Flüchtlinge können Bestattung ihres Babys nicht bezahlen

Die kleine Kadija wurde gerade einmal drei Tage alt.
Die kleine Kadija wurde gerade einmal drei Tage alt.
Foto: dpa (Symbolfoto)
Was wir bereits wissen
Am 1. März kam Khadija in Dortmund als Frühchen zur Welt. Drei Tage später starb sie. Dank Hilfe aus der Stadt kann sie jetzt auch bestattet werden.

Dortmund.. Es ist eine Geschichte über die Trauer und die Hilflosigkeit von zwei geflüchteten Eltern, die in der Fremde ein Baby verloren haben und nach ersten Irritationen unerwartet Hilfe erfahren.

Ein Patient berichtete dem Kieferorthopäden Dr. Hisham Hammad am Dienstag (8.3.) vom Schicksal der in der Nordstadt wohnenden Eltern, die um den Verlust ihres Babys trauern und den Abschied nicht bewältigen können. Weil ihnen das Geld für Bestatter und Friedhofskosten fehlt und sie aus eigenen Kräften nicht weiter kommen, bleiben Ali und Riim Serwel seit Tagen im Ungewissen. Es gibt Probleme im Umgang mit dem Sozialamt.

"Die Trauer der Eltern ist schlimm genug"

Dr. Hammad informierte am Dienstagabend unsere Redaktion über den Fall. "Die Trauer der Eltern ist schlimm genug. Die bisher vergebliche Suche nach dem Geld für die Beerdigung belastet sie zusätzlich", sagte der Arzt über die Gefühlswelt der Eltern.

Am gleichen Abend senden wir eine Anfrage an die Stadt, um Informationen über die Übernahme von Beerdigungskosten zu erhalten, und rufen beim Bestattungsunternehmen Lategahn in Hörde an.

Bestatter übernimmt spontan Teile der Beerdigungskosten

Wir wollen wissen, wie hoch die Beerdigungskosten für ein Baby sind und wer die Kosten trägt, wenn Angehörige arm sind. Bernd Lategahn: "Wenn Geld fehlt, ist das Sozialamt zuständig."

Khadijas Tod und die Lage der geflüchteten syrischen Eltern Ali und Riim Serwel seien eine "besondere Ausnahme". Spontan entscheidet der Bestatter: "Wir reden hier über 500 Euro und sollten den finanziellen Aspekt bei Seite legen und Herz zeigen. Wir werden deshalb keine Rechnung stellen." Bernd Lategahn telefonierte am Mittwochmorgen mit der Friedhofsverwaltung und ermittelte die Kosten. Bis zu 610 Euro kosten Öffnung und Schließung eines Kindesgrabs auf dem Hauptfriedhof.

Stadt spricht von einem Missverständnis

Unsere Redaktion telefonierte am Mittwochnachmittag mit der Stadtverwaltung und erhielt diese Antwort: "Dies ist ein trauriger Fall. Selbstverständlich übernimmt das Sozialamt die Kosten. Der Fall ist unstrittig", sagte Stadt-Pressesprecherin Katrin Pinetzki. Eine Antwort, die der 29-jährige Vater des Frühchens selbst nicht erhalten hatte.

Freitag, Montag und Dienstag sei er im Sozialamt gewesen und stets abgewiesen worden. Das Sozialamt ließ wissen, dass es den Fall erst seit Mittwoch kenne. Die Stadtsprecherin sprach von einem Missverständnis.

Khadijas Leichnam ist gar nicht mehr in Dortmund

Die Finanzen sind geklärt, da erfahren wir während der Recherche: Khadijas Leichnam ist nicht mehr in Dortmund. Ihr Vater hatte die Rufnummer eines auf muslimische Beerdigungen spezialisierten Bestatters erhalten und diesen angerufen. Nicht wissend, dass der Bestatter aus einer anderen Stadt kommt.

Das Beerdigungsinstitut holte Khadija am 3. März aus der Kinderklinik ab - und fuhr nach Düsseldorf. Dort ist der Leichnam aufgebahrt. Jetzt muss es einen Transport nach Dortmund geben, denn die Eltern wohnen in der Nordstadt.

Das Bestattungshaus Lategahn wird Khadija für die Beerdigung vorbereiten, einen kleinen Sarg herstellen, den Leichnam darin betten, eine Trauerfeier vorbereiten und die Beisetzung durchführen. Alles in Absprache mit den Eltern. Die weitere Kommunikation zwischen den Eltern und dem Bestatter übernimmt Dr. Hammad.