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Kleinwüchsig

Größe misst sich nicht in Metern

08.02.2011 | 18:04 Uhr
Größe misst sich nicht in Metern
Andreas Heier in seinem Auto, das mit Pedalverlängerungen ausgestattet ist. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.Wer Andreas Heier beschreiben will, hat Zahlen im Kopf: Schuhgröße 36 trägt der Dortmunder. Seine Küchenzeile ist auf einer Höhe von 60 Zentimetern angebracht – Andreas Heier ist genau 133 Zentimeter groß. Der 47-Jährige leidet an Achondroplasie – einer Wachstumsstörung, bei der Arme und Beine deutlich verkürzt sind. Eine solche Körpergröße bringt Schranken mit sich. Aber sie muss nicht über das ganze Leben bestimmen – das beweist der Dortmunder jeden Tag.

Heier lebt in einer Wohnung in Mengede. Wer dort hineinkommt, sieht als erstes die Essecke – mit normal großen Möbeln. Auch das Wohn- und Schlafzimmer sind ausgestattet, wie in jeder anderen Wohnung. Die oberen Regale sind in fast jedem Zimmer leer. „Ich habe einen Hocker, mit dem komme ich ansonsten überall dran“, versichert Heier. Nur die Küche, die ist tiefer gelegt.

„Bei mir geht es ja noch“, sagt Heier. Und meint damit, dass er unter den Kleinwüchsigen nicht der Kleinste ist. Er ist Mitglied im Bundesselbsthilfe-Verband Kleinwüchsiger Menschen. Seit zwanzig Jahren geht er zu den NRW-weit veranstalteten Treffen. „Ich bin damals dort eingetreten, weil mein alter Freundeskreis aus Schulzeiten auseinanderging und ich neue Leute kennen lernen wollte“, sagt er. Es war das erste Mal, dass Andreas Heier andere Kleinwüchsige kennenlernte. Bislang gab es nur seine Mutter und ihn selbst.

„Die Frauen haben mich ausgelacht“

„In der Schule bin ich am Anfang gehänselt worden, aber im Laufe der Zeit war meine Größe kein Thema mehr“, sagt er. Freunde hatte er dort gefunden, ging mit ihnen aus, ganz normaler Alltag eben. Nur eine Freundin fand er nicht. „Die Frauen haben mich ausgelacht, gesagt, ,der kleine soll zu seiner Mama gehen’“. Geschockt sei er gewesen. „Aber dann ging es irgendwie weiter.“

Im Verein traf er Gleichgesinnte. „Ich war selbst verwundert, was es alles gibt“, sagt Heier. Denn andere Kleinwüchsige, die er dort kennenlernte, waren zum Teil noch mal 20 oder 30 Zentimeter kleiner als er. „Wie das Leben für diese Menschen ist, weiß ich gar nicht“, sagt Heier. Über Probleme spreche keiner gern.

Im Verein fand der 47-Jährige auch eine Freundin. „Sie ist größer als ich, 1,35 cm“, sagt Heier. Eine Wochenendbeziehung führt er mit der Siegenerin. „Partnersuche findet im Verein statt“, sagt er.

„Man kommt irgendwie weiter“

Dort wird auch keiner schräg angeguckt. „Das Leben funktioniert, das ist gar kein Problem, man kommt irgendwie weiter“, sagt Heier. Im Geschäft frage er halt eine Verkäuferin. Aber die Menschen auf der Straße, die machten ihm das Leben oft schwer. „Es gibt Mütter, die weisen ihre Kinder sogar auf mich hin“, erzählt er. Wenn ihn jemand „Gartenzwerg“ nennt, antwortet er: „Kannst du das überhaupt buchstabieren“. – „Dann sind die erstmal still.“

Auf seiner Arbeitsstelle bei ThyssenKrupp haben sich längst alle daran gewöhnt, dass einer von ihnen ein Podest braucht, um an die Fräsmaschine zu kommen. Mit den Kollegen hat sich Heier sogar einen Kindheitstraum erfüllt: Regelmäßig geht es auf den Bolzplatz. „Ich stehe dann meistens vorne, damit ich nicht zu viel laufen muss“, sagt Heier. Doch wichtiger als die Bewegung, ist die Anerkennung. Dass er sich von der wichtigsten Zahl in seinem Leben nicht unterkriegen lassen muss.

Christina Römer

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