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Gedenken an Neonazi-Opfer - Angehörige kritisiert Polizei

23.02.2012 | 14:11 Uhr
Gedenken an Neonazi-Opfer - Angehörige kritisiert Polizei
Semiya Simsek (r.) und Gamze Kubasik, Angehörige von Opfern der Mordserie der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund". (NSU). Foto: dapd

Düsseldorf/Köln/Dortmund.  Zahlreiche Menschen haben am Mittag der Opfer der Neonazi-Terroristen gedacht. An den Tatorten in Dortmund und Köln nahmen Anwohner und Passanten allerdings kaum Notiz von der Gedenkminute. Semiya Simsek, die Tochter eines der Mordopfer, warf der Polizei schwere Versäumnisse vor.

Mit einer Schweigeminute haben zahlreiche Menschen auch in NRW am Donnerstag der Opfer der Neonazi-Terroristen gedacht . Alle Mitarbeiter der Landesverwaltung waren zu einer Schweigeminute aufgerufen. Öffentliche Gebäude hissten zudem Trauerbeflaggung. In Schulen erhoben sich Lehrer und Schüler zu Ehren der Terroropfer. Schweigeminuten gab es auch in zahlreichen Unternehmen.

Der DGB und der Bund Deutscher Arbeitgeberverbände hatten zu einer bundesweiten Schweigeminute aufgerufen, die um 12 Uhr zeitgleich mit der Gedenkfeier der Verfassungsorgane in Berlin stattfand.

Alltag an den NSU-Tatorten

Die Neonazi-Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) steht im Verdacht, zwischen 2000 und 2007 neun ausländische Kleinunternehmer und eine Polizistin ermordet zu haben. Zu den Taten zählt auch die Ermordung eines Kioskbesitzers im Jahr 2006 in Dortmund. Zudem soll der NSU auch für die Sprengstoffanschläge vom 19. Januar 2001 und vom 9. Juni 2004 in Köln verantwortlich sein.

Die Anwohner und Passanten in der Keupstraße in Köln nahmen kaum Notiz von der offiziell angeordneten Gedenkminute. Um 12 Uhr lief der Straßenverkehr normal weiter. Bewohner zeigten sich eher genervt von wartenden Reportern und Kamerateams.

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Keupstraße, Mitat Özdemir, hatte das staatlicherseits beschlossene Gedenken bereits zuvor im dapd-Interview kritisiert: "Eine Veranstaltung allein reicht nicht. Die Menschen hier haben weiterhin Angst."

Auch an dem Gebäude des in Dortmund ermordeten Kioskbesitzers Mehmet Kubasik hielt am Donnerstagmittag kaum jemand inne. Einige Passanten warfen einen Blick in die Fenster, gingen aber weiter.

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