Geierabend 2015: Karneval mit lecker Currywurst

Sandra Schmitz (rechts) und Franziska Mense-Moritz als "Melli und Elli".
Sandra Schmitz (rechts) und Franziska Mense-Moritz als "Melli und Elli".
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
"Nach uns die Currywurst" heißt das aktuelle Programm des Dortmunder Geierabends, das jetzt auf Zeche Zollern Premiere feierte: eine Mischung aus klassischem Kabarett und krasser Comedy.

Dortmund.. Tief im Osten des Potts, da ist der Karneval ein bisschen schwarzgelber als anderswo. Und ein bisschen alternativer sowieso. Das ist insofern noch keine Nachricht, immerhin geht der Dortmunder „Geierabend“ mittlerweile in seine 24. Session. Aber dem eingespielten Team gelingt noch immer traumwandlerisch das Wandeln auf dem schmalen Grat zwischen politisch-kritischem Anspruch und federsträubendem Nonsens – denn „alternativ“ muss ja nicht heißen, dass man keinen Spaß haben darf. Er muss eben nur nicht so harmlos und volkstümelnd bleiben wie im Sitzungskarneval.

So kommt’s wohl, dass auch das Programm „Nach uns die Currywurst“, das jetzt auf Zeche Zollern Premiere feierte, eine Mischung aus klassischem Kabarett und krasser Comedy ist. Und, ach ja, ein bisschen geschunkelt werden darf auch mal.

"Kadett-Rücksitzknutscherklub"

Das Unverkennbare am Geierabend ist sein ungeschminkter Blick auf die Region. So geht es um Geschehnisse, die nur ein paar Kilometer die Straße hinunter stattgefunden haben – und dem Geierabend eine schöne neue, viel größere Halle bescheren könnten: „Da steht heute noch Opel dran“, stellt Steiger Martin Kaysh fest, bevor er den „Kadett-Rücksitzknutscherklub“ ankündigt. Oder man blickt kurz in die Zukunft der Stadt Dortmund, wo 2015 ein ganzes Museum eröffnet wird für einen einzigen, schweißgetränkten linken Schuh – auch wenn der von Helmut Rahn stammt und 1954 das 3:2 im WM-Finale gegen Ungarn erzielte...

Kabarett Es ist ein hübsch ironischer Blick auf unsere Gegend, der manchmal jedoch auch von der bitterbösen Realität verdrängt wird. Wenn etwa die beiden AWO-Oppas Hans Martin Eickmann und Martin F. Risse die Zustände in ihrem Altersheim mit denen im siegerländischen Burbach vergleichen: „Bei uns wird humaner gestorben als dort gelebt.“ Wer kurz darüber nachdenkt, wie viel Wahrheit sich in diesen Worten verbirgt, dem kann schon mal das Lachen im Halse stecken bleiben.

Das Ensemble leistet sich einen gut gemischten Parforceritt durch die ganze Region, vom Sauerland bis Duisburg. Es kommt eine dem Film „Bang Boom Bang“ beinahe ebenbürtige Odyssee durch den Pott vor (gespielt von Hans-Peter Krüger und Murat Kanyi). Ebenso die Terrordrohung eines „Salat-fisten“ aus dem Schrebergartenverein. Und wenn dann Ursula von der Leyen (Sandra Schmitz) auf Shopping-Queen-Waffeneinkaufstour geht, wird einem der Aberwitz unserer Rüstungsindustrie wieder bewusst.

Von Helene Fischer bis Rio Reiser

Was hat all das mit der Currywurst zu tun, die ja dieses Jahr zum Motto gehört? Nun, als Spezialität der Region haben die Dortmunder Geier den Currywurst-Energydrink aufgetan. Und sie vergleichen ihn mit einem live vor Publikum pürierten Drink aus a) einer Currywurst und b) einem halben Liter Energydrink. Dass diese Pampe dann noch ein Freiwilliger aus dem Saal trinken muss, grenzt zwar an Körperverletzung, sorgt aber für ordentliche Heiterkeit...

Ein großer Teil des Geierabends ist auch Musik-Kabarett – und so ackert sich die Band sehr souverän durch Helene Fischer („Gnadenlos durch die Nacht“), durch Pharrell Williams („Happy“) und Rio Reisers „Alles Lüge“.

Comedy-Serie Die typische Dortmunder Mischung ist natürlich erst perfekt, wenn auch ein kräftiger Schuss Fußball darin vorkommt. Und der kommt zum Schluss, wenn „Die Zwei von der Südtribüne“ (Franziska Mense-Moritz und Hans Martin Eickmann) über das derzeitige Tief ihres Verein lamentieren: „Wir steigen gerade ab! Guck doch die Wirklichkeit mal im Auge drin!“. Dass das ganze Problem zu lösen wäre, wenn sich auf den Laufwegen der Spieler auch öfter mal ein Ball befände, das haben die beiden schon begriffen. Und Dortmund wäre nicht Dortmund, wenn sich das nicht schnell bis zu Kloppo herumspräche.

Das Formtief im Fußball ist also damit praktisch erledigt, und der „Geierabend“ feiert abermals ein Formhoch – und das über eine Spielzeit von dreieinhalb Stunden, Pause inbegriffen.

"Geierabend 2015", bis 17.2. im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern II/IV, Grubenweg 5 in Dortmund-Bövinghausen. Beginn 19.30 Uhr (sonntags: 18.30 Uhr).

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