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Geburtstagsparty endete in der Zelle

30.07.2012 | 15:49 Uhr
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Geburtstagsparty endete in der Zelle
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.   Wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte und Schwarzfahrens hat das Amtsgericht einen 32-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte auf seiner Geburtstagsfeier Beamten beleidigt, die wegen Ruhestörung gerufen worden waren.

Es war eine wilde Geburtstagsfete am 9. April 2011 in der Straße Im Entenpoth in Hörde,. Schon tagsüber wurden die Nachbarn beschallt, gegen 22.40 Uhr kam dann die Polizei. Das Ende seines Ehrentages hat das Geburtstagskind (32) und ein Gast in der Gewahrsamszelle des Polizeipräsidiums verbracht.

Und so landeten die beiden am 30. Juli 2011 wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung auf der Anklagebank des Amtsgerichtes. Dem Geburtstagskind wurden zudem Diebstahl mit Waffen sowie „Erschleichen von Leistungen“ vorgeworfen, wie der Gesetzgeber das Schwarzfahren in Bus und Bahn nennt.

„Er kam mit erhobenen Fäusten auf uns zu“

„Ja, stimmt, ich hatte öfters mal keinen Fahrschein dabei“, sagte der 32-Jährige zu dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sechs Mal ohne Fahrschein durch die Gegend gefahren zu sein. Und fügt hinzu: „Da bin ich erwischt worden, was soll ich dazu noch sagen?“

Zu der Anklage, auf seiner Geburtstagsfete die Polizei beleidigt und Widerstand gegen sie geleistet zu haben, hatte er mehr zu sagen: „Ich soll mich gewehrt haben? Das ging doch gar nicht, ich hatte doch sofort eine volle Ladung Pfefferspray abgekriegt, war total blind. Und dann habe ich natürlich herumgezappelt.“ Der Pfefferspray-Einsatz sei damals gerecht fertigt gewesen, meinten zwei als Zeugen geladene Polizisten: „Er kam mit erhobenen Fäusten auf uns zu. Wir nahmen ihn daher in den Würgegriff und brachten ihn zu Boden.“

Urteil: Zehn Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung

Dabei hatten der Einsatz ganz harmlos begonnen: „Wir hatten Herrn P. aufgefordert, die Musik leiser zu machen. Er fragte, was wir wollten, er könne uns nicht verstehen, die Musik sei so laut“, erinnerte sich der Polizist, der den Dialog „ganz lustig“ fand. Weniger lustig war dann für alle Beteiligten das weitere Geschehen des Abends.

Der andere Angeklagte, damals Gast, wusste nur noch, dass er morgens in der Zelle wach wurde. Er soll eine Bierflasche in Richtung der Beamten geschwungen und gelallt haben: „Lasst sofort meinen Kumpel los.“ Sein Verfahren stellte Amtsrichter Kai Schiefer ein, das Geburtstagskind verurteilte er zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Weiterer Prozess wegen Diebstahls mit Waffen

Allerdings muss der 32-Jährige bald noch einmal vor Gericht: Der „Diebstahl mit Waffen“ wird aufgeschoben, weil ein Zeuge fehlte. Mit seinem bereits verurteilten Freund soll er in einem Kaufhaus Kissen gestohlen und dabei ein Messer in der Tasche gehabt haben. Jener Freund hatte einst bei der Polizei gesagt: „Ich wollte ihm nur mal zeigen, wie so was geht.“

Der Angeklagte selbst sagte jetzt im Prozess dazu: „Ich bin da so hereingerutscht, ich wusste doch gar nicht, was die anderen vorhaben.“ An jenem Tag hatte ein Polizist vom „Sondereinsatz Straßenkriminalität in Hörde“ die Freunde auf der Straße entdeckt und sich auf Verdacht an ihre Fersen geheftet. „Die sind immer für eine Straftat gut.“

Kathrin Melliwa

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