Gift in Gärten und im Fredenbaum
12.01.2010 | 19:08 Uhr 2010-01-12T19:08:00+0100
Dortmund. Die Gift-Vorkommen im Dortmunder Norden weiten sich aus. Nicht nur in Grünkohl und Blattgemüse der Kleingartenanlagen Hafenwiese, Westerholz und Hobertsburg steckt krebserregendes PCB. Auch der Fredenbaum ist hoch belastet.
Die toxischen Stoffe wurden in Graskulturen und Staubniederschlag nachgewiesen. Welche Giftschleudern die Umwelt verseuchen, sei noch nicht bekannt, hieß es am Dienstag.
Hände weg von Grünkohl und Blattgemüse
Dabei sind Bezirksregierung, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), und Stadt bereits seit einem Jahr im Bilde. Mitte Januar 2009 wies ein Gutachten erhöhte Werte von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in den drei Kleingartenanlagen nach. Daraufhin rieten die Behörden, den Anbau und Verzehr von Grünkohl und Blattgemüse wie Spinat, Mangold, Endivie oder Zucchini zu stoppen. Das gilt bis heute.
Man sei „auf Spurensuche im Hafen”, sagt Ludwig Radermacher von der LANUV – „eine mühsame Detektivarbeit” auf 170 Hektar, die jetzt „erste Erfolge” zeige. Von „acht potenziellen Emittenten”, sprich Giftschleudern, kämen „mindestens zwei als Verursacher in Frage”. Namen bzw. Betriebe nennt Radermacher nicht. Nur soviel: „Eine PCB-Quelle liegt im südwestlichen (Marxhafen/Südhafen), eine im nordöstlichen Bereich (nördlich Schäferstraße) des Hafens.”
EU-Grenzwerte überschritten
Die Werte sind beunruhigend. In Graskulturen, die in Testbehältern im Hafen angelegt wurden, lag der PCB-Gehalt bis zu 18-mal über dem Dortmunder Schnitt. Die Ultra-Gifte Dioxin und Furan wurden sogar 20-fach höher gemessen. Alle drei toxischen Chemikalien wurden auch im Staubniederschlag nachgewiesen. Laut Umweltamtsleiter Wilhelm Grote liegen die im Grünkohl ermittelten PCB-Konzentrationen über den zulässigen EU-Grenzwerten für Futter und Lebensmittel.
Alarmierend: Der dritthöchste PCB-Wert wurde im Fredenbaum gemessen – direkt an der Ranger Station. „Die ist keine 50 Meter von der Liegewiese entfernt, auf der im Sommer kein Platz mehr frei ist. Und gleich dahinter liegt der Mendespielplatz”, sorgt sich Peter Hoffmann um das Wohl der Parkbesucher, vor allem der kleinen. Hoffmann sitzt für die SPD im Rat und pflegt selbst eine Scholle in der Anlage Westerholz. „Im Grunde genommen kann ich da kein Kind mehr spielen lassen”, blickt er auf Kleingärten und Fredenbaum.
"Situation nicht zu ertragen"
Dazu Radermacher: „Spielende Kinder können nicht soviel Kontamination aufnehmen, kann man sagen.” Eine Gesundheitsgefährdung liege wohl nicht vor. Grote, der weiß, dass Kinder alles in den Mund stecken, relativiert das: „Wenn sie belastetes Zeug aufessen, belasten sie ihren Organismus.” Immerhin: Proben aus Sandkästen im Fredenbaum waren „unauffällig”. Dennoch: „Die Situation ist objektiv und subjektiv nicht zu ertragen”, so Grote.
Der weitere Zeitplan erschrickt die 400 betroffenen Kleingärtner. „Weil keine eindeutigen Hinweise auf die entscheidenden Verursacher vorliegen”, so Joachim Schmied von der Bezirksregierung, messen die Behörden ab Ende März weiter. Das kann dauern. Radermacher auf die Frage, ob man in einem Jahr vielleicht nur so schlau sei wie heute: „Das wissen wir nicht.”
Noch ein Jahr Ungewissheit
„Noch ein Jahr ohne Gemüse-Ernte, dafür mit dieser Ungewissheit” – diese Aussicht lässt Edelgard Möller, Vorsitzende des Stadtverbandes der Kleingärtner, verzweifeln. Im Gesundheitsamt war gestern niemand zu sprechen. Heute soll es ein Statement geben.
INFO
Bürgerversammlung
- Betroffene Anwohner sollen bald über die aktuelle Entwicklung informiert werden.
- In Abstimmung mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und der Bezirksregierung plant die Stadt kurzfristig eine Bürgerversammlung.
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