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Junge Oper

Frühlingserwachen der Kinder

05.02.2012 | 15:28 Uhr
Frühlingserwachen der Kinder
Eisberg nach Sizilien Foto:Bjoern Hickmann

Seit Freitag läuft in der Jungen Oper ein Stück, das Kinder ernst nimmt. „Eisberg nach Sizilien“ von F. K. Wächter ist eine skurrile Geschichte über Liebe und Sexualität, die nicht krampfhaft kindgerecht sein will.

Seit Freitag läuft in der Jungen Oper ein Stück, das Kinder ernst nimmt. „Eisberg nach Sizilien“ von F. K. Wächter ist eine skurrile Geschichte über Liebe und Sexualität, die nicht krampfhaft kindgerecht sein will.

Eigentlich könnte die Geschichte schon zu Ende sein. Doch nach zehn Minuten gibt es halt noch keinen Applaus. Der Großmutter des Teufels bleibt also nichts anderes übrig, als den jungen König wieder zum Leben zu erwecken und ihm zu seiner Hochzeit zu verhelfen. In ziemlich genau einer Stunde wird die Geschichte des Königs von Sizilien erzählt, der die schöne, aber gefühlskalte Eisprinzessin erobern will.

Mit Hilfe der Großmutter des Teufels gelingt es dem König, als Frau verkleidet, das Vertrauen der Eisprinzessin zu gewinnen. Er überredet sie mit ihm nach Sizilien zu fahren und lehrt sie auf der Fahrt, was sich für ihn nach „warmem Regen“ anfühlt – natürlich die Liebe.

„Es war lustig“, sagt Jona nach der Aufführung. Der Elfjährige war das erste Mal in der Jungen Oper, begleitet von Mutter und Großtante. Besonders gefallen hat ihm die Großmutter des Teufels, gespielt von Johanna Schoppa. Jonas Mutter scheint sich nicht ganz so sicher zu sein. An der Stelle, wo der König mit der Eisprinzessin ziemlich eindeutig hinter einem gespannten Bettlaken verschwindet, schaut sie ihren Sohn besorgt an. Ist das nicht ein wenig viel für die Kinder?

„Mit dem Stück begleiten wir Kinder ab zwölf Jahren in ihrem Frühlingserwachen“, sagt Regisseur Marcelo Diaz, der zum ersten Mal eine Oper inszeniert hat. Im Alter kurz vor der Pubertät hätten Kinder noch keine klaren Grenzen in ihrer Vorstellung von Beziehung und Körperlichkeit.

Aufführung soll Neugier und Toleranz wecken

Die Szenen sind dabei nicht plump, sondern überlassen die expliziten Bilder der kindlichen Fantasie. Das Stück regt diese Neugier und Toleranz an: Zwei Frauen, die sich küssen, sind anscheinend ebenso kein Problem wie vertauschte Geschlechterrollen.

Auch die Musik von Kurt Schwertsik fordert die Kinder heraus. Sie ist eine Mischung aus Geräuschkulisse, Klangteppich und der Begleitung eines Kunstliedes. Die Ensemblemusiker unter Michael Hönes interpretieren den Stoff dabei aber mit so viel Vorsicht und Zurückhaltung, dass er ohne Umwege direkt ins Blut geht.

Niklas Rudolph

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