Mehr Katzen - mehr Freude?
25.06.2008 | 15:55 Uhr 2008-06-25T15:55:00+0200Viele Katzen im Haus bedeuten nicht nur mehr Katzenteller im Abwasch. Von dem Menschen, der mit mehreren Katzen lebt, ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Die goldene Regel lautet, dass man nicht mehr Katzen haben sollte, als Hände vorhanden sind zum Streicheln oder als die Wohnung Zimmer hat. Mit mehreren Katzen zusammenzuleben ist faszinierend, aber auch immer wieder eine Herausforderung, ein Balanceakt, denn Katzen sind ebenso individuell wie wir Menschen, sie entwickeln ganz persönliche Vorlieben und Abneigungen, Freundschaften und Bindungen.
Die wichtigste Regel für die Auswahl einer Katze, die mit Menschen und mehreren Katzen eng zusammenleben, soll lautet daher: Sie muss sowohl auf Katzen als auf den Menschen sehr gut sozialisiert sein.
Der nächste, nicht weniger wichtige Punkt ist die Frage: Wer passt zu wem? Gleich ein Geschwisterpärchen aus einem Wurf zu nehmen ist eine fast ideale Wahl. Die meisten Katzenfreunde entscheiden sich für die Paarung: Kätzchen und Katerchen. Nur spielen kleine Kater ab der 10. Woche wesentlich grober und aggressiver als Kätzinnen. Statt Harmonie und Sonnenschein haben Sie dann ein Katzenmädchen, das unter seinem Bruder leidet. Zwei Brüder oder zwei Schwestern zu nehmen ist für alle die bessere Wahl.
Die Mischung muss stimmen
Der dritte Punkt ist das Alter: Katzen, die in einem Haushalt zusammenleben, sollten möglichst der gleichen Altersstufe angehören. Alte oder ältere Katzen, die langsam ihre Ruhe schätzen, sind ganz und gar nicht begeistert, wenn sie ein junges, aktives Katzenkind ins Haus bekommen, das ihnen mit seiner „Spielwut“ nur auf die Nerven geht.
Wenn Sie eine ältere Katze haben, die um ihren langjährigen Partner trauert, sollten Sie ihr ein paar Wochen Zeit lassen, ehe Sie eine neue Katze ins Haus nehmen, sonst lehnt sie den gut gemeinten Neuzugang vielleicht für immer ab. Zu empfehlen ist eine gleichaltrige, gut sozialisierte Katze oder ein junges Pärchen, das sich gegenseitig zum Spielen und Toben hat. Die gleiche Konstellation gilt übrigens auch für eine ältere Einzelkatze, die bisher allein lebte.
Jede Neue ist ein Neuanfang
Zu einem dick befreundeten Katzenpaar eine dritte Katze aufzunehmen ist ein Risiko. Sie wird sehr oft zum „fünften Rad am Wagen“, das evtl. von den beiden grausam gemobbt wird. Auch da wäre ein weiteres Paar für den häuslichen Frieden besser. Wenn Ihre beiden Katzen aber mehr oder weniger nebeneinander herleben, dann kann eine dritte Katze der Beziehung sehr gut tun.
Für jede weitere Katze, die in die Familie einzieht, gelten die gleichen Regeln: Sie muss in Alter, Geschlecht und Charakter zu den bereits vorhandenen Tieren passen, sonst sind Probleme vorprogrammiert. Dass Sie selbst eine Katze lieben oder ihr helfen wollen, ist nie genug! Tierärztin Sabine Schroll bringt es in ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Aller guten Katzen sind ...?“ auf den Punkt: „Psychisch gesunde Katzen können sich an ein gemeinsames Leben gewöhnen, wenn man sie dazu zwingt. Und wenn sie auch die Partnerkatze nicht sympathisch finden, lässt sich zumindest ein tolerantes Leben nebeneinander arrangieren.
Psychisch instabile Katzen, schlecht oder gar nicht sozialisierte Katzen oder solche mit Angststörungen sind nicht in der Lage, sich anzupassen, und leiden erheblich, wenn sie gezwungen sind, in sozialen Beziehungen zu leben, denen sie nicht gewachsen sind.“
Organisieren Sie den Alltag
Bei der Organisation des gemeinsamen Alltags helfen zwei Eigenschaften unserer Katzen: Sie lieben einen geregelten Tagesablauf, und sie lieben Rituale.
- Füttern Sie immer alle Katzen zur gleichen Zeit, in einem Raum, in dem sich alle sicher fühlen.
- Jede Katze hat ihre eigene Futterschüssel. So können Sie auch beobachten, ob jede genug frisst (was bei Gesundheitsproblemen immer die erste Frage des Tierarztes ist).
- Für eine harmonische Katzengruppe darf auch eine Schüssel Trockenfutter zur Selbstbedienung immer bereitstehen.
- Stellen Sie mehrere Katzentoiletten, verteilt in mehreren Räumen, auf. Die optimale Formel lautet: eine mehr, als Katzen im Haus sind!
- Wählen Sie dafür Standorte, die der Katze mehr als einen Fluchtweg offen lassen, wo sie nicht von einer anderen Katze beim Verlassen der „Kiste“ angegriffen oder in ihrer privaten Distanz (bis 120 cm) blockiert werden kann.
- Jede Katze hat das Bedürfnis, mal ganz für sich zu sein, auch die geselligste. Je mehr Katzen in einem Haushalt leben und je geringer die Wohnfläche ist, umso mehr Rückzugsmöglichkeiten, erhöhte Liegeflächen, Höhlen und Verstecke müssen Sie ihnen bieten.
- Geben Sie jeder Ihrer Katzen das Recht auf Kontakt und Schmusezeiten mit Ihnen, die keine andere Katze stören darf.
jau - aus der Zeitschrift Geliebte Katze
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