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Flüchtlinge in Notunterkünften - Furcht vor Windpocken

10.10.2012 | 06:22 Uhr
Flüchtlinge in Notunterkünften - Furcht vor Windpocken
Erstaufnahmestelle in Dortmund Hacheney. Zahlreiche Flüchtlinge warten vor der Meldestelle und den benachbarten Straßen auf Hilfe. Anwohner besorgt.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Die Situation an der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Dortmund-Hacheney hat sich zugespitzt. Das Heim ist voll, die Zweigstelle in Derne ebenfalls. Für Asylbewerber und Anwohner ein untragbarer Zustand. Behelfsweise werden die Flüchtlinge nun in Sporthallen untergebracht.

350 kamen allein in einer Nacht, so viele, wie die Erstaufnahme in Hacheney insgesamt fassen kann: Trotz der zusätzlichen Einrichtung in Derne , auch sie längst an der Kapazitätsgrenze, dramatisieren sich die Zustände vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlingen in Hacheney. Für die Asylbewerber wie aber auch für die Anwohner ein gleichermaßen untragbarer Zustand. Gestern wurde ein Aufnahmestopp verhängt. Das Heim war in der Spitze mit 880 Menschen hoffnungslos überfüllt. Zwei Fälle von Windpocken erschweren das Krisenmanagement. Es besteht Ansteckungsgefahr. Der Ansturm der Flüchtlinge wurde gestern in Sporthallen untergebracht.

„Zahl verdoppelt sich täglich“

Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz resigniert. „Ich habe keine Erklärung und auch keine Einschätzung mehr“. Der Flüchtlingsstrom, seit August kontinuierlich gestiegen, hatte die Stadt in den letzten Tagen förmlich überrollt. „Das verdoppelt sich quasi täglich“. Und nicht nur Dortmund ist betroffen, alle Aufnahmestationen stehen vor derselben Situation : „In Karlsruhe haben sie bereits Zeltstädte aufgestellt“. Ordnungsgemäße Asylverfahren, winkt Steitz ab, seien in seinen Augen zurzeit nicht möglich. Nur Krisenbewältigung: In den Brüggmann-Sporthallen werden am frühen Abend 300 Betten aufgestellt, Feuerwehr, Johanniter und DRK nennen die schnelle Einrichtung der Notunterkunft „Gefahrenabwehr“.

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Asyl-Aufnahme überfüllt - „Wo sollen die Menschen hin?“

Die Flüchtlings-Anlaufstelle in Dortmund ist hoffnungslos überfüllt. 350 Menschen sind allein in einer Nacht angekommen. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Hacheney herrscht eine dramatische Situation. Für die Asylbewerber wie auch für die Anwohner ein untragbarer Zustand.

„Es wird keiner auf der Straße übernachten müssen“, sagt Feuerwehrchef Dirk Aschenbrenner. Schließlich rede man nicht von einem Hochsommertag. Minimalstandard, Verpflegung und medizinische Notversorgung erwartet die Flüchtlinge hier, die morgens noch vor der Erstaufnahme gestrandet waren. Derweil das städtische Gesundheitsamt mit enormem Aufwand Bluttest bei allen Flüchtlingen durchführt, erste Impfungen veranlasst. Gestern in Derne, heute in Hacheney. Die Kinderkrankheit Windpocken kann für Erwachsene ohne Antikörper sehr gefährlich sein. Schwangere Frauen und alte Menschen sind besonders gefährdet.

Notlösung für 24 Stunden

Die gesunden Menschen werden geimpft – und möglichst heute schon in andere Einrichtungen außerhalb von Dortmund verlegt. Das Land habe zugesagt, Kapazitäten bereitzustellen. Verbindlich sei auch die Landeszusage, bis Montag eine dritte Aufnahmestelle in NRW einzurichten. Der Feldbetten-Notlösung in den Sporthallen hat die Stadt nur für 24 Stunden zugestimmt. „Danach müssen Strukturen geschaffen werden, die angemessen sind“ – und dafür trage das Land die Verantwortung.

Anja Schröder

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