Gericht gibt Spielsüchtiger eine Chance
07.04.2010 | 17:28 Uhr 2010-04-07T17:28:00+0200
Dortmund. Wegen Betrugs in 17 Fällen verurteilte das Schöffengericht am Mittwoch eine 44-jährige spielsüchtige Dortmunderin zu zwei Jahren Haft. Die Frau kann diese Zeit im Offenen Vollzug vollbringen. Tagsüber, so die Auflage des Gerichtes, muss sie sich einer Therape unterziehen.
Sie hat ihre Arbeit verloren, dazu das Vertrauen ihrer Bekanten, die sie rücksichtslos betrog. „Ich lebte ja gar nicht mehr in dieser Welt”, weinte die 44-Jährige auf der Anklagebank. Ihre Welt: Die Spielhöllen dieser Stadt. Das Geld dafür ergaunerte sie sich durch diverse Tricks.
Immer wieder hatte die Dortmunderin, die ein Psychiater bereits vor Jahren als spielsüchtig eingestuft hatte, in der Vergangenheit Bewährungsstrafen bekommen. Damit war gestern Schluss: Wegen Betrugs in 17 Fällen verurteilte sie das Schöffengericht zu zwei Jahren Haft. Ein Urteil, das trotzdem eine Chance für die Frau bedeutet: Sie kann diese Zeit im Offenen Vollzug verbringen, muss nur zum Schlafen ins Gefängnis. Außerdem, so lautet die Auflage, muss sie sich jetzt sofort um eine Therapie kümmern.
Das wurde ihr bereits bei früheren Prozessen dringend geraten. „Passiert ist nichts. Stattdessen haben Sie, kaum dass Sie aus dem Gericht spaziert sind, weitere Straftaten begangen”, bemerkte Amtsrichter Wolfgang Tschechne, der die kriminelle Karriere der Frau zur Genüge kennt.
»Meine kranke Nichte braucht Geld für die Klinik«
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft fügte hinzu: „Und wenn man dann bedenkt, wie raffiniert Sie bei den Betrügereien vorgegangen sind. Sie haben das Mitleid gutmütiger Menschen eiskalt ausgenutzt.”
Bei ihren zu Tränen rührenden Lügengeschichten ging die Frau ebenso dreist wie schamlos vor: Einem Bekannten hat sie Ende Oktober 2009 erzählt, ihre Nichte liege schwerkrank in einer Privatklinik und müsse unbedingt behandelt werden. Daraufhin hob der Mann - man mag es kaum glauben - erst 10 000 Euro ab, später noch einmal 15 000 Euro. Die nichtsahnende Nichte erfreute sich indes bester Gesundheit.
Das Mitleid großherziger Menschen ausgenutzt
Auch zögerten großherzige Menschen nicht, für Instrumente und ein Mischpult fünfstellige Summen hinzublättern. Sie hatten Mitleid mit der „armen” Frau, die nun nach einem angeblichen Unfall ihres Bruders, einem Musiker, dessen Lieblingsstücke verkaufen musste. Auf die angepriesene Ware warten sie bis heute - das Geld indes verschwand sofort in diversen Spielautomaten.
Die 17 Betrugsfälle - Schaden knapp 40 000 Euro – brachten die Frau im Februar in Untersuchungshaft. „Das war ein echter Schock für sie”, erklärte Verteidiger Christian Simonis. „Und meine größte Lehre”, wie die 44-Jährige schluchzte.
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