Fußball in Graustufen

Was wir bereits wissen
Borussia Dortmund hat das 30. Bundesligaspiel in Folge nicht verloren. Beim 1:1 Unentschieden in Nürnberg verpasste es der Deutsche Meister zwar deutlich, seine Qualität in der Offensive in ausreichend Tormöglichkeiten umzumünzen, am Ende des Tages war aber nicht alles so grau, wie uns manch TV-Experte verkaufen wollte.

Dortmund..  Um die gestiegene Erwartungshaltung an den Deutschen Meister aus Dortmund gegenwärtig kurz zu umreißen, reicht ein Blick in die Berichterstattung des vergangenen Wochenendes. Tenor dort: Ein 1:1 in Nürnberg ist dem Niveau und dem Anspruch eines Doublesiegers unwürdig. So die Meinung von ARD, ZDF und Sky.

Fünfzig Jahre nach Beginn der Fußball-Bundesliga sind wir in Sachen Übertragungstechnik längst im Zeitalter der 16 Millionen Farben angekommen, in der Sichtweise manch eines Kommentators wird scheinbar leider weiterhin nur zwischen Schwarz und Weiß, Himmel und Hölle, Sieg und Niederlage unterschieden. Bei einem Unentschieden, und sei es dennoch das Ergebnis des 30. Bundesligaspiels des BVB in Folge ohne Niederlage, wittert der geneigte Mann am Mikro dann schon mal schnell so viel Potential an Dramatik, dass es Zeit für eine Gegendarstellung wird.

Denn resümiert man das Spiel von Samstag mal mit ein paar Stunden Abstand, ist eigentlich nicht viel mehr passiert, als dass der BVB gegen eine taktisch hervorragende Mannschaft aus Franken über 90 Minuten nicht genug Tormöglichkeiten herausgespielt hat, um dem Auftaktsieg gegen Werder Bremen einen „ Dreier“ in der Fremde folgen zu lassen. Der Meister aus Westfalen hatte gegen die großzügige Manndeckung der Nürnberger, die sich fast auf das gesamte Spielfeld und insgeheim besonders auf die Dortmunder Aufbauspieler wie Mats Hummels konzentrierte, über weite Strecken nicht die nötigen Mittel gefunden, um sich offensiv zu wehren. Zwar verzeichnete das Team von Jürgen Klopp deutlich mehr Spielanteile als der FCN, verpasste es aber das Spiel durch schnelle Verlagerungen immer wieder in die Breite zu ziehen und den Gastgeber laufen zu lassen. Am Ende des Abends stand ein gerechtes 1:1 Unendschieden, mit dem der BVB durchaus gut leben kann.

Fußball und allen voran die Bundesliga ist eben nicht immer nur schwarz und weiß. Vor einem Jahr verlor der BVB seine zweite Saisonpartie in Hoffenheim unglücklich, am Samstag gab es gegen einen ähnlich schwer zu bespielenden Gegner einen Punkt. Ein wenig mehr grau ist zwischendurch also gar nicht so verkehrt. Gerade zu Saisonbeginn, in einer Phase, in der viele Laufwege und Spielzüge selten perfekt vorgetragen werden, ist es eben besonders schwer, für ein solches Stilmittel, wie das der Nürnberger, fußballerisch die richtige Antwort zu finden.

Mannschaften stellen sich auf Borussias Spiel ein

Dass die Schwarz-Gelben im vergangenen Jahr beim Gastspiel in Augsburg (0:0) mit einer sehr ähnlichen Situation konfrontiert wurden, zeigt jedoch deutlich, dass sich vermehrt viele Mannschaften auf das intensive Laufspiel des BVB vorbereitet haben. Gerade in solchen Spielen muss Borussia zwingend an alternativen Szenarien im Spielaufbau arbeiten. Sei es über Neven Subotic oder einem noch präsenteren Ilkay Gündogan. Die spielerischen Anlagen sollten innerhalb der Mannschaft breit genug gesät sein, um auch innerhalb eines Spiels schneller reagieren zu können und letztendlich dadurch unberechenbarer zu werden. Diese Baustelle relativ zeitnah schließen zu können, wird dennoch schwierig.

Beginnt doch nun schon die zweite Vorbereitungswoche der Nationalmannschaft in dieser noch kurzen Saison, so dass wir Fans Mitte September drei Länderspiele und nur zwei Bundesligaspiele zu Gesicht bekommen haben werden. Ruft man sich währenddessen noch die erst kürzlich vergangene Fußball-Europameisterschaft in Erinnerung, darf die Frage erlaubt sein, welche Experten eigentlich die FIFA-Rahmenspielpläne entwerfen. So gerne ich früher Spiele der Nationalmannschaft gesehen habe, die momentane Dichte an Freundschaftsspielen und WM-Qualifikationsspielen übersättigt mich so kurz nach einer EM einfach deutlich.

Bei allem Respekt, kein Fußball-Fan braucht gerade ein Spiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Fußballzwergen, wie den Farörer Inseln und - sie ahnen den Superlativ – Österreich, wenn er auch Dortmund gegen Stuttgart haben könnte. Dieser halbherzig portionierte Saisonbeginn ist einfach müßig – wird einem doch gefühlt immer wieder genau das genommen, das man gerade wieder durchaus schätzen gelernt hat: Die Bundesliga, Fußball in Graustufen. (02.09.12 – Christoff Strukamp – die-kirsche.com)