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Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus

27.08.2010 | 18:09 Uhr
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
Leo Lebendig mit seinen Friedenslichtern der Religionen in der Rathaus-Bürgerhalle. Fotos: Knut Vahlensieck

Dortmund.Eine Aktion für Toleranz und Frieden: Das „Friedenslicht der Religionen“ des Dortmunder Künstlers Leo Lebendig leuchtet ab dem 1. September einen ganzen Monat in der Bürgerhalle des Rathauses.

Die Friedenslicht-Aktion ist gleichzeitig Höhepunkt des Twins2010-Projektes, das im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 und in Projektpartnerschaft mit dem städtischen Kulturbüro stattfindet. „In öffentlichen Gebäuden soll mit dem kugelförmigen Himmelskörper ein Zeichen für den in allen Religionen lebendigen Friedenswillen gesetzt werden“, erklärt der 71-jährige Künstler Leo Lebendig aus Dortmund.

Wie eine Friedenstaube fliegt die gebrechliche Installation dabei von Stadt zu Stadt: In Thorn, Den Haag, Netanya, Utrecht, Dinslaken, Essen und Duisburg war Lebendigs Lichtkunst als Missionar für den Frieden schon.

Nächste Station ist Hamm

Als vorletzte Station ist sie nun bis zum 30. September zu Gast in der Westfalenmetropole, bevor es abschließend noch nach Hamm-Uentrop geht.

Die Aktion wurde 2005 in der Nordstadt ins Leben gerufen:„Als Reaktion auf die Herausforderung des 11. September 2001 und dem angekündigten Kampf der Kulturen“, erklärt Lebendig. Ergänzt wird die Aktion durch durch das Begleitprogramm „Viele Stimmen für den Frieden“, initiiert von Klaus Commer. Die offizielle Eröffnung ist am 1. September, 19 Uhr.

Gegen Nazi-Aufmarsch

Die Stadt Dortmund ist in Aufregung. Sie wehrt sich gegen den Aufmarsch von Nationalisten. Sie feierte mit einem Festival auf dem Friedensplatz den Ausklang der Ferien. In der Bürgerhalle des Rathauses leuchtet ein Licht auf. „Antikriegstag und Profriedenstag“, das sind in diesem Jahr die beiden Seiten des 1. Septembers. Zum Abschluss wird um 19 Uhr mit dem Programm „Viele Stimmen für den Frieden“ unter der Glaskuppel der Bürgerhalle das Friedenslicht der Religionen eröffnet. Das Kunstwerk des LichtMalers Leo Lebendig regt an dieser Stelle einen Monat lang Gedanken und Handlungen der Besucher an.

Künstler Leo Lebendig.

Schulkinder und Erwachsene, Einzelne und Menschen aus Friedensinitiativen, Gäste aus anderen Städten der Ruhr.2010 werden vielstimmig in Reden und Liedern zum Ausdruck bringen, wo für sie Gewalt aufhören und friedliches Zusammenleben beginnen muss. Das erste Wort hat im Rathaus mit Birgit Jörder die Bürgermeisterin. Kinder und Künstler für die „Vielen Stimmen“ hat Kerstin Laroussi engagiert. Sie ist Projektleiterin im artour projects Verein für transkulturelle Bildung und Kunst und Leiterin der Siegfried-Drupp-Europa-Grundschule in Scharnhorst. Vertreter unterschiedlicher Friedensinitiativen und Atomwaffengegner schlossen sich bei der Programmplanung an. Wer in der raschen Folge von Texten und musikalischen Beiträgen nicht zu Wort kommt, kann sich in der Bürgerhalle auch spontan schriftlich zum Thema Frieden äußern.

Licht und Farbe, Stimmen und Lieder

Kunst soll aufleuchten, soll „sichtbar, hörbar machen“ und damit Menschen bewegen, eigene Initiative zu entwickeln, ist Leo Lebendig überzeugt. Der runde Lichtkörper mit Symbolen aus den drei Abrahamsreligionen im Rathaus dreht sich leicht wie ein Mobile. Die weißen Scheiben, die von Scheinwerferlicht angestrahlt werden, zeigen erst bei Dunkelheit die Vielfalt der Farben, tagsüber strahlt das Weiß, das die Halle insgesamt prägt. Der Künstler weist darauf hin, dass es die Summe aller Farben ist, wie das Zusammenfließen aller Ideen, die Frieden entwickeln.

Die Eröffnung des Friedenslichtes am 1. September im Rathaus schließt an eine Gedenkfeier im Innenhof des früheren Gestapo-Gefängnisses Steinwache an, bei der es um 17 Uhr „Nie wieder Krieg“ heißt. Der Abend mit Licht-Kunst und Stimmen für Frieden klingt aus mit Liedern aus den Religionen der Christen, der Juden und des Islam.

Schüler unter dem Kunstwerk

Auch im Rathaus selbst kann im ganzen Monat September immer wieder das Thema Frieden aufgenommen werden. Der LichtMaler Leo Lebendig hat den Dortmunder Schulen angeboten, Gespräche mit Schülern unter seinem Licht zu vereinbaren. Geplant ist zum Monatsende auch eine Begegnung mit Schülern aus der Partnerstadt Netanya.

Ein weiterer Höhepunkt wird sein, wenn am Abend des 14. Septembers ab 19.45 Uhr das „Interreligiöses Gebet Dortmund für Frieden und Versöhnung“ zum erstmalig in der Rathaushalle stattfindet, bei dem ebenfalls das Motiv des Kunstwerks Eingang im Titel gefunden hat: „Bei Licht besehen. Gottes Licht für alle Menschen – das Friedenslicht der Abrahamsreligionen.“

Weg durch Israel, die Niederlande, die Ruhr.2010

Das Friedenslicht der Religionen ist zwei Jahre lang als Kunstprojekt der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 unterwegs. Am 1. September kehrt es im Zentrum seines Ursprungsortes Dortmund ein. Für den Asselner LichtMaler Leo Lebendig ist dies der Höhepunkt des Weges, der in der Nordstadt begann. Sein erstes Friedenslicht strahlte vor Jahren in der Pauluskirche an der Schützenstraße.

In der Europäischen Kulturhauptstadt ist aus dem Friedenslicht ein Großprojekt geworden, das im vergangenen Jahr den Gedanken konkreter Versöhnung nach Israel und in die Niederlande trug, um jetzt von Januar bis Dezember 2010 an verschiedenen Orten der Kulturmetropole an der Ruhr zu leuchten. Das wurde möglich, weil Leo Lebendig schlüssig europäisches Denken mit lokalem Handeln verknüpfte. Das Friedenslicht passte in das Konzept der „Twins-Projekte“ der Ruhr.2010, deren Jury es 2008 auswählte. Das Kulturbüro der Stadt Dortmund legte einen guten Teil Förderung für das zweijährige internationale Projekt zu und fand in ihrer Partnerstadt Netanya den ersten wichtigen Kooperationspartner. In den Niederlanden besuchte das Friedenslicht eine historische Abteikirche an der Maas, die Parlamentseröffnung in Den Haag und das universitäre medizinische Zentrum der Niederlande in Utrecht.

Im Ruhrgebiet startete das Friedenslicht gleich zu Beginn des Hauptstadtjahres in der Licht- und Lohnhalle der Zeche Lohberg Dinslaken in Dinslaken, in Essen machte es Station in der modernen Volkshochschule am Burgplatz bei dem internationalen Kongress der Atomwaffengegner.

Real ist das Anfangen

Leo Lebendig ist Realist. Er ist wenige Tage vor dem 1. September 1939 geboren, an dem die deutschen Nazis den Zweiten Weltkrieg auslösten, der am Ende den Völkermord an den Juden einschloss. 71 Jahre später steht fest, dass aus dem „Nie wieder Krieg“ des Antikriegstages noch kein weltumspannender Frieden geworden ist. Im Gegenteil: Militärische Konflikte lösen sich bis heute ab. Mit dem 11. September 2001 hat sich die Dimension eines Krieges der Kulturen gezeigt.

Realistisch ist für Leo Lebendig, solcher Gewalt „initiatorische Kunst“ entgegen zu setzen, leuchtende Symbole für anderes Denken und Handeln. In Netanya nahm er in seinem Licht die Gestalt des Sterns auf, zur Parlamentseröffnung in Den Haag setzte er eine leuchtende Himmelssäule in die multikulturelle Stadt. Jetzt ist es im Dortmunder Rathaus eine „Kugel“ mit Zeichen der Abrahamreligionen des Christentums, Judentums und Islam. Kein Zusammenprall, sondern ein Zusammenspiel der Kulturen. Der Frieden ist damit noch nicht gewonnen. Der Krieg hat an dieser Stelle einen Tag verloren.

Thilo Kortmann

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Kommentare
02.09.2010
10:14
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von parts | #9

Von was bestreitet der Künstler seinen Lebensunterhalt,wird er von den zahlreichen ROTENOrgannisationen unterstützt,
Seit zehn Jahren kämpft dieses Land einen heroischen Kampf gegen Rechts.Seitdem frage ich mich verzweifelt wo diese schlimmen Rechtsradikalen denn alle bloß stecken.Im Alltag treffe ich nie auf Kahlgeschorene mit Springerstiefel.Die Wahlerfolge der NPD sind überschaubar,und zuNPD-Demos werden aus dem gesamten Bundesgebiet um die 200 Personen herbeikarrt,von denen etliche für den Verfassungsschutz arbeiten dürften.
Es verhält sich wohl ähnlich wie in denUSA der McCarthy-Ära,alsMillionen Amerikaner einen Tapferen Kampf gegen Kommunisten führten,ohne jemals selbst einem begegnet zu sein.
In Deutschland werden mittlerweile Menschen in ihrer beruflichen und sozialen Existenz vernichtet,nur weil sie die falsche politische Gesinnung haben.Man sollte diese widerliche Gesinnungschnüffelei,die jedem totalitären Staat zu Ehre reichen.

30.08.2010
14:40
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von Stefan | #8

Ich glaube nicht, dass der Künstler den Hitlergruß macht. Nicht jede erhobene Hand ist ein Hitlergruß.

Ja, dass die Opfer der Bombenangriffe auf das damalige deutsche Reich Opfer der Politik der Hitlerfaschisten waren, ist ernst gemeint.

30.08.2010
14:35
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von Benno | #7

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30.08.2010
14:25
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von Stefan | #6

Ich habe jetzt die Statistik nicht zur Hand, aber ich habe in einem Aufsatz des ehemaligen Bundeswehr-Offiziers Jürgen Rose gelesen, dass in der Geschichte viel, viel mehr Kriege von den sogenannten christlichen als von den sogenannten muslimischen Staaten ausgegangen sind.

30.08.2010
14:09
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von schranzbaum | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.08.2010
13:57
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von Noangel | #4

# 3
also hat Sarrazin noch zu kurz argumentiert. Iran, Sudan, Somalia, Irak, Türkei und die anderen 20 verkneife ich mir. Da ist es schön zu wissen, dass es mit Israel zumindest einen Vorposten von Demokratie und Freiheit inmitten von Islamfaschisten gibt.

30.08.2010
13:51
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von Smartdriver | #3

Alle Religionen haben den Friedenswillen inne?
Dann schauen sie doch mal bitte auf den Weltatlas und suchen die bewaffneten Konflikte raus.
Ordnen sie die beteiligten Länder einer Religion zu, und das Ergebnis ist eindeutig!

Das gleiche funktioniert natürlich auch mit Ländern in denen die heftigsten Menschenrechtsverletzungen geschehen.
Wieder ist eine Religion einsam an der Spitze.
Wir wissen das das kein Zufall ist, aber sagen dürfen wir es nicht, ich bin gespannt wie lange das noch gut geht??

30.08.2010
13:51
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von Stefan | #2

Nicht jede erhobene Hand ist ein Hitlergruß. Es kommt schon auf den Kontext an.

Es ist, 0815-Nachdenker, aber sehr verdienstvoll von Ihnen, dass Sie darauf hinweisen, dass die Opfer der Bombenangriffe der Westalliierten im Ruhrgebiet im Grunde genommen auch die Opfer der Hitlerfaschisten und ihrer Politik waren. So sehe ich es auch.

30.08.2010
12:44
Friedenslicht leuchtet ganzen Monat im Rathaus
von 0815Nachdenker | #1

Warum grüsst denn der Künstler Leo Lebendig auf dem Bild mit dem Hitlergruß?

Ist das nicht in jedem Fall strafbar? Sind hier nicht die Grenzen der durch das Grundgesetz geschützten künstlerischen Freiheit und der ironischen Provokation deutlich überschritten?

Das sollten der Staatsschutz und die Staasanwaltschaft klären. Dortmund hat zu sehr unter den Nazis gelitten, man denke allein an die tausenden Opfer der Bombenangriffe, als daß solch eine Provokation hier geduldet werden könnte.

Darüber sollte man mal nachdenken.

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