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Folgen des Envio-Skandals bei ABP in Dortmund: Sorge und der Blick nach vorn

07.04.2011 | 17:27 Uhr
Folgen des Envio-Skandals bei ABP in Dortmund: Sorge und der Blick nach vorn
Rundgang über das Firmengelände von ABP. Rechts Geschäftsführer Wolfgang Andree.

Dortmund.Vor knapp einem Jahr deckte die WR den PCB-Skandal bei Envio auf. Ein Fall, der bundesweit Schlagzeilen machte. Die Firma ABP ist Envio-Nachbar. Ein Ortstermin.

Geht der Besucher mit Dr. Wolfgang Andree über das Firmengelände an der Kanalstraße 25, zieht er angesichts der ruhigen Art des ABP-Geschäftsführers den Hut.

Der Weg führt vorbei an PCB-verseuchten Hallen, die vor dem Abriss stehen. Vorbei an einem Platz, auf dem das hochgradig verseuchte Envio-Zelt stand, der zwar heute weitestgehend gereinigt ist, aber mit seinen Planen immer noch den Skandal gegenwärtig sein lässt. Und nach einigen Metern kommt man dann zur ABP-Verwaltung, in deren dritter Etage Andree sein Büro hat. Dort berichtet der Chef eines Industrieunternehmens mit 200 Mitarbeitern von den letzten Monaten. Er berichtet wie der PCB-Skandal sein unbeteiligtes Unternehmen in Existenzangst versetzt hat. Er berichtet ruhig, wo doch ein immenser Zorn seine Berechtigung hätte. Denn viel zu oft wäre in den letzten Monaten angesichts der Dynamik, der Ausmaße des Skandals und der Behördenträgheit Verärgerung bei ABP gerechtfertigt gewesen.

ABP ist Mieter bei der Envio, die Andree meist nur „der Vermieter“ nennt. Es gab Mietstreitigkeiten Mitte letzten Jahres, Streit über Nebenkosten. Letztlich hat man sich verglichen, um dem Geschäft wieder nachgehen zu können. Aber dies ist nur eine Facette der Auswirkungen eines Skandals auf ein gesundes Unternehmen.

„Envio hat die Standortqualität zerstört“, sagt Andree. Und meint nicht nur die früher gemeinsam genutzte PCB-verseuchte Kantine, die geschlossen wurde. Andree berät noch, ob er sie auf eigene Kosten sanieren soll. Eigentlich kann er die entsprechende Forderung der Mitarbeiter verstehen. Doch eine umfangreiche Investition auf einem Grundstück, das ABP nicht gehört, ist betriebswirtschaftlich gesehen auch nicht sinnvoll. „Fragen Sie mal unsere amerikanischen Eigner“, sagt Andree.

Der Schaden für ABP in reinen Zahlen liegt derzeit in einem sechsstelligen Euro-Bereich. ABP hat eigene Beprobungen und Untersuchungen gemacht. Es wurde auf eigene Kosten vorab gereinigt. „Das waren wir doch unseren Mitarbeitern schuldig“, sagt Andree. Schwerer wiegen die mittelbaren Folgen: Arbeitszeitverluste durch Blutproben, die Unsicherheit und Ängste bei den Mitarbeitern, anfangs monatliche Betriebsversammlungen, drei Kollegen, die sich rund um die Uhr mit nichts anderem als den Auswirkungen dieser Katastrophe beschäftigt haben. Andree selbst fehlte die Zeit, zu Kunden zu fahren.

Mittlerweile versucht ABP, offensiver mit dem Thema umzugehen. Erst kürzlich hat Andree eine größere Gruppe von Fachjournalisten überzeugt, dass am ABP-Standort Dortmund weiter gute Arbeit gemacht wird. Dabei hat ABP im Gegensatz zu Envio nie eine öffentliche Förderung erfahren. Ob in der Vergangenheit wegen des Envio-Skandals Aufträge verloren gegangen sind, vermag Andree ehrlich nicht zu sagen. In die Karten spielt dem Unternehmen aber nun sicher die anziehende Konjunktur. „Wir arbeiten derzeit im Zwei-Schicht-Betrieb“, sagt Andree. „Das war noch nie da.“

Die „größte Krise des Unternehmens“ ist damit aufgefangen. Doch das Thema PCB ist damit mitnichten zu Ende. 50 ABP-Mitarbeiter sind im laufenden Bio-Monitoring. Die Bezirksregierung Arnsberg rechnet mit vier bis sechs Monaten allein für die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten an den verseuchten Envio-Hallen auf dem Gelände. Andree befürchtet einen längeren Zeitraum. Vielleicht beginnen die Sanierungen auch erst Anfang 2012. Steht man vor der Halle 1, diesem 60 mal 25 Meter großen Klotz aus Waschbeton, der komplett abgerissen werden muss, wird das immense Ausmaß der ausstehenden Arbeiten deutlich.

Wolfgang Andree weiß um diese Dimension. Er hofft auf Tempo bei den beteiligten Behörden. Andree blickt wie die Bürgerinitiative auch kritisch auf die Aufarbeitung auf Seiten des Landes durch Gutachten, die bislang nicht veröffentlicht wurden.

Wolfgang Andree weiß auch um den Zorn vieler Mitarbeiter. Viele hatten waren verunsichert und tief besorgt um ihre Gesundheit. Es herrscht teilweise ein tiefes Misstrauen gegenüber den Behörden und dem dort angekündigten zeitlichen Ablauf der Sanierungen.

Als Geschäftsführer blickt Andree aber auch nach vorn. Die Geschäfte laufen. Den Standort will Andree teils auf eigene Kosten zumindest optisch wieder etwas aufwerten. Gespräche mit den Behörden laufen. Aber auch die kleinsten Maßnahmen müssen aufwendig koordiniert und abgestimmt werden. Bisher laufen die ABP-Kunden an einem provisorischen grünen Sichtschutz vorbei.

Der Envio-Skandal bleibt bei ABP gegenwärtig. Auch Envio-Chef Dr. Dirk Neupert, der noch im selben Verwaltungsgebäude ein- und ausgeht.

Frank Bußmann

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