Gewalt hat im Stadion nichts verloren
09.11.2011 | 18:36 Uhr 2011-11-09T18:36:00+0100
Dortmund.Randalierende Dresdner Hooligans beim DFB-Pokalspiel in Dortmund . Bengalische Feuer auf der Nordtribüne. Sachbeschädigungen in sechsstelliger Höhe. Verletzte Polizisten und dutzende Festnahmen. „Gewalt im Stadion“ – darüber diskutierten gestern der stellvertretende Chefredakteur Frank Fligge und Thomas Oppermann von der Arbeitsstelle Jugend und Demokratie mit Schülern der Albert-Einstein-Realschule in Scharnhorst.
Das Projekt „Zeitgeschehen“, in dessen Rahmen Redakteure unserer Zeitung und der Jugendring mit Schülern über aktuelle Themen diskutieren, war auf Einladung von Lehrerin Barbara Drewes zu Gast im Sowi-Kurs der Jahrgangsstufe 9. Knapp 20 Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren, viele BVB-Fans, manche selbst regelmäßige Stadiongänger.
Einige waren am Abend des 25. Oktober live dabei und haben die Randale der Dynamo-Anhänger hautnah miterlebt. Wie Nils (15) und Fabian (14). „Es gab schon vor dem Spiel Ausschreitungen und Festnahmen“, erzählen sie. Ein Mitschüler schildert, wie zahlreiche Hooligans während des Spiels versucht hätten, das Spielfeld und die Sitzplätze auf der Osttribüne zu stürmen. „Das war schon ziemlich heftig.“ Wieder andere haben die Vorfälle im Fernsehen verfolgt.
Schüler haben Erklärungsansätze
Warum es immer wieder zu solchen Szenen kommt: Die Schüler haben viele Erklärungsansätze. „Denen geht’s gar nicht um Fußball. Die wollen bloß provozieren und Aufmerksamkeit erregen.“ – „Alkohol spielt da eine große Rolle. Viele kommen doch schon betrunken in Dortmund an.“ – „Hass auf die gegnerischen Fans.“ – „Ablehnung von Regeln und Gesetzen.“ – „Frust über die persönliche Situation.“ Weil gerade im Osten Deutschlands viele jugendliche keinen Job und keine wirkliche Zukunftsperspektive haben. „Und dann“, vermutet Alexandra, „kommt vielleicht auch noch so eine negative Gruppendynamik hinzu. Dass viele das Gefühl haben, mitziehen zu müssen.“
Die Diskussion wogt hin und her. Es geht um Ultras, die Kerngruppe der eingefleischtesten Fans , die in der oft oberflächlichen Diskussion gerne mit Hooligans in einen Topf geworfen werden. „Dabei geht’s den allermeisten Ultras doch nur darum, Stimmung zu machen.“ Darum, den ehrlichen Kern der Faszination Fußball zu erhalten.
Vereine sollen sich engagieren
In einem Punkt sind sich die Einstein-Realschüler einig: Gewalt hat im Stadion nichts verloren. Schon deshalb nicht, „weil sich der Opa mit dem Enkel oder die Familien sonst nicht mehr hin trauen“, fürchtet Nico. Was aber tun? Schärfere Kontrollen schlagen die Jugendlichen vor.
Bei Verstößen sollte es wirksame Stadionverbote geben. Und Geldstrafen, die richtig weh tun. Zur Not „Geisterspiele“. Aber auch mehr Prävention. Die Vereine könnten sich noch stärker engagieren und mehr Geld für Fanbetreuung zur Verfügung stellen. Solche, wie sie in Dortmund auch die Fanbeauftragten des BVB und das Fanprojekt leisten. Mit dem fährt der 15-jährige Nils im Dezember erstmals zu einem Auswärtsspiel. „Young Generation“ heißt das Angebot.
Mehr Infos: www.fanprojekt-dortmund.de
01:54
Krawalle kann man nicht verhindern,wer sich prügeln will findet immer eine gelegenheit-immer!oder liege ich da falsch oder habe ich was verpasst?
21:08
Gewalt hat nirgendwo etwas verloren...