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20-jähriges Bestehen

Freude über kulturellen Reichtum

30.11.2012 | 19:00 Uhr
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Freude über kulturellen Reichtum
Gab der Feierstunde besonderen Glanz: Prof. Hellmuth Karasek, (2. v. l.), einstiger Gesprächspartner von Marcel Reich- Ranicki im „Literarischen Quartett“, begeisterte mit seinem anekdotenreichen Vortrag.Foto: Klaus Pollkläsener

Die Kulturstiftung Dortmund feierte am Donnerstagabend ihr 20-jähriges Bestehen im Konzerthaus. Zu Gast waren der Leipziger Gewandhausorganiste Michael Schönheit, der meisterhafte Musik präsentierte, und Professor Hellmuth Karasek.

Vor 20 Jahren, im November 1992, wurde aus Kreisen der Dortmunder Wirtschaft und Bürgerschaft jene Stiftung gegründet, deren Wirken die Dortmunder ihr Konzerthaus zu verdanken haben – Anlass genug für eine glanzvolle Feierstunde, in der ohne große Worte demonstriert wurde, welch immenser Gewinn dieser Kulturtempel samt Klais-Orgel für das kulturelle Leben der Stadt ist. Im Mittelpunkt standen nicht die Prominenz im Saal, sondern die Musik, meisterhaft gespielt vom Leipziger Gewandhausorganisten Michael Schönheit, und die Gedanken zum Verhältnis zwischen kulturellem Reichtum und bürgerschaftlichem Engagement, anekdotenreich vorgetragen von Professor Hellmuth Karasek, einstiger Gesprächspartner von Marcel Reich-Ranicki im „Literarischen Quartett“.

Michael Schönheit demonstrierte souverän und in allen Facetten, welch wunderbares Instrument die Orgel im Konzerthaus ist und wie schön sie in der besonderen Akustik dieses Saales klingt. Ein wenig Kirchenhall fehlte zwar in der Interpretation von Bachs grandioser Fantasie und Fuge BWV 541, deren kühne harmonische Fortschreitungen in einer großen Kirche noch atemberaubender klingen. Dafür wurde in den französischen Orgelwerken von Vierne und Widor umso deutlicher, welch rauschhafte Klänge dieses Instrument von sich geben kann – und wie dann ähnliche harmonische Fortschreitungen im letzten Satz von Widors Orgel-Sinfonie bei Öffnung des Schwellkastens geradezu überwältigend klingen.

Welch bedeutende Rolle für Dortmunds Ansehen in aller Welt inzwischen das Konzerthaus spielt, ist vielen Dortmundern noch gar nicht bewusst. Dortmund ist eben nicht nur gelebter Fußball (obwohl sich auch Karasek in seiner Festrede als BVB-Anhänger outete). Kenntnisreich stellte Karasek das Stifterengagement der Dortmunder in einen weiten kulturhistorischen Zusammenhang. Denn Deutschlands in aller Welt bewunderte kulturelle Vielfalt hat ja zwei historische Wurzeln: zum einen den Konkurrenzkampf deutscher Kleinstaaten um politisches Prestige mittels kultureller Glanztaten (bei gleichzeitigem Fehlen einer in Geschmacksfragen dominanten Hauptstadt) und zum anderen die Ablösung fürstlichen und adligen Mäzenatentums durch bürgerschaftliches Engagement. Auch die Städte konkurrieren noch heute über ihr kulturelles Image miteinander. Hier hatte Dortmund vor zwei Jahrzehnten noch großen Nachholbedarf, und dass dieser Abstand zu Städten wie München, Leipzig oder Dresden inzwischen viel geringer geworden ist, ist bleibendes Verdienst der Kulturstiftung Dortmund, die sich auch durch Preisverleihungen in den Bereichen Musik und Malerei einen internationalen Namen gemacht hat – mit Preisträgern wie Anne-Sophie Mutter, Aribert Reimann und Jörg Immendorf.

Der Stiftungsvorsitzende Hans-Dieter Michalski hob in seiner Begrüßungsrede all die vielfältigen Aktivitäten der Stiftung hervor. Der schönste Dank der Dortmunder wäre indes der weitere Zufluss an Stiftungskapital; bis 2017, zum nächsten Jubiläum, möchte die Stiftung ihr Kapital auf 5 Millionen Euro erhöhen (derzeit sind es 4,3 Millionen). Hoffentlich stößt dieser Appell auf offene Ohren und Portemonnaies!

Mit großem Beifall bedacht wurde der Gründungsintendant des Konzerthauses, Ulrich Andreas Vogt, der dem Vorstand der Stiftung weiterhin angehört. Ohne ihn gäbe es dieses Konzerthaus nicht, das jetzt so erfolgreich von Benedikt Stampa geführt wird. Das haben die Dortmunder nicht vergessen, auch die unschönen Begleitumstände seines Abgangs nicht. Da wirkte es am Ende fast wie ein ungeplanter Versöhnungsakt, dass die als Redner nicht vorgesehenen Vertreter der Stadt, Bürgermeister Sauer und Kulturdezernent Stüdemann, spontan das Wort ergriffen und der Stiftung dankten. Alle zwei Jahre soll nun unter Beteiligung der Stadt der Stiftungstag im November im Konzerthaus festlich begangen werden.

Von Henning Thies

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