Nicht in Dortmund, beteuert Sommerer. Weil nämlich hier die Automaten im Gegensatz zu Holland auch noch versiegelt würden. Er ist weiterhin von der Sicherheit der Automaten überzeugt. "Ich bleibe da ganz gelassen." Eine Überraschung ist trotzdem möglich: Das Bundesverfassungsgericht befasst sich mit dem Thema. Nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch deshalb, weil die vom Bundeswahlgesetz vorgeschriebene öffentliche Auszählung von Stimmen bei Wahlautomaten nicht gegeben ist. Sommerer erwartet die Entscheidung im ersten Quartal des nächsten Jahres - "mit Gelassenheit", wie er sagt.
Er bedauert zusammen mit Herbert Schulze-Geiping die Diskussion über die Wahlautomaten aus einem ganz anderen Grund: Weil sie sich womöglich mit bleierner Schwere auf die ohnehin ausgeprägte Wahlmüdigkeit legen könnte. "Wenn die Menschen am Ende den Wahlautomaten nicht vertrauen, warum sollen sie dann wählen?"
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