Das aktuelle Wetter Dortmund 13°C
Fußball-Fankultur

Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur

07.12.2012 | 17:09 Uhr
"Für den Erhalt der Fankultur" gehen BVB-Fans am Samstag vor der Bundesliga-Partie gegen den VfL Wolfsburg auf die Straße.Foto: Stefan Reinke/WNM

Dortmund.  Für den Erhalt der Fankultur gehen Fans von Borussia Dortmund und VfL Wolfsburg am Samstag gemeinsam in der Dortmunder Innenstadt auf die Straße. Sie wollen ein Zeichen setzen, dass Fans bunt, fantasievoll und friedlich sind.

Fußball-Fans machen dieser Tage mit Protestaktionen auf sich aufmerksam. An den vergangenen beiden Spieltagen schwiegen Anhänger in deutschen Stadien , um zu zeigen, wie die Stimmung sein könnte , wenn allzu rigide Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt würden.

Im Internet sorgt unterdessen die von BVB-Fans initiierte Webseite www.ich-fuehl-mich-sicher.de für Furore. Mehr als 68.000 Fans von Klubs aus ganz Deutschland haben sich dort bereits in eine Liste eingetragen und bekundet, dass sie sich in deutschen Fußballstadien sicher fühlen.

Am Samstag greifen die BVB-Fans zu einem altbewährten Protestmittel: Sie haben eine Demonstration angemeldet. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Fankultur vielfältig ist“, sagt Jakob Scholz, einer der Organisatoren. „Friedlich und bunt“, so Scholz, wollen die Fans nicht gegen etwas demonstrieren, sondern ausdrücklich für den Erhalt der Fankultur.

Auch Wolfsburger sollen an Demo teilnehmen

Um zu zeigen, dass Fanbelange nicht nur den eigenen Anhang betreffen, sind auch die Fans der Gastmannschaft VfL Wolfsburg ausdrücklich eingeladen, an der Demo teilzunehmen. Ein Sicherheitsrisiko sieht Scholz darin nicht nicht: „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“, so der BVB-Fan, der von einem friedlichen Verlauf der Demo überzeugt ist – „alles andere wäre auch absoluter Schwachsinn“, stellt Scholz klar.

Die Demo ist um 11 Uhr mit einer Auftaktkundgebung auf dem Platz vor dem Stadttheater gestartet. Die Route führt dann über die Hohe Straße und durch das Kreuzviertel zum Max-Ophüls-Platz. Dort soll bis 13.30 Uhr eine kurze Schlusskundgebung stattfinden. Die Route hatten die Organisatoren mit der Polizei abgesprochen. „Die Gespräche verliefen sehr angenehm und unkompliziert“, erinnert sich Scholz.

Außer in Dortmund gehen auch in Köln, Duisburg und Augsburg Fans auf die Straße. Die Demo in Dortmund dürfte aber die größte Aktion am Samstag sein, denn die Stadt des Double-Gewinners hat sich in den vergangenen Jahren zur Protest-Hauptstadt entwickelt. So wurde etwa die Aktion „Kein Zwanni“, die sich für faire Ticketpreise einsetzt, in Dortmund gegründet. 2005 gingen die Schwarzgelben auf die Straße und demonstrierten gegen die Verpfändung des Vereinslogos durch die damalige Führung Gerd Niebaum und Michael Meier. 2007 sorgten die Fans für einen Schulterschluss der ganzen Stadt mit dem Verein, als die Mannschaft um den Klassenerhalt kämpfte. „In der Fanszene gibt es zum Glück viele gute Personen und eine gute Vernetzung von Ultras, Fanclubs, Fanzines und Verein“, erklärt Scholz die Dortmunder Protest-Kultur. Und: „Wir haben gemerkt, dass man etwas erreichen kann.“

Polizeieinsatz beim BVB

Stefan Reinke



Kommentare
09.12.2012
00:33
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von Milenski | #18

Bei aller Unterstützung für die Fanproteste und Ablehnung der Politik von DFB und DFL: Ich finde, dass sich die Fankultur auch mal selbst hinterfragen könnte. Man muss einfach feststellen, wie es in den letzten Jahren vielen Fans nur noch um sich selbst geht, nicht um Mannschaft und Sport. Nur noch nach dem Motto: Wir sind die Geilsten, machen am meisten Stimmung, die anderen nicht. In der Fanszene ist doch mittlerweile alles durchorganisiert und in Lager von "selbsernannten Auserwählten", Mitgliedern von Clubs und allen Übrigen gespalten. Einige genießen Privilegien seitens Fanclub-Verbänden und Vereinen, andere nicht. Allem voran natürlich die Ultras (eine eigentliche importierte Kultur). Ergebnis: Es haben sich Selbstverständlichkeiten in der Fankultur gebildet, z.B. wer (beinahe ausschließlich) für die Stimmung verantwortlich ist oder wer wo in der Kurve stehen darf.

In Erinnerung an alte Zeiten...

08.12.2012
13:50
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von isdochklar | #17

@DasMentalmonster
Aufgabe der Polizei ist die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und zwar im öffentlichen Raum, nicht im Stadion.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass bei a l l e n Großveranstaltungen Polizei im Einsatz ist ?
Es ist nun einmal so, dass in Dortmund sich zur gleichen Zeit alle 2 Wochen ca.80000 Personen in Richtung Stadion auf den Weg machen und 3 Stunden später wieder zurück.
Das können Sie mit dem Aufkommen bei den Rosenmontagszügen vergleichen -
wieviel Polizei ist da im Dienst ??!! Wieviele Verletzte gibt es da ??!!
Ich bin beruflich davon betroffen, wenn ich die Ruhrgebietsautobahnen nutzen muß zu Zeiten, an denen Heimspiele in der Region stattfinden und ich bin der Meinung, dass es gelingt, die Behinderungen auf einem erträgliches Maß zu halten und ich finde es sehr beruhigend, wie pragmatisch man hier im Ruhrgebiet mit dem jeweiligen "Fansein" umgeht.
Es sind die auswärtigen Medien, die am liebsten bürgerkriegsähnliche Zustände propagieren würden.

1 Antwort
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von DasMentalmonster | #17-1

Es würde schon viel bringen, wenn sich jeder einfach nur an die Hausordnung der Vereine halten würden - aber davon halten immer mehr Leute rein gar nichts von! Die Konsequenz: Die Aufrechterhaltung der Ordnung bei Fußballspielen wird immer teurer bzw. die Sicherheit an anderer Stelle wird vernachlässigt! Überrascht, dass sich die Gesellschaft dagegen wehrt?

08.12.2012
12:11
volksfeste
von uferkasten | #16

wer hier auf den zug aufspringt und über den bösen,gewalttätigen fußball spricht,dem sei gesagt,das in dem fall alle volksfeste und karnevalveranstaltungen abgesagt gehören.
da passiert nämlich weit aus mehr und schlimmeres.
ach ja,bitte dann auch silvester und den tanz in den mai abschaffen....
aber von mir aus können auch ruhig alle stehplätze abgeschafft werden..
hab nix dagegen.
darf ja bald in meiner kneipe auch keinen mehr rauchen lassen....
alles zu gefährlich ...
wir sollten langsam mal anfangen uns in deutschland um wirklich wichtige dinge zu kümmern wie z.B abzocke der mineralölkonzerne,der städte(wieder erhöhung der gebühren),den kostenmoloch namens EU,den raubtierkapitalismus, nsu,die ausbeutung der dritten welt,etc...
aber der politik und den medien gelingt es ja weiterhin vielen von uns unwichtige themen als wichtig vorzugaukeln......
na ja wer sich dann noch über 0,005% verletzte im jahresschnitt aller drei ligen aufregt ,dem ist nicht mehr zu helfen..

1 Antwort
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von EduardM | #16-1

Wieviele Polizeieinsatzstunden sind denn für Volksfeste und den Karneval nötig. Richtig nur ein Bruchteil der Einsatzstunden der allein für die ersten beiden Ligen notwendig ist. Wenn rund um den Fußball alles so ungefährlich ist, dann reichen ja ein paar Vereinsordner aus und die Länder können die Polizeikräfte komplett von den Spielen abziehen.

08.12.2012
11:40
die Vereine zahlen genug...
von isdochklar | #15

"Auf mehr als 100 Millionen Euro sollen sich die Kosten belaufen, die dem Staat und damit uns allen durch Polizeieinsätze beim Fußball entstehen. Das ist zweifelsohne viel Geld. Laut einer Studie der Unternehmensberatung "McKinsey" aus dem Jahr 2010 stehen demgegenüber allerdings Steuereinnahmen von rund 1,5 Milliarden, die allein durch die deutschen Profiklubs geleistet werden."

entnommen aus:

https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/

3 Antworten
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von DasMentalmonster | #15-1

Alleine an Steuern zahle ich etwa 15000 € p.a., während ich keinerlei Polizeikosten verursache! Darf ich jetzt die S@u rauslassen?

Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von EduardM | #15-2

Und was soll uns das sage? Wer ein paar Euro Steuern zahlt hat dann einen Anspruch auf staatliche All-Inclusive Leistungen?

Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von DasMentalmonster | #15-3

In Deutschland ist es Mode geworden, alles gegenzurechnen und zu relativieren, statt mal den Missstand absolut zu betrachten! Viele Leute denken, man müsse nur genug zahlen, dann dürfe man auch alles ...

08.12.2012
11:40
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von PressefreiheitistVerantwortung | #14

Ich warte noch auf eine demonstration, bei der die Übermacht der friedlichen Fans den Randalierern die Fanwürde entzieht.

08.12.2012
11:31
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von noergler2012 | #13

Die Fußballvereine müßen verpflichtet werden alle Polizeieinsätze zu bezahlen und außerdem für die Sicherheit in ihren Sportstätten zu sorgen, ohne das unbeteiligte Steuerzahler dafür aufkommen müßen. Wer die Musik bestellt bezahlt sie auch. Fertig.
Die Fans zahlen horrende Preise für ihre Eintrittskarten, da kommt es auf ein paar Euro mehr nicht an. Um das zu finanzieren könnten die Vereine auch die utopisch anmutenden Gehälter der Spieler und des Vorstandes auf ein vernünftiges Maß kürzen.
Mir tun die Polizisten leid, die ihr freies Wochenende für eine Bande Irrer opfern müßen, obwohl das eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. Überstunden en Masse, und woanders fehlen sie dann. Dank des Fußballs.

08.12.2012
11:16
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von dukeols | #12

Oktoberfest 2012:

8400 Verletzte
2000 Polizeieinsätze auf der Wiesn.
ca. 1000 Einsätze TÄGLICH im übrigen Stadtgebiet während der Wiesn

Gesamtbesucherzahl: 6,9Millionen

Es wird explizit erwähnt, Zitat: "Positiv ist festzustellen, dass sich im Zusammenhang mit dem Oktoberfest 2012 bisher weder ein vollendetes noch ein versuchtes Tötungsdelikt ereignet hat."

Quelle: Wiesenreport 2012 Polizei Bayern

In der Bundesliga kommen pro Saison 18 Millionen in die Stadien - und es gibt „nur“ 120 Verletzte.

Noch Fragen?

Und wie immer

95ole

2 Antworten
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von DasMentalmonster | #12-1

Warum wird ein Schwachsinn mit dem anderen rechtfertigt?

@dukeols
von ModemHamster | #12-2

Interessante Zahlen, danke. Man kann zumindest auch auf die Idee kommen, dass die Menge an Alkohol einen negativen Einfluß hat.
Zu Oktoberfestzeiten S-Bahn fahren ist auf jeden Fall schlimmer als zu einem Spiel zu gehen. Abends besoffene Schläger, morgens Kotzepfützenausweichlauf.

08.12.2012
10:39
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von f.densborn | #11

Ich werde heute mal bei Gesichtsbuch eine Gruppe " Ich fühle mich im Stadion bedroht "
einrichten .

08.12.2012
09:43
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von DasMentalmonster | #10

Warum soll man eigentlich diesen "Fans" permanent Privilegien zuschustern, wenn deren Bereitschaft, die Krawallskis auszuliefern, gegen Null geht? Sie liefern diesen Idioten ein denkbar fruchtbares Biotop, um sich auszutoben - warum soll sich ein Staat ein derart sündhaft teures Hobby leisten, wo die Gelder anderswo bitter nötig sind ...

08.12.2012
09:38
Fußball-Fans gehen auf die Straße und demonstrieren für Fankultur
von Berat1 | #9

Gute Gelegenheit aller Vereine zu zeigen das sie friedlich sind. Es müssen Fans aller Vereine Teilnehmen. BVB, S04, DDorf, Hansa Rostock, Dresden usw. Aber nicht nur normale Fans, sondern bekannte Kat C. Das dürfte ja kein Problem sein.

Ab sofort sollte bei Fußballspielen gar keine Polizei mehr eingesetzt werden. Es sind doch alle friedlich. Wenn mal eine seltene Schlägerei vorkommt kann man ja einen Streifenwagen rufen.

Aus dem Ressort
Tana-Schanzara-Preis an Kai Magnus Sting
Bei Kabarettfestival...
Die Entscheidung ist gefallen: Der Tana-Schanzara-Preis, der im Rahmen des Kabarett-Festivals Ruhrhochdeutsch verliehen wird, geht in diesem Jahr an den Kabarettisten Kai Magnus Sting. Verliehen wird der Preis am 21. September im Spiegelzelt an der Westfalenhalle.
Continental-Mitarbeiter kämpfen in Dortmund um ihre Jobs
Automobilzulieferer
Beim Dortmunder Automobilzulieferer Continental Automotive ist die erste Entlassungswelle angelaufen. Nicht alle der betroffenen 65 Mitarbeiter wollen sich damit abfinden. Eine Montagehelferin beispielsweise reichte Klage ein. Jetzt ist das Arbeitsgericht am Zug. Eine Einigung ist nicht in Sicht.
Conti-Mitarbeiter kämpfen in Dortmund um ihre Jobs
Automobilzulieferer
Beim Dortmunder Automobilzulieferer Continental Automotive ist die erste Entlassungswelle angelaufen. Doch nicht alle der betroffenen 65 Mitarbeiter wollen sich damit abfinden. Jetzt ist das Arbeitsgericht am Zug. Eine Einigung ist nicht in Sicht.
Polizei räumt besetzte Kirche in Dortmunder Nordstadt
Polizei-Aktion
Die Dortmunder Polizei räumt eine besetzte Kirche in Dortmunds Nordstadt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft geht es darum, Hinweise auf Personen zu finden, die am Wochenende Steine auf Polizisten und Demonstranten geworfen haben sollen. Wegen der Aktion ist die Enscheder Straße gesperrt. 
Bürgerinitiative setzt sich gegen Windkraftanlage ein
Brechtener Niederung
Die Brechtener Bürgerinitiative setzt sich weiter gegen den möglichen Bau einer Windkraftanlage in der Brechtener Niederung ein. Die Mitglieder der Bürgerinitiative richten an die Stadt einige Fragen, die wir vorstellen.
Fotos und Videos
Rundgang durch die neue Galerie G18
Bildgalerie
Fotostrecke
Polizei durchsucht besetzte Kirche
Bildgalerie
Fotostrecke
Marode Brücken im Nathebachtal
Bildgalerie
Fotostrecke
So sah das alte Westerfilde aus
Bildgalerie
Fotostrecke