Gericht entscheidet über Wiederholung der Ratswahl in Dortmund
28.02.2011 | 19:40 Uhr 2011-02-28T19:40:00+0100
Dortmund.Vorläufiger Showdown im Politkrimi um Lügen, Wahlbetrug und Wiederholungswahl: Am Mittwoch entscheiden die Gelsenkirchener Verwaltungsrichter, ob die Dortmunder Ratswahl vom 30. August 2009 neu angesetzt werden muss.
Am Mittwoch (2. März 2011) entscheiden die Gelsenkirchener Verwaltungsrichter, ob die Dortmunder Ratswahl vom 30. August 2009 neu angesetzt werden muss. Das Stadtparlament hatte am 10. Dezember 2009 mit Mehrheit dafür gestimmt - elf Ratsvertreter der SPD sowie ein Vertreter aus dem Lager der Rechten haben dagegen geklagt und treffen sich morgen um 10 Uhr vor Gericht. Bei der Gelegenheit können sich gleich auch zwei alte Bekannte die Hände schütteln: Ex-OB Gerhard Langemeyer und seine damalige, inzwischen vom Rat abberufene Kämmerin Christiane Uthemann sind als Zeugen geladen. Sie sind die Hauptdarsteller im damaligen Polit-Drama.
Eines steht bereits fest, bevor die 15. Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Manfred Oeynhausen ihr Urteil verkündet: 2011 wird es auf keinen Fall zur Wahlwiederholung kommen. SPD-Ratsvertreter Hans Peter Balzer, einer der elf Kläger, kündigte gestern erneut an, er werde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Berufung einlegen, sollte sich die Kammer für die Wiederholung der Ratswahl entscheiden. „Ich habe meine Wähler nicht belogen“, distanziert sich Balzer vom Vorwurf, mit der Wahrheit jongliert zu haben. „Dass es mit dem Haushalt nicht zum Besten stand, hat jeder gewusst. Ich war aber kein Insider, und deshalb waren mir die Zahlen auch nicht bekannt.“ Genau das ist die Gretchenfrage.
Uthemann und Langemeyer verkündeten Haushaltssperre
Rückblick: Einen Tag nach der Kommunalwahl am 30. August eröffnet Kämmerin Uthemann im Beisein eines schweigenden Noch-OB Langemeyer, was beide trotz bohrender Fragen der Opposition monatelang abgestritten haben: Haushaltssperre! Dortmund steuert auf ein Defizit von 100 Mio. Euro zu. CDU, FDP und Regierungspräsident (RP) Diegel (CDU) schäumen über den „Wahlbetrug“. Tage später spricht Langemeyer von einem „Missverständnis“, erklärt, es gebe kein 100 Mio-Loch.
Ermittlungen des RP bringen ein anderes Bild an den Tag: Tatsächlich hat die Kämmerin ihrem Chef bereits am 5. Juni 2009 ein Papier vorgelegt, nach dem Dortmund auf ein Haushaltsloch von 158 Mio. zusteuert. Mehr als 300 Bürger legen Widerspruch gegen das Wahlergebnis ein, allen voran RP Diegel. Der Rat beauftragt den Münsteraner Rechtsprofessor Dr. Martin Beckmann mit einem Gutachten. Ergebnis: Ja, die Kommunalwahl muss komplett wiederholt werden! Beckmann (er wird vor Gericht die Interessen des Rates vertreten) kreidet Langemeyer „Fehlverhalten“ an. Der OB habe die „ordnungsgemäße Information des Rates und der Öffentlichkeit unterlassen.“
OB-Wahl wiederholt
Am 10. Dezember votiert der Rat mit Zweidrittelmehrheit für die Wiederholung von OB-, Rats- und Bezirksvertreterwahlen. Langemeyer-Nachfolger Sierau beugt sich dem Gutachten, tritt erneut an - und gewinnt. Elf Ratsvertreter der SPD sowie einer der Rechten aber wenden sich an die Bonner Sozietät Dolde Mayen und Partner und ziehen gegen den Ratsbeschluss vor Gericht. Das Urteil, ob sie erneut um ihr Mandat kämpfen müssen, wird morgen erwartet. Die Klagen der Bezirksvertreter werden zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt.
Sollte die 15. Kammer den Klägern Recht geben, liegt der Ball wieder im Stadtparlament. Der Rat muss in der Folge entscheiden, ob er beim OVG in Berufung einlegt oder endgültig den Schlussstrich zieht. Eine erneute Ratswahl würde den Haushalt der Stadt mit rund 600 000 Euro belasten.
21:01
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12:00
@vaikl: UNISONO
Ralf Grönke
11:27
Ich halte es für einen handfesten Skandal, dass ein Konzernbetriebsratsvorsitzender der EDG so tut, als ginge ihn die Haushaltslüge überhaupt nichts an, während seine Schäfchen bei der EDG gerade wegen der Haushalts-Schulden permanent um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen.
11:10
@vaigl: Du bist doch ein schlauer Mensch. Was hälst Du denn davon, dass mehrere Mitarbeiter der EDG (vormals Stadtreinigungsamt) im Rat sitzen. Wäre es noch das Stadtreinigungamt, wäre das schier unmöglich.
Ralf Grönke
11:08
Er ist ja bei deremaligen Stadtreinigung (EDG).
Könnte ja zurück auf den gelben Wagen.
Ralf Grönke
11:01
Herrn Balzers Logik ist schon bestechend - weil *ihm* Keiner was verklickert hat, gibt es auch keinen Wahlbetrug. Basta.
Hat er vielleicht Angst, nach einer Wiederholungswahl zurück in seinen Beruf als KfZ-Mechaniker zu müssen?
08:33
Hoffentlich sind wenigestens die Damen und Herren Bezirksverteter einsichtiger und beugen sich demokratischen Beschlüssen.In der BV Brackel ist das doch auch positiv gelaufen.
Ich würde die für mich zuständigenSPD BVler wieder wählen. Sie machen einen guten Job
Ralf Grönke -StBZ Mengede
08:29
Der Rat der Stadt soll die Stadtverwaltung kontrollieren und städtische Mitarbeiter d ü r f e n nicht Ratsmitglieder werden
Auch wenn man die damalige Stadtreinigung privatisiert hat, gehört sie doch zum überwiegenden Teil zum Konzern der Stadt Dortmund.
Ralf Grönke
07:57
„Ich habe meine Wähler nicht belogen“, distanziert sich Balzer vom Vorwurf, mit der Wahrheit jongliert zu haben. „Dass es mit dem Haushalt nicht zum Besten stand, hat jeder gewusst. Zitat Ende
Will ich gerne glauben, dass Herr Balzer dieses nicht gewusst hat. Trotzdem bin ich für die Wiederholungswahlen. Ulrich Sierau und eine BV hatten doch auch den Mut und, dieser ist belohnt worden.
Ein taktieren mit den Instanzen des Gerichtes; ist ein Spiel auf Zeit und könnte von den Wählern sehr falsch verstanden werden.
Ich wünsche mir für unsere Ratsverteter den Mut, den auch OB Sierau gehabt hat.Alles andere sieht aus, als ob man am Stuhl kleben würde; denn immerhin hat sich eine Mehrheit des Rates eben für diese Wiederholungswahl ausgesprochen.Und wir leben in einer Demokratie !
Ralf Grönke-StBz Mengede