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Gerd Mlynczak kämpfte 36 Jahre für die Interessen von Kindern

12.11.2012 | 18:51 Uhr
Gerd Mlynczak kämpfte 36 Jahre für die Interessen von Kindern
Gerd Mlynczak, ehemaliger Leiter des Büros für Kinderinteressen im Jugendamt, auf einer Schaukel an der Kampstraße.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Gerd Mlynczak hat sich 36 Jahre lang für die Interessen von Kindern eingesetzt. Unter anderem hat er den Westfalenpark verwandelt. Jetzt ist Mlynczak im Ruhestand.

Wenn Kinder sich eine Stadt bauen könnten, dann wäre sie voller Baumhäuser und geheimer Verstecke, mit viel Platz zum Spielen – ein Nimmerland. Gerd Mlynczak hat versucht, Dortmund in eine solche Stadt zu verwandeln. 36 Jahre lang hat er sich als Mitarbeiter der Stadt dafür eingesetzt, dass Kinder ihren Raum bekommen. 19 Jahre hat er das Büro für Kinderinteressen im Jugendamt geleitet. Jetzt ist Mlynczak im Ruhestand.

Für den 60-Jährigen ist völlig klar: Die schönste Zeit seines Arbeitslebens hat er nicht im Rathaus verbracht, sondern draußen in der Natur, mit Lehm und Erde an den Fingern, bei den Kindern und Jugendlichen. „Für mich war es immer wichtig, dass ich etwas bewegen kann“, sagt Mlynczak. Und vor allem: Zusammen mit den Kindern etwas in Gang setzen kann. „Kinder und Jugendliche müssen selbst entscheiden können, was ihnen wichtig ist“, ist Mlynczak überzeugt. Deshalb hat der studierte Sozialpädagoge dafür gesorgt, dass Kinder in Dortmund erst nach ihren Wünschen gefragt werden, bevor zum Beispiel ein Spielplatz für sie geplant wird.

Aber auch an vielen anderen Stellen in der Stadt hat Mlynczak seine Handschrift hinterlassen. Zum Beispiel im Westfalenpark, den er für die Bundesgartenschau 1991 in ein Spielparadies verwandelte.

Westfalenpark verwandelt

Gerd Mlynczak hat nie nur vom Schreibtisch aus die Interessen und Bedürfnisse von Kindern bedacht. Die seiner Meinung nach immer weiter anwachsende Bürokratie sieht er kritisch. „Immer nur zu sagen, dass aufgrund von hohen Auflagen alles nicht geht, ist Quatsch.“ Geprägt hat sich dieser Blick bereits bei seiner ersten Stelle bei der Stadt – als Leiter des Abenteuerspielplatzes Fredenbaum.

„Für mich war entscheidend, dass Kinder den Umgang mit alltäglichen Dingen lernen, wie Handwerkszeug oder Scheren“, erzählt Mlynczak. Buddeln und Beete anlegen, Spielzeug selbst basteln und jeden Freitag zusammen kochen – damit lockte der Sozialpädagoge in den 70er Jahren fast 80 Kinder regelmäßig zum Abenteuerspielplatz. „Es gab auch mal Durchhänger, zum Beispiel größere Wegzüge aus der Uhlandstraße“, erinnert sich Mlynczak. „Dann sind wir mit einem Bollerwagen durch die Straßen gezogen und dahingegangen, wo Kinder waren.“

Fachberater für Spielplätze und Spielkreise

Seine nächste Station hat Mlynczak in nicht so guter Erinnerung. Als Fachberater für Spielplätze und Spielkreise in der Abteilung für Kindergärten traf er auf ganz andere Sichtweisen. „Ich wollte etwas mittun und mitentwickeln statt nur zu verwalten“, sagt er. Ein Konflikt der damals, Anfang der 1980er, aufflammte: Was tun mit den türkischen Kindern? „Mein damaliger Amtsleiter dachte, da es Gastarbeiterkinder sind, ziehen sie sowieso wieder weg“, erinnert sich Mlynczak. Die Auseinandersetzung um Integration sei nicht offen geführt worden. „Weil ich draußen war, wusste ich aber, dass das nicht die Realität ist.“

Dann zog es den heute 60-jährigen wieder weg vom Schreibtisch – als Jugendpfleger in Scharnhorst. „Das war die schönste Zeit“, sagt er. „Ich hab mich sehr stark um Projekte wie Ferienspiele gekümmert.“ Damals habe er eine Menge gelernt. Das half ihm die ganz große Aufgabe in Angriff zu nehmen: Die Spielmöglichkeiten für Kinder bei der Bundesgartenschau.

Leitung des Büros für Kinderinteressen

„Kinder wollen anfassen und erleben“, sagt Mlynczak. Deshalb sollten Spielzeuge alle Sinne ansprechen, das Spiel einen Bezug zum Leben haben. „Wir haben Projekte durchgeführt – alles rund um die Kartoffel zum Beispiel.“ Kinder konnten lernen, wo überall Stärke drin ist, draußen stand ein Trecker vor dem Regenbogenhaus. „Und es wurde gekocht.“ Bis heute werden vom Regenbogenhaus aus Spielaktionen angeboten.

Die nächste Aufgabe: die Leitung des Büros für Kinderinteressen. „Ich wollte, dass die Ämter es nicht als Last ansehen, die Interessen von Kindern im Blick zu haben.“ So wenig wie es für den gebürtigen Dortmunder eine Last war. „Ich möchte einfach, dass diese Stadt jung bleibt“, bringt Mlynczak sein Streben auf den Punkt. 2008 wurde die Spielleitplanung vom Rat beschlossen – seitdem ist es eine politischer Auftrag, dass die Stadt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und Familien beachtet. Mlynczak hat es geschafft: Kinder sind jetzt Stadtplaner.

Von Christina Römer


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