Flughafen Paderborn schwärzt Konkurrenten Dortmund in Brüssel an
18.10.2011 | 18:41 Uhr 2011-10-18T18:41:00+0200
Dortmund.Gegenwind ist der Flughafen Dortmund gewöhnt. Der kommt meist aus Westen. Was zur Folge hat, dass die Maschinen vor allem über Dortmunder Hausdächern abheben müssen. Doch nun bläst Wickeder aus östlicher Richtung ein kleiner Sturm ins Gesicht. Denn den Betreibern des Flughafens Paderborn/Lippstadt ist soeben auch ganz offiziell die Hutschnur geplatzt - angesichts der Dortmunder „Dumpingpreise“ für Fluglinien.
Der Protest gegen den Dortmunder Flughafen ist eigentlich nicht neu, weht aber plötzlich ungewohnt heftig aus dem Ostwestfälischen herüber. Manfred Müller, seines Zeichens Landrat des Airport-Mehrheitseigners Kreis Paderborn, wurde unlängst bei der EU-Kommission in Brüssel in Sachen Flughafen Dortmund vorstellig - gemeinsam mit dem Europa-Abgeordneten der Region, Elmar Brok.
Der Vorwurf: Airlines zahlen in Dortmund zu wenig
Das Credo der beiden CDU-Mitglieder: Flughäfen brauchen faire Wettbewerbsbedingungen. Ihre Forderung: Ein über Jahre schwarze Zahlen schreibender Airport wie Paderborn dürfe nicht durch Dortmunds zweifelhafte Gebührenpraxis in Turbulenzen geraten. Landrat Müller forderte die EU-Kommission unmissverständlich auf, die strikte Einhaltung der Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Sein Vorwurf: Airlines zahlen in Dortmund für die Nutzung des Flughafens viel zu wenig. Das verstoße gegen EU-Recht. „Wir haben deutliche Hinweise darauf, dass Passagiere aus Paderborn abwandern - nur weil die Fluggesellschaften in Dortmund günstiger kalkulieren können“, so Müller im Gespräch mit unserer Zeitung.
In der Tat steht Paderborn derzeit erheblich unter Druck. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin, Hauptnutzer in Paderborn/Lippstadt, hat ihr Angebot spürbar zusammengestrichen. Die Passagierzahlen sanken unter die Millionengrenze. Vor drei Jahren rutschte auch die Bilanz erstmals in die roten Zahlen. Seitdem haben sich in Paderborn Verluste angehäuft: 2,5 Mio Euro. Und die Lage für die Ostwestfalen dürfte ab 2013 noch schlimmer werden. Dann geht der neue Flughafen in Kassel-Calden an den Start, komplett durchfinanziert vom Land Hessen und gerade einmal 70 Kilometer von Paderborn entfernt.
Kassel-Calden kommt
Die Angst geht um, dass die Anteilseigner des Paderborner Flughafens - sechs Landkreise, zwei Industrie- und Handelskammern sowie die Stadt Bielefeld - plötzlich die Schulden des Flughafens aus dem eigenen, zum Teil knapp kalkulierten Haushalt schultern müssen. Erste Abwanderungsgedanken aus dem Eigentümerkreis soll es bereits geben.
Finanziell hat Paderborn im Vergleich zu Wickede allerdings eher ein Luxusproblem. Bekanntlich häuft der Dortmunder Flughafen Jahr für Jahr Verluste von rund 20 Mio Euro an, abgefedert nur durch einen regelmäßigen Scheck der Mutter Stadtwerke. Selbst wenn man den Schuldendienst für die Investitionen in Gebäude und Infrastruktur aus dem Dortmunder Minus herausrechnet, bleibt die Bilanz tief in den roten Zahlen: 2009 fuhr Wickede operativ ein Minus von 8,7 Mio Euro ein. 2010 sank das Minus auf 7,2 Mio Euro. EU-prüfungsrelevant davon ist etwa die Hälfte. Und mit der umstrittenen Betriebszeitenverlängerung, die noch bei der Bezirksregierung in Münster zur Genehmigung vorliegt, verknüpft die Flughafenleitung die Hoffnung, wenigstens an dieser Stelle der Bilanz bis spätestens 2016 eine schwarze Null schreiben zu können.
„Verluste wie in Dortmund wären bei uns undenkbar und inakzeptabel“, schüttelt dagegen Landrat Müller angesichts der Dortmunder Praxis der Quersubventionierung den Kopf. Er hofft auf fairen Wettbewerb - und darauf, dass die EU-Kommission verstärkt auf dessen Einhaltung achtet. Besonders in Wickede. Müller: „Signale, dass dies bald geschieht, habe ich bei meinem Besuch in Brüssel erhalten.“
16:38
Warum brauch Westfalen allein 3 Verkehrsflughäfen?
Das möge mir mal einer erklären.
Und immer dieses Gejammer nach mehr Wettbewerb.
Wenn die EU was entscheidet, kommt eh nur Murx raus, das sollte nunmehr bekannt sein.
Ansonsten wenn man mehr vom Kuchen haben will finde ich den Vorschlag von #11 nicht schlecht. Mallebomber von Paderborn, Geschäöftsreisen von DO und Intercontinentalflüge von Münster/OS.
Kräfte bündeln, Anbindungen verbessern und auf das Gelaber der Deppen aus Brüssel verzichten. Es wird Zeit das wir viele Dinge wieder in die eigene Hand nehmen, bevor es zu spät ist.
14:52
Flugplatz 21 dichtmachen...aber rubbeldiekatz!
Hier ist es eh so schön, dass keiner wegfliegen will.
14:27
Paderborn hat schlicht den Vorteil, das es nicht Millionen investieren muss um mehr als 50000 Lärmbetroffene mit irgendwelchen Fenstern unter der Klagegrenze zu halten.
Ein Flughafen im dicht besiedelten Dortmund ist schlicht Quatsch. In München sind sie aufs fast freie Feld gezogen, haben alle Anlieger fürstlich entschädigt und kamen dabei noch besser weg als jeder innenstadtnahe Flughafen.
Konzentriert euch in Dortmund auf die Geschäftsfliegerei, macht denen attraktive Angebote und last die Mallebomber der Westfalen in Paderborn steigen.
12:52
Das Problem ist allerdings der operative Dauerverlust. Da wird das Schlupfloch mit der Trennung wenig hilfreich sein. Interessant dazu auch ein Urteil zum Flughafen Leipzig.
12:36
Den Zusammenhang habe ich ja angesprochen: Die politischen Folgen einer harten EU-Intervention sind so weitreichend, dass auch Brüssel Auswege suchen wird.
Da die Masse der Zuschüsse Investitionen betrafen, ist die Trennung in eine Infrastruktur- und Betriebs-Firma am Flughafen Dortmund ein bereits von Brüssel aufgezeigtes Schlupfloch gegen massive Rückforderungen. So können alle das Gesicht wahren: Die Rückforderungen oder Strafzahlungen betreffen nur die operativen Aktivitäten und dieses Geld können die angeschlagenen DSW21 auch noch aufbringen.
Wie Brüssel sich zu RWE und STEAG-Beteiligungen der DSW21 und der Stadt Dortmund stellen wird, bleibt auch eine spannende Frage.
11:36
@ #5
Fakeilein, die DSW wird sich zusammen mit der Stadt ganz konkret fragen müssen, ob sie den Verlustbringer Flughafen noch als Gewinnschmälerer durch ihre Bücher ziehen kann, wenn sie gleichzeitig in ihren RWE- und STEAG-Beteiligungen derart ins Schlingern kommt wie zur Zeit.
Und genau an diesem Punkt wird Brüssel das Thema Wettbewerb ebenso ausführlich nicht nur auf den Flughafen beschränken.
Kann ja sein, dass Sie selbst nicht so viel lesen, weil Sie mehr damit zu tun haben, Ihre Nicks zu wechseln, aber der Vorschlag zur Trennung in Betriebs- und Infrastruktur-GmbH ist ja schon auf Druck aus Brüssel gemacht worden - was dann ganz konkret bedeutet, dass es evt. kein EU-Verfahren gibt, aber der FH sich auf das bislang legalisierte reine Geschäftsflieger-Niveau beschränken müsste.
11:34
@6
Das einige Millionen für Dortmund wahrliche keine Kleinigkeit sind, da haben Sie vollkommen Recht.
Es war aber die EU gemeint, der es angesichts der politischen Bedeutung des Falles und der milliardenschweren Euro-, Staaten- und Bankenrettungen auf solche peanuts nicht ankommen dürfte.
11:14
Es geht im Kern um Dumping-Gebühren und in der Folge um eine Dauersubventionierung nicht nur der Infrastruktur, sondern des operativen Geschäft.
Da Dortmund leider nicht im Geld schwimmt, kommt es nach meiner Meinung schon auch auf einige Millionen an.
Was in Kassel abläuft, ist auch unbegreiflich. Nur: die Argumente dort sind genau die gleichen wie hier. Arbeitsplätze, Standortfaktor etc. Und ebenso wir hier trommelt die IHK für den Ausbau.
Und ebenso wie hier wird es vermutlich Dauerverluste geben.
10:51
@3
Sollte die EU-Kommission bestimmte Details zum Flughafen Dortmund kennen oder darüber in Kenntnis gesetzt werden, dann - so Insider - dürften auf den Flughafen und die begünstigten Airlines zu verzinsende Rückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe zukommen. Das wäre dann im Durchschlag auch die Pleite der DSW21 und der Stadt Dortmund.
Aber genau da liegt wohl der Fuchs begraben - wer in Düsseldorf, Berlin oder Brüssel will denn einer mit Milliardenbeträgen aufgepäppelte Region des Strukturwandels den Todesstoss versetzen - bei all den aktuellen Problemen Europas und der politischen Tragweite?
Natürlich hat der Flughafen, die DSW21 und die Stadt Dortmund - wider besseres Wissen - gegen EU-Beihilferichtlinien verstossen und den Wettbewerb verzerrt - keine Frage. Aber wer will denn die Folgen eines konsequenten Handelns tragen?
Wäre die EU da konsequent, hätte man das Völkerrecht schon 2010 weiter geschrieben und ein staatliches Insolvenzverfahren über Griechenland eröffnet. Da wo man Milliardenbertäge regelrecht versenkt, kommt es auf einige Millionen - wahrlich - nicht an!
10:51
Es gibt aber einen Unterschied zwischen dem Beihilfeverfahren und der Argumentation, wer die Verluste am Ende trägt. Den letzteres kommt in beiden Konstellationen auf das gleiche raus, unabhängig ob ein Verfahren anhängig ist oder nicht.