Gab es Promi-Bonus im „Fall Reus“?

Düsseldorf.. Der „Fall Reus“ beschäftigt jetzt auch das NRW-Justizministerium. In einem zweiseitigen Brief an Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) will CDU-Fraktionsvize Peter Biesenbach wissen, warum der BVB-Fußballstar Ende vergangenen Jahres „wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis“ nur in sechs Fällen verurteilt wurde. Schließlich habe Marco Reus (25) eingeräumt, „nie einen Führerschein besessen und seit mehr als fünf Jahren ohne Fahrerlaubnis am Steuer gesessen zu haben“, wunderte sich Biesenbach über „Ungereimtheiten“. Öffentlich sei der Verdacht geäußert worden, dass es sich um einen „Promi-Bonus“ gehandelt habe.

Urkundenfälschung nicht beachtet

Reus war im März 2014 am Steuer seines teuren Sportwagens mit einem falschen niederländischen Führerschein in eine Kontrolle geraten. Das Gericht verurteilte ihn zu 90 Tagessätzen von je 6000 Euro – also zu 540 000 Euro Geldstrafe. Dabei hatte die Staatsanwaltschaft den Jahres-Nettoverdienst des Nationalkickers auf 2,1 Millionen Euro taxiert. Biesenbach forderte Klarheit durch den Minister, ob bei der Einkommenshöhe auch Werbeverträge sowie Einkünfte aus der Nationalmannschaft berücksichtigt wurden.

Außerdem fragte Biesenbach, „weshalb die Staatsanwaltschaft Dortmund den Vorwurf der Urkundenfälschung nicht zur Anklage gebracht“ habe. Und weiter: „Weshalb ist davon abgesehen worden, eine Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis zu beantragen?“ Trotz des langjährigen Fahrens ohne Führerschein darf Reus derzeit einen Führerschein machen. Biesenbach verwies dagegen auf § 69a Abs.1 Strafgesetzbuch: Danach „beträgt die Sperrfrist in solchen Fällen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren“. Das Ministerium will die Fragen umfassend beantworten.