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Landgericht

Gericht hört ab Ende Oktober sieben Gutachter

17.10.2012 | 16:40 Uhr
Gericht hört ab Ende Oktober sieben Gutachter
Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert (Mitte) zwischen seinen Verteidigern Prof. Ralf Neuhaus (r.) und Dr. Christian Tünnesen-Harmes.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Deutliche Worte fand der Vorsitzende Richter der 35. Großen Strafkammer Thomas Kelm am 17. Oktober im Envio-Prozess für den Antrag der Staatsanwaltschaft, weitere Gutachter zu hören. „Die Nebenklage hat Recht. Das ist ein Schritt zurück.“ Man sei bei der Beweisaufnahme schon weiter gewesen.

„Die Nebenklage hat Recht. Das ist ein Schritt zurück.“ Deutliche Worte fand der Vorsitzende Richter der 35. Großen Strafkammer Thomas Kelm gestern im Envio-Prozess für den Antrag der Staatsanwaltschaft, weitere Gutachter zu hören.

Nebenklage-Vertreter Dr. Reinhard Birkenstock hatte bereits am letzten Verhandlungstag sein Befremden über die Erklärung der Anklage-Behörde kundgetan: „Ich verstehe die Staatsanwaltschaft nicht. Wollen die der Verteidigung in die Karten spielen?“ Die sieben Sachverständigen sollen unter anderem zu der Frage Stellung nehmen, ob ein Wert des giftigen Isoliermittels PCB benannt werden kann, ab dem ein bestimmtes Krankheitsrisiko besteht – und ob diese polychlorierten Biphenyle (PCB), von denen es 209 verschiedene Formen gibt, überhaupt als Ursachen von Krankheiten zweifelsfrei feststehen.

Gericht studierte zahlreiche Pläne und Skizzen

Bisher sei man soweit gewesen, die 51 potentiell Geschädigten, also 51 ehemalige Envio-Arbeiter, ärztlich untersuchen zu lassen. Jetzt, so fuhr der Vorsitzende Richter Thomas Kelm fort, „geht es darum zu prüfen, ob überhaupt etwas festzustellen ist“. Danach werde „die Kammer entscheiden, wie es weitergeht“.

Der Prozess geht es erst einmal am 31. Oktober weiter, wenn die ersten der insgesamt sieben Sachverständigen gehört werden – nach Auskunft eines Gerichtssprechers sind dafür drei Verhandlungstage vorgesehen. Gestern wurden wieder einmal zahlreiche Skizzen, Pläne und Karten des Firmengelände am Hafen über dem Richtertisch ausgebreitet. Darunter unter anderem ein amtlicher Katasterplan sowie eine topografische Karte aus dem Jahr 1985.

Anklage sieht bei Dr. Neupert Körperverletzung und Umweltverstöße

Die Anklage wirft Ex-Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und einem früheren Manager Körperverletzung von 51 Arbeitern sowie schwere Umweltverstöße vor. Aus Profitgier sollen sie Arbeiter zum Teil ungeschützt zur Arbeit an verseuchte Transformatoren geschickt haben. Bei zwei weiteren früheren Envio-Mitarbeitern sieht die Staatsanwaltschaft Beihilfe zu Umweltverstößen.

Kathrin Melliwa


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