Gesucht: Investor am U-Turm
04.12.2007 | 20:17 Uhr 2007-12-04T20:17:00+0100In Erwartung eines Förderbescheids starrt das politische Dortmund gebannt auf den U-Turm. Dabei stößt die Stadt weit größere, millionenschwere Bauvorhaben zu Füßen des U an.
Noch in seiner letzten Sitzung des laufenden Jahres muss der Rat die europaweite Ausschreibung für den Bau des Bosch-Berufskollegs mit der Tiefgarage, fürs Kreativzentrum und für die Touristen-Anlaufstelle auf den Weg bringen. Jeder Monat zählt - im August 2010 will (und muss) Dortmund den Besuchern der Kulturhauptstadt das neue U-Viertel präsentieren. Wobei das Besucherzen-trum für Touristen sogar noch ein bisschen früher fertig sein soll. Es wird in jedem Fall ein Wettlauf mit der Zeit.
Im Dezember/Januar soll die Ausschreibung raus. Gesucht wird ein privater Investor, alternativ ein Kreis von Investoren, ein Konsortium, der sämtliche Gebäude auf dem Nordteil der alten Brauerfläche mit eigenem Geld hochzieht. Bis September 2008 soll dieser Investor gefunden sein. Und die Stadt? Sie wird einen Teil der Neubauten anmieten - und kalkuliert dafür eine Belastung von 2,65 Mio. Euro ab dem Haushaltsjahr 2011 ein.
Alt-Immobilie amRathaus vor Verkauf
Der Löwenanteil wird für das auf 11 500 qm Nettofläche ausgelegte Bosch-Kolleg fällig, das 20 Jahre angemietet werden soll: Macht 1,6 Mio. Euro zuzüglich Nebenkosten. Weitere 550 000 Euro Miete kalkulieren die Verwaltungsspitzen für das Kreativzen-trum, in dem junge Firmen der Kreativwirtschaft unterkommen sollen. Aber nicht nur die. Wie so oft bei Bauvorhaben hält die Stadt als „Ankermieter” und sicherer Zahler das Investitions-Fähnlein hoch - und belegt mit 3700 qm mehr als die Hälfte der 6000 qm Nettofläche.
Und welche Teile der Stadtverwaltung sollen ins Kreativzentrum? Das in einem Mietobjekt an der Kleppingstraße untergebrachte Kulturbüro und die Stadt-Werber der „Dortmund-Agentur”. Die sitzen seit Jahren im denkmalgeschützten Backsteingebäude am Friedensplatz - und sollen sich damit abfinden, dass die Stadtspitzen ihr Domizil als Standort für Anwälte, Ärzte oder Architekten verkaufen wollen. Sogar die stadteigene Druckerei will man von der Kaiserstraße ins Kreativzentrum verlagern - für 11 bis 12 Euro/qm.
In Höhe von einer halben Million bewegt sich die Miete für das netto 3850 qm große Touristen-Center - jener Immobilie, in der der Verkehrsverein einquartiert werden soll. Auch die 1000 Stellplätze große Tiefgarage, die eine Direktverbindung zum U-Turm haben soll, wird von privater Hand errichtet - und die Mehrzahl der Parkplätze gebührenpflichtig. Da aber wenigstens 125 Plätze nicht bewirtschaftet werden können - ein Teil muss für die DAK bereitgestellt werden - zahlt die Stadt dem Erbauer der Tiefgarage einen Baukostenzuschuss von 933 000 Euro.
Natürlich winken der Kämmerin auch Einnahmen: Die Stadtspitzen wollen das zu bebauende Grundstück nördlich des U (rund 2 Hektar) an den Investor verkaufen. Man hofft auf Erlöse von wenigstens 1,4 Mio. Euro bei einem qm-Preis von „mindestens 70 Euro”. Alles in allem ein großes Paket, das der Rat am Donnerstag nächster Woche abnicken soll. Weil die Investorensuche nach strengen Regeln läuft, kann der Bauauftrag erst im September 2008 vergeben werden. Und schon ist „ZwanzigZehn” wieder ein bisschen näher gerückt...
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