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Gruppen müssen sich deutlich von Nazis distanzieren

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Eine der verbotenen Reichskriegsflagge nachempfundene BVB-Fahne auf der Südtribüne.Foto: Jochen Linz/PiLi

Wie kann der Rest der Tribüne damit umgehen, wenn im Umfeld agitiert wird?

Steinert: Da ist die Frage, ob es so etwas wie Selbstreinigungsprozesse gibt. Gruppen müssen sich deutlich distanzieren. Aber vielleicht muss auch geklärt werden, wie groß die Ängste sind, gegenüber agitierenden Rechten aktiv zu werden. Es gibt ja die verschiedensten Gruppen: Ultras, die Northside, verschiedene Fighting Crews und so weiter. Es gibt Einzelpersonen, wie den Käfigkämpfer, der als Ausbilder fungiert hat. Der hat inzwischen Stadionverbot. Das ist eine härtere Szene.

Mit der wollen sich die meisten Fans nicht anlegen...

Steinert: Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Leute an uns wenden. Wir haben möglicherweise ein Kommunikationsproblem. Wenn die Ultras aus Prinzip nicht mit der Polizei sprechen , müssen wir da trotzdem irgendwie dran. Wir hören ja auch die Gerüchte, dass es Überfälle einer Ultra-Gruppe auf die andere gegeben haben soll. Da ist von 60 Überfällen auf einzelne Personen die Rede. Da frage ich mich, ob es da wirklich keine Zeugen gegeben hat, die das der Polizei mitteilen können. Auf Basis von Gerüchten können wir nicht ermitteln.

Georg Steinert befasst sich für den Staatsschutz der Polizei Dortmund mit Rechtsradikalen.Foto: Polizei Dortmund

Klar ist: Wir müssen einen Kommunikationsweg öffnen. Wir haben zum Beispiel das Sorgentelefon (0231 132-7777, Anm. d. Red.) für Opfer rechter Gewalt. Dort kann man sich anonym mit der Polizei in Verbindung setzen. Natürlich sitzt da dann ein Polizeibeamter, der viele Fragen stellt, eben um das Ganze dann auch irgendwann gerichtsfest zu machen. Man kann das einfach mal ausprobieren.

Um Kommunikationswege zu finden, muss Vertrauen aufgebaut werden. Wie wollen Sie einen Weg finden, um in eine so geschlossene Szene zu kommen, wie es die Ultra-Szene ist?

Steinert: Wir stellen uns seit einiger Zeit die Frage, wie wir die Nase an die Taten, oder besser noch an die Opfer kriegen. Wir haben uns gesagt: Die Rechten sind vernetzt, wir müssen’s werden. Dann sind wir in einen engen Dialog mit der Opferberatung Backup getreten, um eine Ebene zu finden, auf der wir mit Opfern kommunizieren können. Denn wie die Ultra-Szene, arbeitet auch die Antifa nicht mit der Polizei zusammen. Oft fehlt einfach nur ein Gesicht, um kommunizieren zu können.

Die acht Rechten, die jetzt Stadionverbote bekommen haben, waren ja als Rechte Straftäter bekannt. Warum hat die Polizei nicht schon lange vorher Betretungsverbote für das Stadionumfeld erwirkt, um diese Personen vom Stadion fernzuhalten?

Steinert: Das ist schwierig. Wir können niemandem wegen seiner Gesinnung verbieten, ins Stadion zu gehen. Es gibt keine Gesinnungspolizei, da möchte ich nicht hin. Erst wenn wir es schaffen, politisch motivierte Straftaten in Bezug zum Fußball zu bringen, dann können wir handeln. Stadionverbote sind ein Mittel, um Rechten in der Stadt auf die Füße zu treten.

Wie ist Ihre Rolle als Staatsschützer an einem normalen Spieltag?

Steinert: Wir begleiten seit Anfang des Jahres alle Heimspiele der Ersten und Zweiten Mannschaft. Gerade bei der Drittliga-Mannschaft muss man genau hinsehen. Möglicherweise sehen die Rechten bei Drittliga-Spielen bessere Möglichkeiten zur Agitation.

Beim Spiel der Zweiten Mannschaft des BVB gegen Karlsruhe war zu beobachten, dass Rechtsradikale und Dortmunder Ultras zusammen in der Kurve saßen.

Steinert: Durch unsere Zusammenarbeit mit den Szenekundigen Beamten können wir sehen, dass es Verbindungen zwischen dem harten Kern der Rechten und den Desperados gibt. Und die Rechten treten immer offener auf. Bei ihren Verteilaktionen geben sie sich zum Beispiel als Nazis zu erkennen.

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