Das aktuelle Wetter Dortmund 13°C
Serie

Fußball erzählt Geschichte(n)

28.07.2012 | 06:00 Uhr

Dortmund.   Hand aufs Herz. Hätten Sie gewusst, dass das Westfalenstadion bzw. der Signal Iduna Park einmal „Ali Sami Yen“-Stadion hieß? Wenn auch nur für 24 Stunden. Hätten Sie an einer Führung von Gerd Kolbe teilgenommen, der Ihnen Strobelallee, Stadion Rote Erde und Signal Iduna Park samt Borusseum näher bringt, dann hätten Sie mit „Na, klar!“ geantwortet.

Verwunderte Blicke in der Besuchergruppe. Ali Sami Yen? „Wer ist denn das?“, fragt einer der Teilnehmer. „Das war der Gründer von Galatasaray Istanbul“, erklärt Kolbe, einst Pressesprecher des BVB und Pressesprecher der Stadt Dortmund. Aus Sicherheitsgründen wurde das Spiel in der Champions League zwischen Galatasaray Istanbul und Turin am 2. Dezember 2003 nach Dortmund verlegt. Da Istanbul Heimrecht hatte, wurde das Stadion kurzerhand umbenannt. „Und zudem hieß es auch einmal „FIFA WM Stadion Dortmund“. Klar, bei der WM 2006.

„So viele Zahlen, Daten und Fakten versuche ich gar nicht an den Mann zu bringen“, erklärt der 67-Jährige. „Lieber erzähle ich ein paar Dönekes, denn die behalten die Menschen eher, als die Länge oder Breite eines Stadions.“ Und natürlich kennt Gerd Kolbe unzählige Geschichten und Anekdoten aus dem und rund um das Stadion. Etwa Geschichten rund um den WM-Boxkampf zwischen Axel Schulz und Michael Moorer vom 22. Juni 1996.

In den Allerwertesten gebissen

Oder wussten Sie, dass das Stadion einmal als eine Art „Fluchthelfer“ fungierte, damals 1980? „Es war in der 37. Minute, als ein rumänischer Spieler eine Oberschenkelzerrung vortäuschte“, beginnt Gerd Kolbe seine Erzählung. „Der Spieler mit der Nummer 10 hieß Marcel Raducanu.“ Er stieg nicht in einen Krankenwagen, sondern ins Taxi und weg war er. Anschließend spielte er mehrere Jahren für den BVB .

BVB-Platzwart Willi Droste

Geschichten über die Architektur von Strobelallee und Stadion folgen beim Spaziergang ins Stadion Rote Erde, „ein Kleinod“, wie Kolbe betont. „Hier habe ich mit acht Jahren mein allererstes Spiel des BVB gesehen“, strahlt der Fremdenführer übers ganze Gesicht. Mit einem 4:1-Sieg habe sich der BVB in sein Herz gespielt. 6. Juni 1926 die Eröffnung der Roten Erde, die ihren Namen vom Wort „gerodete Erde“ hat. 1:11 habe eine Stadtauswahl gegen Wacker München verloren. Und natürlich kennt er sofort den Namen des Hundes, der Friedel Rausch hier mal in den Allerwertesten gebissen hat: „Moritz. Damals ein Skandal“.

„Und schon haben die Gegner Schiss...“

Durch die Katakomben geht es in den neuen Fußballtempel, den Signal Iduna Park , „wo heute die geschmeidige Elf vom Borsigplatz“ spielt. „Hier fahren die Busse herein“, zeigt er auf das große Eingangstor. „Und wenn der Gegner kommt, dann zuckt es bei denen im Gesäß und schon haben sie Schiss...“ „Locker und humorvoll“, so soll es sein, sagt Kolbe und zeigt auf die Ahnenwand des BVB, die hier einige der großen Kicker zeigt.

Herein geht es in das Herzstück, den Spielerbereich, der für die meisten Fans tabu ist, „Hier sitzen sie, die großen Dribbler und Defensivkünstler“, geht Kolbe in die Kabine. Er hat die Geschichte des Stadions vom ersten Baggerhub an mitverfolgt, kennt auch die vielen kleinen Anekdoten. Etwa die der niederländischen Nationalmannschaft, die hier 1974 spielte. Da lernte er Trainer Michels kennen oder Johan Cruyff. „Als ich mal zu denen in der Halbzeit in die Kabine musste, war die fast leer“, berichtet Kolbe. „Die standen alle draußen und rauchten sich eine.“

BVB-Stadion-Party

Und dann geht’s hoch ins Borusseum, quasi die Geschichts- und Geschichtenstube des BVB. „Was ist der Unterschied zwischen einem Buch und Bayern München“, fragt Gerd Kolbe in die Runde. „Ein Buch hat einen Titel“, lacht er in die Gesichter der Besucher. Und für die gibt es jetzt noch ein besonderes Highlight. Ein Foto mit der aktuellen Meisterschale.

Andreas Winkelsträter


Kommentare
Aus dem Ressort
Klau-Kid Elisabeta steht wieder vor Gericht
14-Jährige Serientäterin
Elisabeta aus Dortmund ist mit über 200 Diebstählen und Überfällen die wohl bekannteste 14-jährige Serientäterin in Deutschland. Nach einer Verurteilung im September hatte das Jugendamt angekündigt, sich um die Jugendliche zu kümmern - erfolglos. Jetzt steht Elisabeta wieder vor Gericht.
Telefonaktion: Experten informieren heute ab 14 Uhr
Neue Energieverordnung...
Sie besitzen eine Immobilie oder sind Häuslebauer? Dann sollten Sie unsere heutige Telefonaktion von 14 bis 16 Uhr zur neuen Energieeinsparverordnung nutzen. Die tritt ab 1. Mai in Kraft und setzt höhere energetische Standards. Was noch geplant ist und welche Experten zu welchen Themen informieren,...
Roxy-Kino wird für Dortmund-Tatort zum libanesischen Imbiss
Drehort für "Hydra"
Für einen halben Tag gab es kein Roxy-Kino in der Nordstadt. Ein libanesischer Imbiss hatte das bekannte Programm-Kino verdrängt. Das Roxy passte den Machern des nächsten Dortmund-Tatorts "Hydra" nicht ins Bild. Wortwörtlich. Roxy-Leiter Holga Rosen verrät die Hintergründe - und warum er vielleicht...
Festi Ramazan kommt doch nach Dortmund
Ramadanfest an...
Überraschende Wende rund um das größte Ramadan-Festival Deutschlands: Das Festi Ramazan findet nun doch dieses Jahr an den Westfalenhallen statt. Oberbürgermeister Ullrich Sierau hatte dem Festival nach Anwohner-Beschwerden eigentlich eine Absage erteilt. Eine entscheidende Änderung macht die...
Neue Vorwürfe gegen filmenden Frauenarzt aus Dortmund
Gutachten über "sexuellen...
Vor zwei Jahren wurden seine Praktiken bekannt. Die Polizei beschlagnahmte damals Film- und Fotodaten von 113 seiner Patientinnen. Und eigentlich sollte der ehemalige Frauenarzt aus Dortmund ab April endlich vor Gericht stehen. Ein Gutachten sorgt nun für eine Terminverschiebung - wegen neuer...
Fotos und Videos
Schuhverführung im Keuning-Haus
Bildgalerie
Fotostrecke
Andreas Kümmert singt im FZW
Bildgalerie
Fotostrecke