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Geschwister durch G8 vereint

03.02.2012 | 19:54 Uhr
Geschwister durch G8 vereint
Die Geschwister Carina (16 J.) und Tim Herbstritt (18 J.) machen 2013 ihr Abitur am Leibniz-Gymnasium. Carina gehört zu dem Abiturjahrgang mit G8-Abschluss, während Tim noch das traditionelle Abitur baut. Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Carina und Tim Herbstritt trennen fast zwei Jahre. 2013 bauen sie gemeinsam das Abitur und wollen dann Medizin studieren

Carina Herbstritt muss die Diskothek stets um 24 Uhr verlassen. Und Party machen bis Mitternacht ist auch erst seit einem halben Jahr drin – da feierte die Schülerin ihren 16. Geburtstag. Bruder Tim hat’s besser: Er ist längst volljährig und darf sich die Nächte um die Ohren schlagen. Der Jugendschutz behandelt die Herbstritts unterschiedlich, vor dem Erdkunde-Lehrer sind die beiden gleich.

In diesem Schuljahr haben Carina und Tim gemeinsam Geografie-Unterricht am Leibniz-Gymnasium. Das liegt nicht an Ehrenrunden des Bruders, sondern am Turbo-Abi seiner Schwester.

Die 16-Jährige kam auf Antrag früh in die Schule, und da sie über den schnellen Weg zur Hochschulreife kommt, sind die Geschwister nun vereint. Die drei Erdkunde-Stunden pro Woche sind dabei die einzigen, bei denen sie sich im Klassenraum begegnen. Für Klausuren lernen die Geschwister aber eigenständig. „Klar, tauschen wir uns schon mal über die Inhalte aus, aber jeder hat seine eigene Lernstrategie“, erklärt Tim Herbstritt.

Kritik am G8-Modell

So sehr sich die Schüler freuen, gemeinsame Kurse zu belegen, so stark kritisieren sie auch das G8-Modell. Dabei klagt Carina Herbstritt noch nicht mal über eine größere Belastung. „Ich habe in der zehnten Klasse nicht mehr gemacht, nur andere Themen behandelt“, erklärt die 16-Jährige. Sie sieht dafür große Unterschiede bei der Reife.

„Die Älteren haben oftmals mehr Hintergrundwissen und können sich besser ausdrücken. Außerdem wissen aus meinem Jahrgang Dreiviertel der Schüler noch nicht, was sie nach dem Abi machen“, sagt Carina Herbstritt. Ein weiteres Problem der Schülerin: „Ich kann nicht viel Geld für das Studium verdienen, da ich für viele Jobs noch zu jung bin.“

230 Abiturienten

Tim Herbstritt hat diese Probleme nicht. Ihn stört etwas anderes am Turbo-Abi. „Da konkurrieren einfach zu viele Schüler um Studienplätze“, erklärt der ältere Bruder. Allein am Leibniz-Gymnasium werden 2013 bis zu 230 Schüler ihr Abi bauen. Da die Universitäten danach förmlich überquellen, gibt’s nur mit einem Bomben-Zeugnis einen Platz im Hörsaal. Und Tim Herbstritt hat sich ein hohes Ziel gesteckt: ein Medizin-Studium. „Ich will aber nicht fünf Jahre auf einen Studienplatz warten“, schildert er seine Sorgen. Eine Konkurrentin gibt’s in der eigenen Familie: Auch Carina Herbstritts will sich für Medizin einschreiben.

Bevor es an die Universität geht, müssen die Geschwister noch einige Klausuren schreiben. Im Frühjahr 2013 stehen die finalen Prüfungen an. Gefeiert wird nicht gemeinsam. Die Abiturienten organisieren zwei Bälle: einen für G8-Schüler, einen für G9-Schüler. So zieht Carina Herbstritt ihr Kleid für einen Abend im Schwerter Freischütz an, der Bruder macht sich für die Westfalenhalle schick. „Nur weil man die letzten zwei Jahre zusammen gehabt hat, ist man noch keine Einheit“, betont Tim Herbstritt. „Außerdem würde die Zeugnisausgabe drei Stunden dauern.“

Gast beim Abiball

Als Gast geht es aber auf den Ball des Geschwisterkindes. Auch wenn Carina Herbstritt bei ihrem Abiball erst 17 Jahren ist, wird sie den Saal wohl zu diesem Anlass nicht vor Mitternacht verlassen.

Denis de Haas

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