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Freude über dreckigen BVB-Sieg in Augsburg

12.11.2012 | 12:31 Uhr
Die Borussen jubeln über Marco Reus’ Treffer zum 1:0 in Augsburg.Foto: Lukas Barth

Dortmund.   Der Sieg von Borussia Dortmund beim FC Augsburg glich einem souveränen Verwaltungsakt, Mit Reife und Abgeklärtheit fuhren die Borussen die drei Punkte ein – im Fußballersprech ein „dreckiger Sieg“. Doch auch über die muss man sich freuen.

Können sogenannte „Pflichtaufgaben“ Impulse für Leistung hemmen? Dieser Frage kann man weder wissenschaftlich, noch philosophisch begegnen. Aber es gibt Stilmittel, über die man gewisse Steuerungselemente zur Verfügung hat.

Dies dürfte nach Lage der Dinge einerseits die „Motivation“ sein (generiert sich aus dem für BVB-Verhältnisse zu großen Abstand zur Tabellenspitze) sowie dem Faktor „knallharte Arbeit“, den laut Borussen-Coach Jürgen Klopp seine Dortmunder beim Ligaschlusslicht FC Augsburg in die Waagschale geworfen haben, weil ja jeder Liga-Auftritt des deutschen Meisters ohnehin auch als eine „Frage der Ehre“ zu sehen ist. Auf Nachfrage war Nationalverteidiger Marcel Schmelzer immerhin froh, dass das „Ergebnis nicht so dreckig wie das Spiel“ ausgefallen war.

Und die Köpfe einer klug gelenkten Mannschaft wie beispielsweise Mats Hummels und Sebastian Kehl denken schon einen Schritt weiter und muntern ihre Kollegen auf: „Auch wenn sich das etwas platt anhört: Wir müssen nun eine Serie starten.“ Doch wie so oft ist der Geist willig, doch das Fleisch schwach. Und so könnte ohne konsequente Umsetzung lediglich der Wunsch Vater des Gedankens bleiben, wenn die Grün-Weißen aus Fürth am Samstag im Westfalenstadion gastieren. Und so hakten die Dortmunder Doublesieger ihren siebten Pflichtspiel-Auftritt innerhalb von nur 22 Tagen ganz fix ab und richteten ihre Gedanken neu aus.

Echte Freude kam nicht auf

Der Chefcoach selbst entschwand eilenden Fußes so schnell wie seine Akteure aus den Katakomben, denn „echte Freude“ über den 3:1-Sieg beim Bundesligaletzten FC Augsburg wollte nicht aufkommen. Und dies hatte auch einen guten Grund, denn zu gewaltig war die Diskrepanz nur eine halbe Woche nach dem tollen Champions-League-Gefecht bei der europäischen Spitzenmannschaft von Real Madrid. Die Schwarzgelben spulten in einem Anflug von souveränem Verwaltungsakt und unterkühlter Cleverness ein Programm runter, das bei jedem anderen Gegner vermutlich böse ins Auge gegangen wäre. Doch gottlob ließ Markus Weinzierl seine etatmäßigen Angriffsspieler Musona (bis zur 60.) Mölders (bis zur 69.) und Bancé (bis zur 84.) draußen und brachte stattdessen mit dem wieder genesenen Koo, Baier, Werner und dem glücklosen Oehrl diejenigen FCA-Angreifer, die zuvor in 370 torlosen Minuten Dilettantismus pur demonstrierten.

BVB-Sieg in Augsburg

Dennoch offenbarten Felipe „Tele“ Santana und Mats Hummels ein ums andere Mal Stellungsfehler, die ihnen wenige Tage zuvor noch den Kopf in Bernabeu gekostet hätten. Jeder, der diese Unterschiede zu bewerten hat, fragt sich da unweigerlich, ob das schlicht eine reine Kopfsache in Punkto Unterschätzung oder einfach nur mangel-hafte Abstimmungskoordination ist. Einer Spitzenmannschaft, die in Spanien auch als solche über weite Strecken auftrat, steht es sicher nicht gut zu Gesicht, wenn sie ihr Angriffsspiel nahezu ausschließlich und berechenbar mit „Mondbällen“ vorträgt. Dies zumal, da ja mit Neven Subotic der mutmaßliche Erfinder dieses Stilmittels auf der Bank Platz genommen hatte.

Beim BVB schwinden die Kräfte

Immerhin überstand der BVB den Ortswechsel von der ganz großen auf die ganz kleine Bühne am Ende dann ohne Punktverlust. „In der Bundesliga musst du auch mal dreckige Spiele gewinnen“, lautet unisono anschließend der Tenor, wohin man sein Mikrofon auch halten mochte. Da beißt die Maus keinen Faden ab: In der bundesdeutschen Eliteliga präsentieren sich die Borussen lange nicht mehr so zielstrebig und dominant in ihrer Art Fußball zu spielen. Die letzte Einsatzbereitschaft fehlte auch am Samstag in der Fuggerstadt - was letztlich ja egal war angesichts der meisterlichen Effektivität. „Nach so vielen englischen Wochen werden die Kräfte natürlich etwas weniger, als wenn wir nur samstags spielen würden“, erklärte Mats Hummels den achselzuckenden Journalisten und gewährte so Einblick in das Seelenleben eines von Strapazen gebeutelten Profis. Ich frage mich, was da wohl Eishockeyspieler zu sagen würden? Wie dem auch sei.

Es geht langsam aufwärts und das nächste Spiel ist bekanntlich das Wichtigste. Sowieso.

(12.11.12, Holger W. Sitter – www.die-kirsche.com)

Holger W. Sitter

Kommentare
13.11.2012
22:21
Freude über dreckigen BVB-Sieg in Augsburg
von Burkinho09 | #13

Seit Stunden keine abfälligen Kommentare mehr über bzw. gegen einen gewissen "hochsymphatischen" User?! Da ist doch was im Busch :-)

Da bin ich mal...
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14 Antworten
Freude über dreckigen BVB-Sieg in Augsburg
von DieterMeizenkeim | #13-1

Hier wird der Niveaulosigkeit abgeschwört? Dass ich das noch erleben darf ...

Burkinho09
von REWE61 | #13-2

Hallo Burkinho, kennen Sie das Gerücht, dass Arshavin vom BVB ausgeliehen werden würde, falls Perisic im Winter ginge?

Burki,
von The_Cooler | #13-3



Schöner Kommentar gestern von dir zu dem nun doch befürworteten BVB-Grabstein!

Arshavin? Passt der ins Beute-Schema?

REWE61
von Burkinho09 | #13-4

Hallo, nein davon hab ich noch nichts gehört. Es gibt aber immer viele Gerüchte und seitdem der BVB wieder oben mitmischt, wird mindestens jeder zweite passable Kicker mit dem BVB in Verbindung gebracht, wenn er auf dem Markt zu sein scheint.

Arshavin war in seiner Anfangszeit, wo er noch bei Zenit St. Petersburg spielte, eine echte "Waffe", die die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig spielte. Zuletzt war er von dieser Leistung aber meistens ziemlich weit entfernt, was ich so mitbekommen habe. Mittlerweile ist der auch schon 31 Jahre und die Zukunft gehört da schon eher Perisic. Der sollte sich ein Beispiel an Kuba nehmen, als der letzte Saison auch in der Hinrunde kaum zum Zug kam. Kuba war ähnlich unzufrieden und hatte mit seinem Abgang spekuliert, aber dann hat er Gas gegeben und sich durch starke Leistungen in die Mannschaft gespielt und ist mittlerweile unverzichtbar.

Jeder Spieler hat es selber in der "Hand" und wenn die Leistung stimmt, wird er auch regelmäßig spielen.

Zu Arshavin Kuba Grosskreutz
von The_Cooler | #13-5

Ds wird jetzt aber hart für Kevin. hat sich ja eindrucksvoll zurückgemeldet hat ins Team, wird aber wohl bald wieder zum Ersatzmann und Einwechsler werden, denn an Kuba Götze und Reus ist wohl kaum vorbei zu kommen....

The_Cooler
von Burkinho09 | #13-6

Danke.

Antwort: nö (s. #13-4)

Es wurden hier zuletzt einige Spieler, auch für den Sturm, von Usern angeführt, aber einen Namen hab ich vermisst. Ich hatte ihn schon vor längerer Zeit genannt, weil er mir seit seinem Wechsel in der letzten Saison im Winter zu Hannover 96 in den EL-Spielen aufgefallen war, wo er regelmäßig getroffen hatte. In der Liga auch und der brauchte damals keine Eingewöhnungszeit und war sofort in der Mannschaft drin, als wenn er da schon länger gespielt hätte. Dann hatte er sich im April schwerer verletzt, aber wie man zuletzt sehen konnte, hat er das Tore schießen nicht verlernt.

Sein Vertrag endet wie der von Lewa 2014, also wäre er nach dieser Saison auch auf dem Markt. Unabhägig davon ob Lewa bleibt, sollte sich der BVB um ihn bemühen. Der Junge hat, was ich von ihm bzw. über ihn gelesen habe, die Bodenhaftung nicht verloren und scheint eine gute Einstellung/Charakter zu haben.

Achso, ich hatte seinen Namen ganz vergessen: Mame Diouf :-)

Burkinho09
von REWE61 | #13-7

Arshavin kann ich mir eigentlich auch nicht recht vorstellen, passt auch nicht ins Schema. Sehr schön im Zusammenhang mit Perisic ist das Beispiel Kuba, sehe ich genauso. Übrigens, wie Cooler gefiel auch mir Ihr Kommentar zu der Grabstein-Story.

Cooler
von Kronenschmeckt | #13-8

Zumal sich Pischu und Kuba blind verstehen. In den letzten Spielen hat man gemerkt, dass Pischu ohne Kuba auch nicht ganz so stark spielt.
Arshavin wäre vielleicht der Routinier, den man die letzte halbe Stunde bringen kann um nochmal richtig Druck zu machen.

Uns Kevin
von Burkinho09 | #13-9

Spieler kommen und gehen, aber Kevin bleibt ;-)

Diesen Eindruck konnte man in den letzten Jahren gewinnen, wo man schon mehrmals dachte, dass Großkreutz nicht mehr an der internen Konkurrenz vorbeikommt. Der Junge ist wie ein Stehaufmännchen und vor allem ein Kämpfer vor dem Herrn. Davon könnte sich Perisic eine Scheibe abschneiden, denn fußballerisch hat der sicherlich mehr Potential als Großkreutz.

Pischu und Kuba waren so etwas wie das Herzstück der meisterlichen Rückrunde in der letzten Saison. Die verstehen sich auf und neben dem Platz perfekt und das sieht man ihrem Spiel an. Der Eine weiß immer genau, was der Andere macht oder vorhat. Die beiden beackern die rechte Seite wie kein anderes Duo, da fällt jede andere Konstellation dagegen ab.

Früher hieß es mal "Otto, lass die Löwen los", wobei mit Otto unser Trainer Knefler gemeint war und nicht sein späterer Nachfolger. Also Kloppo, lass am Samstag wieder unsere polnischen Löwen los, um den Gegner zu jagen und zu erlegen ;-)

Freude über dreckigen BVB-Sieg in Augsburg
von Burkinho09 | #13-10

Zum Thema Grabstein nur noch kurz folgendes:

Da bin ich der Ansicht wie unser ehemaliger Landesvater Johannes Rau, dessen Lebensmotto "Versöhnen statt spalten" hieß. Bei aller Kritik an der Kirchengemeinde oder der Kirche im Allgemeinen, die in bestimmten Punkten durchaus ihre Berechtigung hat, schießt der Ein oder Andere aber mit seiner Kritik auch deutlich über´s Ziel hinaus.

Die Kirche besteht aus Menschen, die fehlbar sind und auch sündigen, so wie letztlich wir alle. Der Überlieferung nach hat Jesus gesagt "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein..." Er selbst verdammte die Sünderin auch nicht.

http://bibel-online.net/buch/luther_1912/johannes/8/

Daher sollte man einem Menschen oder einer Instition erstmal die Chance geben, einen möglichen Fehler zu korrigieren, bevor man über ihn bzw. sie herfällt und sich selber versündigt. Als mahnendes Beispiel sei der "Shitstorm" genannt, wo nach dem Mord in Emden zur Lynchjustiz aufgerufen wurde.

Otto lass die Löwen los...
von Kronenschmeckt | #13-11

War das nicht doch Rehagel? Denn zeitgleich mit seinem Amtsantritt stieg Samson Tabak als erster BVB Trikotsponsor ein. Worauf neben dem Schriftzug "Samson" auch ein Löwenkopf das Trikot zierte.

Kronenschmeckt
von Burkinho09 | #13-12

Ich hatte es eigentlich auch so im Kopf, wie Du das hier geschrieben hast. Ich hatte vorher mal gegoogelt und war bei schwatzgelb darauf gestoßen, dass dieser "Schlachtruf" zu Zeiten von Otto Knefler aufkam. Hatte jetzt gerade nochmal nachgeschaut und da gibt es auch die Version, die Du angegeben hattest.

http://www.schwatzgelb.de/1306.html

http://www.schwatzgelb.de/2252.html

http://www.bvb.de/?%81%9C%5E%1B%E7%F4%9D

http://www.borusseum.de/?id=130

Also etwas widersprüchlich die Enstehungsgeschichte, aber Otto ist ja schonmal richtig. Einer war es auf gar keinen Fall: otto50 ;-)

Burkinho09
von Kronenschmeckt | #13-13

Habs im Block 13 auch oft mitgesungen. :-)

Kronenschmeckt
von Burkinho09 | #13-14

Jau, auch wenn ich Block 15 bevorzugt habe. Ein Weichei steckt halt in jedem von uns ;-)

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