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Landgericht

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?

16.10.2012 | 15:47 Uhr
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?

Dortmund.   Ein 18-Jähriger starb nach einem Messerstich in den Hals, als zwei Cliquen, die sich vorher nicht kannten, in der Nacht zum 5. April 2012 in der Nordstadt aufeinander trafen. Verteidiger Dieter Kaufmann erklärte, sein wegen Totschlags angeklagter Mandant (21) habe aus Notwehr gehandelt.

Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort, die zwei Cliquen, die am 5. April 2012 um zwei Uhr nachts auf der Straße Lütgenholz aufeinander stießen. Man kannte sich vorher nicht – jetzt ist ein 18 Jähriger tot, ein 21-Jähriger sitzt wegen Totschlags vor Gericht. Er habe, so erklärte sein Verteidiger Dieter Kaufmann zu Beginn des zweiten Prozesstages, das Messer aus Notwehr gezückt.

Die Zuhörerbänke des Saales 23 sind bis auf den letzten Platz gefüllt, draußen vor der Tür drängen sich noch viele andere junge Leute, enttäuscht darüber, dass sie nicht zuhören können. Es sind Freunde und Kollegen des Angeklagten und natürlich auch des Opfers, das durch einen einzigen Stich in den Hals starb. In vielen anderen Fällen erinnert später nur eine Narbe an eine derartige Verletzung. Doch dieser eine Messerstich, er durchtrennte gleich zwei Arterien. Auch eine sofortige Not-Operation konnte das Leben des 18-Jährigen nicht retten.

Vierer-Clique hatte zuvor zwei Mädchen getroffen

So tragisch er endete, so harmlos begann der Abend, wie einige der zahlreichen Zeugen gestern erzählten: „Wir waren erst in einem Cafe, haben da zusammen Wasserpfeife geraucht und zwei Mädchen kennengelernt“, so erzählte ein 19-Jähriger aus der Vierer-Clique des Angeklagten. Zusammen mit den Mädchen sei man spät in der Nacht weiter in Richtung Lütgenholz gezogen. Der Vater des Angeklagten war nicht zu Hause, man freute sich auf „sturmfreie Bude“.

Die andere Gruppe soll die jungen Frauen angeblich „angemacht“ haben

Verhängnisvoller Zufall: Ein paar Meter vor der Wohnung hielt sich die Clique des Opfers auf. Alkoholisiert und mit acht bis zehn jungen Männern doppelt so stark. „Die haben die Mädchen angemacht, so mit Standardsprüchen. Uns haben sie beleidigt, es flogen auch Flaschen“, erinnert sich der Schüler. Man sei in die Wohnung gegangen und habe überlegt, „die Situation zu klären“. Dazu, so hatte ein anderer aus der Vierer-Clique damals noch in Tatnacht gegenüber der Polizei gesagt, habe man zwei Messer mitgenommen. Die zwei Mädchen hätten derweil oben in der Wohnung gewartet.

Oben in der Wohnung mit zwei Messern ausgerüstet

Dann sei alles ganz schnell gegangen. „Alle haben sich geprügelt, ich bin dann abgehauen.“ Alle Vier sind Stunden später in der Nordstadt festgenommen worden.

Der wegen Totschlags angeklagte 21-Jährige sagte gestern selbst nichts zu dem schweren Vorwurf. Sein Rechtsanwalt Dieter Kaufmann erklärte, sein Mandant habe unten auf der Straße das Messer von einem Kumpel in die Hand gedrückt bekommen und seinen Gegner – das spätere Opfer – damit erschrecken wollen. Angeblich, um weitere Angriffe abzuwehren, so der Verteidiger. Der Prozess geht Freitag weiter.

Kathrin Melliwa



Kommentare
18.10.2012
10:29
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von AnnetteP | #5

Kann man den noch von Notwehr sprechen wenn der Angeklagte nach dem verbalen Streit in eine Wohnung gegangen ist um ein Messer zu holen, um dann die Angelegenheit zu klären?

für mich war das zu mindestens Totschlag.

17.10.2012
14:25
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von mhm9977 | #4

[Entfernt von Moderation - Doppelpost]

17.10.2012
11:35
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von BeowulfOF | #3

@Pase_Lacki Messer zu verbieten ändern gar nichts, Spinner und Kriminelle werden weiterhin Messer führen.

Was hier gerne überlesen wird, weil es gesellschaftlich voll akzeptiert ist, ist die Tatsache, dass Alkohol mal wieder die Hemmschwellen heruntergesetzt hat. Ohne Alkohol wäre die ganze Situation nicht so aus dem Ruder gelaufen, hätten die Kids wohl kaum die Idee bekommen, dass ein Messer als Drohung irgendwas ausrichtet - noch wahrscheinlicher, wären sie nicht auf die Idee gekommen die bereits geklärte Situation wieder zu eskalieren und aus der gesicherten Wohnung wieder auf die Straße zu gehen.

7 Antworten
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von Pase_Lacki | #3-1

Messer sind verboten und es ändert nichts. Deswegen nochmal meinen Vorschlag lesen. Das würde etwas ändern, da bin ich mir ganz sicher.

Wenn aus der Clique 4 Kollegen bereits wegen versuchtem Mord für 5 Jahre im Gefängnis sitzen, würden sich die anderen 4 vielleicht überlegen, ob sie das nächste Mal ein Messer einstecken.

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von BeowulfOF | #3-2

Messer sind nicht verboten, Waffen sind verboten. Und das aus gutem Grund. Man kann auch mit einer Gabel jemanden den Hals durchstechen und Arterien zerstören.

Knast hat nicht und wird nie eine Abschreckung sein, die spontanes Handeln verhindert - lediglich geplantes Handeln. Betrunkene planen aber nicht.

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von Pase_Lacki | #3-3

Manche ist es schwierig mit dem Verständnis. Ich habe unten von den verbotenen Stichwaffen geschrieben, denn es gibt jede Menge Messer, die verboten sind. Und genau diese Messer sind es, die meistens mit sich geführt werden (bestimmte Springmesser, Butterfly etc.).

Desweiteren geht es nicht um den Einsatz des Messers, sondern um das Mitführen. Und da sind die meisten Leute eben nüchtern, wenn sie nach den Hausaufgaben ihr Zuhause verlassen und draussen "spielen" gehen. Und genau deswegen hat es nichts mit spontanem Handeln, sondern etwas mit Planung zu tun.

Bei dem, der das Messer einsetzt und besoffen ist, würde dieses Gesetz nichts nützen, aber bei allen anderen, die mit dem Messer "ganz normal" durch die Stadt laufen, schon.

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von BeowulfOF | #3-4

Demnach regen Sie sich über eine Gefahr auf, die gar nichts mit diesem Fall zu tun hat? Hier geht es nicht darum, dass jemand regelmässig Messer trägt, schon gar nicht verbotene. Davon ist auch in dem Fall gar keine Rede. Davon ist auch bei anderen Fällen keine Rede.

Hier haben die betrunkenen absichtlich ein Messer mit auf die Straße genommen um den anderen zu drohen und "die Situation zu klären". Da hätte weder eine ihrer geforderten Kontrollen, noch weitere Verbote irgendwas retten können. Hier steht auch nichts von Springmessern, Balisongs oder sonstigen Utensilien. Hier sind auch die Täter keine Messerträger, welche bereits morgens mit dem Messer das Haus verlassen.

Die Messer, welche am meisten geführt werden, sind Werkzeuge. Beinahe jeder hat ein Arbeitsmesser, vom Handwerker, über den Lagerarbeiter über jeden der viele Verpackungen öffnen muss. Davon geht aber nicht die Gefahr aus, die letztenlich zu diesem Prozess (und vielen anderen Prozessen) geführt hat.

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von Pase_Lacki | #3-5

Was genau diesen Artikel betrifft:

Da steht nichts davon drin, dass die Gruppe, zu der der Angeklagte gehörte, alkoholisiert war, nur die Gruppe, zu der das Opfer gehörte:

"Verhängnisvoller Zufall: Ein paar Meter vor der Wohnung hielt sich die Clique des Opfers auf. Alkoholisiert und mit acht bis zehn jungen Männern doppelt so stark."


Nochmal: In diesem Fall hätten strengere Kontrollen nicht genützt, würde aber von vornherein allein das Tragen von verbotenen Stichwaffen ganz hart geahndet, dann würde nach einer gewissen Zeit auch ein anderes Verständnis bei Jugendlichen bezüglich dieser Waffen einsetzen. Da bin ich mir sicher. Und das ist dann egal, ob mit Alkohol oder ohne. Wer nüchtern so ein Messer mit sich führt geht ab. Ohne wenn und aber.

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von BeowulfOF | #3-6

Und wo steht hier was von verbotenen Messern? Es hätten auch Küchenmesser sein können, die die jugendlichen mit auf die Straße genommen haben.

Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von Pase_Lacki | #3-7

Im Artikel steht nichts von verbotenen Messern. Ich habe von verbotenen Messern geschrieben, weil viele Jugendliche eben mit diesen messern durch die Straßen laufen. Ist jetzt aber auch egal. Wir lassen am besten alles so wie es ist, dann kann ja nichts schief gehen. Und bieten noch ein paar mehr Anti-Aggressionscamps in Kanada oder an der Ostsee an.

17.10.2012
10:28
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von derdieterisses | #2

@Pase_Lacki
Jeder 3. bis 4. Jugendliche mit einem Messer als Waffe? Ich halte ihre Schätzung für sehr optimistisch.

17.10.2012
09:49
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von Pase_Lacki | #1

Es wird zeit, dass im Bezug auf verboten Stichwaffen endlich die Gesetze geändert werden. Das blosse Mitsichführen einer solchen verbotenen Stichwaffe sollte direkt als versuchter Mord gewertet werden, aus welchem anderen Grunde sollte man sonst solch einen verbotenen Gegenstand mit sich führen. Totschlag fällt aus, das Messer findet sich ja nicht plötzlich in der Jackentasche.

Dazu sollte mindestens 1 mal die Woche an verschiedenen Stellen Razzien der Polizei durchgeführt werden (Einkaufszentrum, Bahnhof etc.). Jeder, der dabei mit solch einem Messer erwischt wird, geht ab. Das spräche sich sehr schnell herum und würde vielleicht helfen. Denn es ist ein Unding, dass heute jeder 3. bis 4. Jugendliche mit solch einer Waffe durch die Straßen läuft. Hier hilft nur Abschreckung durch hohe Strafen, alles andere hat ja bisher nicht funktioniert und die Zahl der Opfer steigt und steigt jedes Wochenende.

1 Antwort
Geschah der tödliche Messerstich aus Notwehr?
von mhm9977 | #1-1

@Pase_Lacki, Gehen wir mal davon aus das, dass die Polizei dies macht. Hast du dann erstmal drüber nachgedacht das die Leute dann Küchenmesser mit nehmen die nicht ins Waffengesetzt Fallen? Dazu ist es noch unmöglich das sowas gemacht wird, da der Aufwand einfach zu Groß ist. Für Solche Razzien müssten Hunderte Polizisten jedes mal im Einsatz sein nur an einer Stelle in der Stadt, dazu kommt dann noch das der start neue Gefängnisse Bauen müsste da sonst alle bisherigen Gefängnisse Überfüllt wären.(Nur um es mal Logisch zu erklären) Aber ich Stimme dir zu, es sollte sich in der Gesetzt Lage eine menge ändern und auch die Strafen sollte man erhöhen.Die Strafen die für Totschlag ausgesprochen werden sind doch ehr lächerlich und nicht im Verhältnis der Tat. Zu der Notwehr, ich Glaube es hackt, wenn meiner Meinung nach, eine Person extra ein Messer mit Nimmt ist es für mich Vorsätzlicher Mord/Totschlag und keine Notwehr.

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