Gynäkologe soll 113 Frauen mit "Uhren-Kamera" gefilmt haben

Im Sommer 2012 wurde bekannt, dass ein Frauenarzt in seiner Praxis in der Innenstadt heimlich Aufnahmen von den Genitalien seiner Patientinnen gemacht haben soll.
Im Sommer 2012 wurde bekannt, dass ein Frauenarzt in seiner Praxis in der Innenstadt heimlich Aufnahmen von den Genitalien seiner Patientinnen gemacht haben soll.
Foto: ddp/Roland Magunia
Was wir bereits wissen
Ein Dortmunder Frauenarzt soll mindestens 113 Frauen heimlich im Intimbereich gefilmt haben — mit einer versteckten Kamera in Armbanduhr und Kugelschreiber. Dutzende Patientinnen haben inzwischen Strafanzeige gegen den Gynäkologen erstattet. Seine Praxis in der Dortmunder Innenstadt hat er abgegeben.

Dortmund.. Die Zahl der Frauen, die von einem Gynäkologen heimlich während der Untersuchungen gefilmt und fotografiert wurden, steigt. Bisher sind es 113 geschädigte Frauen. 91 von ihnen stellten Strafantrag. Die Ermittlungen gegen den Arzt seien aber bei weitem nicht abgeschlossen, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Dr. Barbara Vogelsang, auf Anfrage.

Anfang Juli 2012 wurde bekannt, dass ein Frauenarzt in seiner Praxis in der Innenstadt heimlich Aufnahmen von den Genitalien seiner Patientinnen gemacht haben soll. Kugelschreiber und Armbanduhr waren bei einer Durchsuchung der Praxis Mitte Juni sichergestellt worden — ebenso wie CDs, DVDs und Computer. Viele Bilder sind offenbar an zwei Tagen im Oktober 2010 sowie an einem Tag im April 2012 entstanden. Komplett ausgewertet ist das sichergestellte Material aber noch immer nicht. Allerdings gilt eine dreijährige Verjährungsfrist – das frühere Anfertigen der Bilder kann strafrechtlich nicht verfolgt werden.

Frauenarzt Die Aufnahmen des verheirateten Mediziners, der nicht mehr praktiziert, stammen aus mehreren Jahren, mindestens aus dem Zeitraum Herbst 2010 bis Frühjahr 2011. Offenbar hatte er mit einer versteckten Kamera gearbeitet.

Vertrauen in die Praxis zutiefst erschüttert

Das Vertrauen in die Praxis war nach diesen mutmaßlich strafbaren Handlungen zutiefst erschüttert. Dies bekam auch die Gynäkologin zu spüren, die als Nachfolgerin die Praxis übernahm. Sie renovierte nicht nur die Räume, sondern leistet in langen Gesprächen Überzeugungsarbeit bei ihren Patientinnen. Mit ihrem Vorgänger hat sie rein gar nichts gemein.

Im Fall einer Verurteilung erwartet den Arzt eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Wann es zum Prozess kommt, ist derzeit noch völlig unklar.