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Frau Kemper, kein Kiosk und die Kunst

31.03.2008 | 21:04 Uhr

In Mechthild Kempers Tabak- und Schreibwarengeschäft gibt es nicht nur Tabak und Schreibwaren. Der bunte, sympathisch chaotisch wirkende Laden mitten im Kreuzviertel ist Epizentrum des Informationsaustausches. ...

Udo Brosko, Mechthild Kemper und Peter Bucker vor Kempers Tabak- und Schreibwarengeschäft im Kreuzviertel. Hier zeigt die Künstlergruppe "zzzeppo.gestalt,union" die Werke ihrer neuen Mitglieder. (Bild: Ralf Rottmann)

... Seit Neuestem trifft sich hier auch die Kulturszene, um über Kunst zwischen Zigaretten und Wundertüten zu fachsimpeln. Eigentlich hat Mechthild Kemper von Kunst keinen blassen Schimmer. Die 61-Jährige ist mit Leib und Seele Geschäftsfrau: Seit 32 Jahren betreibt sie das "Kleine Kaufhaus des Westens", wie sie ihren Verkaufsraum an der Straße Neuer Graben gern nennt.

"Sach bloß nicht Kiosk", sagt sie lächelnd aber bestimmt, wenn jemand dieses Wort für ihr kleines "KadeWe" versehentlich benutzt. Nein, ein Kiosk ist das nicht. "Schließlich steht hier kein Bier auf dem Tresen herum." Und gemischte Tüten, die verkaufe Mechthild Kemper auch nicht. Schreibwaren, Stifte, Spielzeug, Tabak und Neuigkeiten aus dem Viertel,- das geht bei der Dortmunderin über die Theke. Und seit kurzer Zeit auch Kunstwerke.

Leinwände, Drucke, Grafiken, Fotos und kleine Postkarten.

Die stammen allerdings nicht von Mechthild Kempers Hand, sondern von drei Neuzugängen der im vergangenen Jahr gegründeten Künstlergruppe "zzzeppo.gestalt.union". Niklaus Troxler, Christian Beckmann und Jürgen Wassmuth haben ihre Werke förmlich zwischen, über oder neben die leicht überfüllten Regale verteilt -das Auge muss erst suchen, bevor es die 40 Objekte erkennt.

Dennoch wählte die mittlerweile international besetzte Künstlergruppe "zzzeppo" ganz gezielt diesen Raum. "Wir möchten, dass Leute in ihrem ganz alltäglichem Leben mit Kunst konfrontiert werden", sagt Udo Brosko, Mitglied und Gründer von "zzzeppo", "Man muss nicht erst in eine Galerie gehen, um Kunst zu erleben."

Außerdem sei Mechthild Kemper im Kreuzviertel längst eine Institution. "Aber eine Künstlerin bin ich nicht", betont die Institution dazu. Darum auch der Titel der bis Mai laufenden Ausstellung "Frau Kemper und die Kunst", der nicht nur auf einem großen Tranparent vor dem "KadeWe" des Westens zu sehen ist, sondern auch auf 40 000 Postkarten, die im ganzen Ruhrgebiet verteilt werden. Sie sollen Werbung für die ungewöhnliche Ausstellung machen.

Galeriechefin Mechthild Kemper tut das auch. "Keiner geht hier raus, ohne einen Blick auf die Bilder geworfen zu haben."

Von Britta Krane

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