Für BVB-Trainer Klopp ist die Heimat Dortmund teilbar
10.11.2011 | 17:22 Uhr 2011-11-10T17:22:00+0100
Dortmund. Prominenter Auftakt: Der Kongress „Die neue Statdt“ startete mit einem unterhaltsamen Dialog dreier Dortmunder. Im Signal Iduna Park unterhielten sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Moderator Michael Steinbrecher und BVB-Trainer Jürgen Klopp. Ein „Heimatgespräch“ der besonderen Art.
Das Leben hält Rätsel und Überraschungen bereit. Zu dieser Binse gehört für manchen Betrachter sicher das Unternehmen ECE. Es bestückt Innenstädte mit riesigen Einkaufszentren und diese mit austauschbaren Filialisten. Es engagiert sich aber auch gemeinnützig in der Stiftung „Lebendige Stadt“, um „urbane Vielfalt zu erhalten“.
Keine Überraschung ist allerdings ein großes Maß an Unterhaltung, wenn am Vorabend des aktuellen Stiftungskongresses „Die neue Stadt“ im „U“ eine Talkrunde mit Jürgen Klopp, OB Ullrich Sierau und ZDF-Mann Michael Steinbrecher besetzt ist. Eine Runde als „Heimatgespräch“ apostrophiert, weil „Heimat, Identität und Marke“ im Mittelpunkt der Ausschreibung des diesjährigen Stiftungspreises stand. Ein Preis, der übrigens an Hiddenhausen und Ingelheim geht.
Rund 600 Gäste amüsierten sich im Signal Iduna Park prächtig. Vor allem Klopp und Moderator Steinbrecher, durch viele ZDF-Sendungen bestens aufeinander eingespielt, warfen sich gegenseitig die Bälle zu, um sich einem Heimatbegriff zu nähern. Keine Frage für Sierau, der 1976 nach Dortmund kam, dass dieses Stadt schnell seine Heimat geworden ist. Nicht nur in seiner Funktion als OB. Weit vorher schon.
Wohlfühlatmosphäre
Klopp sieht’s genereller. Heimat ist dort, wo man Freunde hat. Aufgewachsen in Glatten (2326 Einwohner im Schwarzwald), lange Jahre aktiv in Mainz, jetzt in Dortmund - überall Wohlfühlatmosphäre. So wird Heimat teilbar.
Zumal Klopp offen damit umgeht, dass „Heimat Dortmund“ für ihn nicht Rombergpark, U-Turm oder Hochofenrelikte sind. Es sind eher Trainingsgelände und Stadion. Von der Stadt bekomme er eher wenig mit, sagte er. Wenngleich sich natürlich der Blick auf die Stadt verändere.
BVB als bundesweiter Multiplikator
Auch für Außenstehende - das weiß auch Sierau. Und ein erfolgreicher BVB habe daran einen großen Anteil, berichtete der OB von zahllosen Begegnungen. Über den schwarzgelben Erfolg könne man viele Stadtthemen bundesweit ganz anders platzieren.
Klopp nahm dieses indirekte Lob gelassen zur Kenntnis. Wahrscheinlich mit dem selbstbewussten Blick auf die eigenen Verdienste. Er selbst werde irgendwann jede Menge Erinnerungen und Freunde mit aus Dortmund nehmen, sagte er. Steinbrecher prophezeite dafür das Jahr 2037, wenn Klopp zu Real Madrid wechsele. Der widersprach: So lange wolle er nicht arbeiten. Wie lange Dortmund seine Heimat bleibt, blieb offen.
07:35
Klopp kann seinen Duzkumpanen unter den Hofberichterstattern in Dortmund und Mainz (und danach dann in München) offenkundig alles erzählen. Heimat ist dann auch so beliebig, dass sie überall dort ist, wo man sich als Gute-Laune-Trainer am besten bei Fans und Journalisten einschleimen kann...
Wenn ein Fan eines Vereins, dessen Spieler ebenfalls die Heimat teilen, weil sie lieber in Düsseldorf als in Gelsenkirchen wohnen, solch einen Kommentar verfasst, dann nennt man das wohl Eigentor...