Gift-Alarm im Hafen – Envio-Zweig stillgelegt
06.05.2010 | 19:16 Uhr 2010-05-06T19:16:00+0200
Dortmund. Paukenschlag im PCB-Skandal: Die Bezirksregierung Arnsberg hat Mittwochabend Betriebsteile der Firma Envio im Hafen stillgelegt. Die Giftbelastung in einem Transformator sprengte den Grenzwert um das 150-fache.
Das verseuchte Gerät stand in der so genannten „Weißen Halle”, wo eigentlich nur gereinigtes Material gelagert werden darf.
PCB im Hafen, im Fredenbaum, in drei Kleingartenanlagen, Verzehrwarnungen für Salat und Gemüse – seit Jahren beunruhigt das Gift die Anwohner. Die Suche nach der Dreckschleuder verlief bisher im Sande. Envio sei sauber, hatte Firmenvorstand Dr. Dirk Neupert bekräftigt. Auch als die WR ihn zu Vorwürfen eines Ex-Mitarbeiters befragte: Die Entsorgung PCB-verseuchter Trafos laufe unter mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. Und: Giftige Dämpfe könnten ohne Weiteres auch nach draußen entweichen. Nein, man arbeite vorschriftsmäßig und im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte, versicherte Neupert.
Die Tatsachen liegen anders. Nach einem Hinweis hatten Mitarbeiter der Bezirksregierung und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) am 30. April Proben auf dem Firmengelände genommen. Der Verdacht: In einem mehr als 150 Tonnen schweren Trafo in der „Weißen Halle” würden PCB-belastete Bleche gelagert. Dort ist PCB eigentlich tabu.
7,7 Gramm PCB pro Quadratmeter
Am Mittwoch überschlugen sich die Ereignisse. 16.42 Uhr: LANUV-Eilmeldung an die Bezirksregierung. Die Auswertung der Trafo-Probe: Ein Blech enthielt 7,7 Gramm PCB pro Quadratmeter – eine 150-fache Überschreitung des Grenzwertes. „Das ist schon deutlich”, sagt LANUV-Sprecherin Dr. Babette Winter. Die Konzentration spreche dafür, dass es „kein Zufallsfund” war.
Die Konsequenz wurde auf höchster Ebene gezogen. In einer Telefonkonferenz vereinbarten LANUV-Chef Dr. Heinrich Bottermann und Regierungspräsident Helmut Diegel die Teilstilllegung. Ein Bereich der „Weißen Halle” wurde abgeriegelt, der verseuchte Trafo verschweißt.
„Weiße Halle” verriegelt
Um 19 Uhr erfuhr die Envio-Geschäftsführung von der Schließungsverfügung. Strikte Order der Bezirksregierung: Bis zur Auswertung aller Proben, die spätestens am Montag vorliegen soll, darf kein Material aus der Halle herausgeschafft werden.
Gestern untersuchten Arbeits- und Immissionsschutzexperten der Bezirksregierung das Werksgelände, überprüften, ob Genehmigungen auch anderswo verletzt werden. Die Arnsberger trafen Mitarbeiter des Dortmunder Umweltamtes, die ursprünglich eine neue Anlage der Envio AG abnehmen wollten – bis sich die Thematik des Termins änderte.
„Keine Gesundheitsgefahr”
Alle Proben untersucht das Landesamt. Die Ergebnisse sollen Montag vorliegen. „Von dem verschweißten Trafo geht nach derzeitigem Kenntnisstand keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung aus”, sagt Jörg A. Linden, Sprecher der Bezirksregierung.
Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. „Wir erwarten Unterlagen aus Arnsberg zur strafrechtlichen Prüfung”, so Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel. Umweltdezernent Wilhelm Steitz zeigt sich „überrascht” von dem Giftfund. Er bezweifelt, „dass Envio jetzt als Hauptverursacher der PCB-Belastung im Hafen und in den Kleingartenanlagen gelten kann”. Dieser Zusammenhang sei „erst einmal nicht herstellbar”. Steitz: „Unsere Arbeit ist noch nicht getan.” Die Grünen sind „entsetzt”. Sprecherin Ingrid Reuter sorgt sich um die Sicherheit der Envio-Beschäftigten und kündigt einen Dringlichkeitsantrag im Fachausschuss an.
Vorstand abgetaucht – Aktie abgestürzt
Envio tauchte am Donnerstag ab. Dr. Neupert sei „für ein persönliches Gespräch nicht verfügbar”. Schriftliche Fragen blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die Envio-Aktie stürzte ab, im Xetra-Handel um 14 Prozent.
15:41
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23:58
@7: Die Bezirksregierung sieht sich - wie dier Name schon sagt - nicht als Verwaltung, sondern als Regierung.
Diegel selbst ist ein gescheiterter CDU-Landtagsabgeordneter, der als Beamter weiter Politik macht.
Bis zur Wahl hängt sich die CDU ein grünes Mäntelchen um, danach geht es (wenn die CDU noch einmal drankommt) weiter wie immer. Dann bestimmen die Lobbyisten und Spender.
15:42
Das kommt davon, wenn man den Dreck der Industriegesellschaft beseitigen will. Firma dicht, Aktien stürzen ab, schlechte Presse und die Staatsanwälte ermitteln.
Mit Envio werden wohl auch sehr bald die Arbeitsplätze verschwinden. Na dann können die Arbeitslosen, wenn der Staat in absehbarer Zeit Pleite sein wird und es auch kein Hartz IV mehr geben wird, wenigstens wie in den 1920ger Jahren Gemüse im Kleingarten anbauen.
Eine schöne neue multikulti-Ökowelt haben wir uns da gebastelt.
08:40
Welche Poltiker haben dann was gemacht???
Hier ist die Rede davon,
dass die Bezirksregierung die Ermittlungen aufnahm und alle Überprüfungen durchführte.
Und da sprechen wir von der Verwaltung und nicht der Poltik.
08:12
@ betroffen
Wieso ist doch wahr , die ganze Zeit wird nichts gemacht . Und jetzt wo es auf die Wahlen zugeht , da wollen die Herren Politiker sich damit rühmen was getan zu haben . Ist doch immer das gleiche . Erst vor der Wahl sich beliebt machen und nach der Wahl scheert es die doch nen Dreck , was mit dem kleinen Mann ist .
Klar steht Gesundheit auf dem Spiel , aber es ist doch nicht die der Politiker .
22:56
Sagt mal, seit Ihr noch normal? Da steht Gesundheit und Leben auf dem Spiel und Ihr schreibt so eine Sch...
21:40
Kurz vor den Landtagswahlen werden die Behörden aber rührig: Was haben die eigentlich in den Vorjahren gemacht??
Achso in NRW sind wir ja auch für die Umwelt.
Zumindest kurz vor dem nächsten Waltermin...
20:59
Wie sind bei dem Unternehmen eigentlich die Arbeitnehmer bezahlt? Gibts da Leiharbeit? Also Jungs und Mädels die da für 5 Euro brutto ihre Gesundheit aufs Spiel setzen müssen?
20:50
Tja,
hoffentlich haben nicht die obersten Wirtschaftsförderer und die Stadt selbst das Unternehmen angeworben.
Wer günstige Gewerbeflächen bietet, muss auch
sehr profitorientierte Praktiken in Kauf nehmen.
20:36
Da wollen wir nur mal hoffen, dass das nicht die abgefackelten Trafos aus dem AKW Krümel waren!
Wo sind die eigentlich geblieben?