„Gute Songs kommen von der Straße“

Seit 40 Jahren zählt Allan Taylor als Dichter und Troubadour zu den geschätztesten Singer-Songwritern der Folk-Szene.
Seit 40 Jahren zählt Allan Taylor als Dichter und Troubadour zu den geschätztesten Singer-Songwritern der Folk-Szene.
Seit 40 Jahren zählt Allan Taylor als Dichter und Troubadour zu den geschätztesten Singer-Songwritern der Folk-Szene. Mit literarischer Anmut widmet sich Taylor in seinen Liedern den ansonsten unbesungenen Helden. Am 7. Oktober singt er im Piano.

Dortmund.. Seit 40 Jahren zählt Allan Taylor als Dichter und Troubadour zu den geschätztesten Singer-Songwritern der Folk-Szene. Mit literarischer Anmut widmet sich Taylor in seinen Liedern den ansonsten unbesungenen Helden. Trotz seines akademischen Grades ist Taylor seinen Wurzeln immer treu geblieben und singt mit seiner unverwechselbaren tiefen, sonoren Stimme bewegende Roadsongs. Auch mit seinem filigranem, so einfach anmutendem Gitarrenspiel begeistert der 67-Jährige seine Fans. Am Sonntag, 7. Oktober, tritt der Brite wieder im Musiktheater Piano auf.

Sie haben die Schule mit 16 Jahren verlassen, um in den 80er Jahren die Abschlüsse nach zu holen, zu studieren und ihre Dissertation zu schreiben. In welchem Fach haben sie ihren Doktortitel?

Allan Taylor: Ich bin Doktor der Ethnomusicology, das ist eine Kombination aus Soziologie, Anthropologie, Musikwissenschaft und Psychologie.

Warum haben sie sich erst so spät entschieden noch mal zu studieren?

Taylor: Wie alle Kinder der Arbeiterklasse habe ich die Schule verlassen, um zu arbeiten. Drei Jahre lang habe ich eine Ausbildung gemacht und bin mit 21 Jahren mit der Gitarre losgezogen, um nie mehr zurück zu kommen. Aber mit Mitte 30 hatte ich das Bedürfnis, wieder etwas zu lernen. Erst habe ich den Bachelor gemacht, dann den Master, um schließlich mit dem Doktor abzuschließen. Das hat zwölf Jahre gedauert. In der Zeit habe ich nebenbei aber eine Reihe von CDs aufgenommen. Für die BBC geschrieben und bin viel getourt. Es war eine höchst produktive Zeit.

Unterrichten sie abseits der Musik?

Taylor: Nicht mehr. Ich habe drei Jahre an einer Kunsthochschule Philosophie unterrichtet, aber ich hatte keine Lust mehr auf die ganze Bürokratie. Ich bevorzuge es, ein reisender Troubadour zu sein.

Hilft es einen guten Song zu schreiben, wenn man soviel Hintergrundwissen hat?

Taylor: Mein musikalisches Wissen war schon vor meinem Studium sehr fortgeschritten. Ich habe viel durch das Hören von vielen unterschiedlichen Genres gelernt. Tatsächlich habe ich acht Alben aufgenommen, ohne eine einzige Note zu können. Eine formale musikalische Erziehung hat eher einen schlechten Einfluss auf das Songschreiben. Gute Songs kommen in der Regel von der Straße, um genauer zu sein aus den Kneipen und Cafes entlang der Straßen!

Mehr als 100 Covers von "It´s Good To See You"

Einige ihrer Songs sind von Hannes Wader in Deutsch gesungen worden. Gibt es da eine persönliche Verbindung?

Taylor: Ich kenne Hannes seit mehr als zwanzig Jahren. Als ich vor kurzem meine neue CD für Stockfisch aufgenommen habe, hat Hannes mich in den Studios in Northeim besucht. Im letzten Jahr waren wir gemeinsam auf Tournee und ein Mitschnitt davon kommt im Februar 2013 bei Universal heraus.

Ihre Songs sind oft und in der ganzen Welt gecovert worden. Gibt es eine Lieblingsinterpretation?

Taylor: Es gibt viele, die ich liebe, aber vielleicht Frankie Miller’s Version von „It’s Good To See You“ am meisten. Das war übrigens in den späten 70er Jahren ein Hit in Deutschland.

„It’s Good To See You” ist ja ihr bekanntester Song. Wissen sie, wie oft er gecovert wurde und in wie viel Sprachen wurde er gesungen?

Taylor: Es gibt zur Zeit sicherlich mehr als 100 Versionen von dem Song und er ist in zehn Sprachen übersetzt worden.

Randy Newman soll einer der Musiker sein, die sie am meisten bewundern. Wer hat sie sonst beeinflusst?

Taylor: Meine ersten Vorbilder waren Woody Guthrie, Tom Paxton und Bob Dylan, dann der englische Gitarrist Davy Graham und textlich die ganzen Beat Poeten, Jack Kerouac u.s.w. Als ich in den Zwanzigern war, kamen dann Leute Leonard Cohen und Randy Newman hinzu. An Newman fasziniert mich, wie er es schafft unterschiedliche Stimmungen in einem Song zusammen zu fassen. Da gibt es Traurigkeit und Tragik, aber auch Humor und viel Ironie und alles immer mit viel Empathie.

  • INFO
    Das Konzert am 7. Oktober beginnt um 20 Uhr im Piano. Lütgendortmunder Straße 43. Die Tickets kosten 17 Euro im VVK und 19 Euro an der Abendkasse.