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Forscher am Dortmunder MPI suchen neue Mittel gegen seltenen Krebs

15.12.2012 | 08:00 Uhr
Forscher am Dortmunder MPI suchen neue Mittel gegen seltenen Krebs
„Es gibt nicht „den einen“ Krebs, hieß es beim Max-Planck-Institut.Foto: Jan-Peter Kasper

Dortmund.   Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Dortmund. Bei einem Vortrag zur Krankheit erklärte Prof. Roger Goody vom Max-Planck-Institut Dortmund, warum er "personalisierte" Therapien nutzt - und warum die Methoden der Pharmabranche kritisch seien.

„Krebs ist nicht die eine Krankheit“, leitete gestern MPI-Direktor Prof. Roger Goody vom Max-Planck-Institut Dortmund ein. Er begrüßte den Tumor-Spezialisten Prof. Martin Schuler vom Tumorzentrum Essen - sowie 120 interessierte Zuhörer.

480.000 Menschen erkranken jedes Jahr an Krebs , leitete Schuler ein. Für jeden Zweiten gibt es mit heutigen Medikamenten eine Heilung. Für die anderen 50 Prozent müssen noch maßgeschneiderte Lösungen gefunden werden.

Personalisierte Therapie

Schuler setzt dabei auf „personalisierte“ Therapien. „wir müssen den Tumor besser charakterisieren, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern“, formulierte Schuler. Verbesserte bildgebende Verfahren seien ein erster Schritt dahin.

Beispiel Lungenkrebs . Es gibt mindestens 20 verschiedene Formen, die teils auch ohne das ungesunde Rauchen entstehen. Wie bei der 30-jährigen Sportlerin. Als sie in die Essener Uni-Klinik kam, war sie bereits komplett durchmetastasiert. Für diesen konkreten Tumor hatte Schuler die richtigen Tabletten parat. Afatinib, das es noch nicht in der Apotheke gebe, habe gewirkt. Schuler: „Der Tumor hat sich fast komplett aufgelöst.“ „Gezielt eingesetzt, sind neue Medikamente also von großem Nutzen für einzelne Patienten.“

Der Schlüssel zum Erfolg seien Hemmer, die die Signalübertragung der entarteten Zellen blockieren. Wie ein Schlüssel ins Schloss müssten diese neuen Mittel exakt passen. Schuler berichtete von einem speziellen Lungenkrebs, den nur ein Prozent aller Patienten haben. Die Chemo-Therapie habe keine Wirkung gezeigt, aber das Mittel Crizotinib habe „dramatisch gut angesprochen“.

Während in Europa noch endlose klinische Studien bis zur Zulassung des Mittels folgen müssten, sei das Präparat in den USA inzwischen zugelassen, äußerte Schuler leise Kritik.

Hoffnung und Skepsis

Kritisch war auch die Bemerkung, dass die die Pharmabranche „unverschämt hohe Preise“ für derartige neue Krebs-Präparate verlange. Preise, die das Budget des Gesundheitswesens sprengen. Die Kostenträger erfänden ihrerseits Beschränkungen, um teure erfolgversprechende Therapien zu verhindern. „Eine perverse Situation“, so Schuler.

Er mischte leise Skepsis in seinen Vortrag und wagte einen Blick in die Zukunft: Selbst wenn noch für den einen oder anderen speziellen Tumor wirksame Mittel gefunden werden können, der Krebs insgesamt ist noch lange nicht besiegt.

Gerald Nill


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