Das aktuelle Wetter Dortmund 17°C
Dortmund

Gefängnisstrafe für Neonazi Sven K.

23.01.2013 | 00:11 Uhr

Die beiden türkischstämmigen Jugendlichen waren am 26. November 2011 einfach „zur falschen Zeit am falschen Ort“, so der Vorsitzende Richter Ulf Pennig. Dass Neonazi Sven K. sie ohne jeglichen Grund mit der Faust niederschlug und zwei seiner Kumpanen auf die wehrlos am Boden liegenden Jungen eintraten, sei jedoch mitnichten ein Ausdruck „fremdenfeindlicher Gesinnung“.

Eher jedoch ein Zeichen „maßloser Aggressivität“. Und dafür muss Sven K. (24) jetzt wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis. Seine beiden rechten Kumpel Tim G. und Dennis B., die die am Boden liegenden Schüler damals brutal zusammentraten, müssen zwei Jahre und neun Monate bzw. ein Jahr ins Gefängnis. Der kleinere Bruder von Sven K. kam wegen Beleidigung mit einer Verwarnung davon und muss ein Wochenende Freizeitarrest abbüßen. Das einzige, was die Kammer dem Jugendlichen nachweisen konnte: Er hatte an jenem Tag auf dem Weihnachtsmarkt eine junge Frau, die einen Sticker „gegen Rechts“ trug, angespuckt. Das alles sei unter dem starken Einfluss seines großen Bruders Sven geschehen, den er bewundere und als Vaterersatz ansehe, so der Vorsitzende Richter Ulf Pennig. Da auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe dem jüngeren Bruder ansonsten eine positive Entwicklung bescheinigte – so will er seinen Meisterbrief als Dachdecker erwerben – gab ihm die Kammer noch einmal eine Chance.

Auf die jedoch konnte Sven K. nicht bauen. Im November 2005 wurde der heute 24-Jährige wegen Totschlags zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt, er hatte an der U-Bahnstation Kampstraße einen Punker erstochen. Wegen guter Führung wurde Sven K. nach fünf Jahren entlassen – und schlug, noch unter Bewährung stehend, am 26. November jenen türkischstämmigen Schüler nieder. Der Jugendliche hatte den Fehler gemacht, einen Streit zwischen Sven K. und dessen Ehefrau zu beobachten. Die Reaktion des Rechten: „Was guckt ihr so blöd, ihr Bastarde?“ Dass auch er es war, der dann den zweiten Jungen niederschlug und auf beide am Boden liegende Schüler eintrat, konnte das Gericht jedoch nicht feststellen. „Eine lebensnahe Vorstellung reicht für eine Verurteilung nicht aus“, so der Vorsitzende Richter Ulf Pennig.

Zwei der Neonazis müssen zudem ins Gefängnis, weil sie in Oberhausen und Wuppertal – hier bei einer Demo – Menschen angegriffen und verletzt haben.

Kathrin Melliwa



Empfehlen
Themenseiten
Lesen Sie auch
Kommentare
Kommentare
autoimport
Fotos und Videos
Oldtimer-Traktoren in Hombruch
Bildgalerie
Fotostrecke
Auto überschlägt sich auf der Rheinischen Straße
Bildgalerie
Fotostrecke
Jahrmarkt in Scharnhorst
Bildgalerie
Fotostrecke
Hier wohnen die BVB-Stars
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Missgeschick sorgt für Wasserfontäne im Gerichtsviertel
Bremer Straße
Für kurze Zeit hatte Dortmund am Montagnachmittag seinen eigenen Kaltwasser-Geysir. Aus einem beschädigten Hydranten in der Bremer Straße schoss eine meterhohe Wasserfontäne in die Luft. Die Feuerwehr schaffte es nur mit Mühe, das Leck zu schließen. Ausgelöst wurde es durch ein Missgeschick.
Thier-Galerie wird wegen Feuerwehrübung evakuiert
Einkaufszentrum
Alarm in der Thier-Galerie: Ein lauter Signalton dröhnte am Dienstagvormittag gegen 10.15 Uhr über die Silberstraße und den westlichen Westenhellweg. Das Einkaufszentrum wurde evakuiert. Die Feuerwehr braucht das Gebäude für eine Übung.
Dieb fährt mit Fahrrad auf A45 und mit Walze über B54
Gefährliche Spritztouren
Dieser Dieb hat offenbar eine Schwäche für gefährliche Spritztouren: Erst klaute ein Dortmunder einen Roller in Castrop-Rauxel, stieg in Bodelschwingh auf ein Fahrrad um und fuhr mit ihm auf der linken Streifen der A45 Spazieren. Selbst die Festnahme durch die Polizei hielt ihn nicht auf. Kurze Zeit...
Warum sich Büro-Hochhäuser in der Region nicht mehr rechnen
Bürotürme
Am Beispiel von Projekten in Bochum, Essen und Dortmund zeigt sich, wie unberechenbar der Markt für Büroimmobilien geworden ist. Mancher Prachtturm steht leer, und manches Bauvorhaben mangels Interesse schon vor dem Startschuss auf der Kippe.
Dieb fährt mit Fahrrad auf A45 und mit Walze über B54
Spritztour
Erst klaute ein Dortmunder einen Roller in Castrop-Rauxel, stieg in Dortmund-Bodelschwingh aufs Fahrrad um und fuhr damit auf der A45-Überholspur spazieren. Die Polizei nahm ihn fest — aber das störte ihn nicht: Kurze Zeit später steuerte er eine geklaute Asphaltwalze über die B54.