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Flüchtlinge in Dortmund - Einige mussten um ihr Leben bangen

11.10.2012 | 06:49 Uhr
Flüchtlinge in Dortmund - Einige mussten um ihr Leben bangen
Rettungsdienste und Feuerwehr kümmern sich an den Brüggmannhallen Dortmund bei der Ankunft um die Flüchtlinge. Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  160 Flüchtlinge sind in einer Dortmunder Sporthalle untergebracht, werden dort mit dort mit Essen, Trinken und warmen Decken versorgt. Meistens sind es Familien. Einige Menschen mussten in ihrer Heimat um ihr Leben bangen. Was als nächstes mit ihnen geschieht, weiß momentan niemand.

Im Stundentakt halten die Busse aus Hacheney vor der Sporthalle am Brügmannblock . Heraus steigen Menschen, die in der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes nicht mehr untergebracht werden können. Die nun in der Turnhalle schlafen, dort mit Essen, Trinken und warmen Decken versorgt werden. Menschen wie Miroslav J.

Flüchtlinge
Flüchtlinge müssen noch eine Nacht in Turnhalle schlafen

130 Flüchtlinge insgesamt haben die Nacht auf Feldbetten in den Brügmann-Turnhallen verbracht – und werden weitere 24 Stunden in dieser Notunterkunft bleiben. Um diesen Aufschub hat das Land NRW die Stadt Dortmund gebeten, weil es sich nicht in der Lage sieht, eine eigene Notunterkunft einzurichten.

Der 34-Jährige ist mit seiner Frau nach Deutschland gekommen. Wie die meisten Flüchtlinge, die derzeit alle Aufnahmekapazitäten in Dortmund sprengen , stammt Miroslav J. aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Serbien. Der 34-Jährige ist aus Angst geflüchtet. Weil er für seine Frau Medikamente kaufen musste, habe er sich verschuldet, erzählt er. „Jetzt wird er deshalb bedroht“, sagt Daniel Petkovic, der als Übersetzer für European Homecare im Einsatz ist.

Alle werden vom Arzt untersucht

Auch Miroslav J. hat unter Schmerzen gelitten. In der Notunterkunft der Stadt wurde er wie alle anderen Flüchtlinge von einem Arzt untersucht. „Der Doktor hat ihm die Schmerzen genommen“, übersetzt Petkovic. Jetzt hofften der 34-Jährige und seine Frau, dass sie in Deutschland bleiben können. Als Petkovic dem Flüchtling mitfühlend auf die Schulter klopft, hat dieser Tränen in den Augen. „Er ist froh, dass er jetzt in Sicherheit ist“, gibt Daniel Petkovic weiter, „und er sieht, dass wir uns bemühen, alle gut aufzunehmen“.

Asylverfahren
Deutschland hat zu wenig Platz für Flüchtlinge

1990 kamen fast 440.000 Menschen aus Krisenländern nach Deutschland. 2006 stellten gerade noch 28.000 einen Antrag auf Asyl. Seit fünf Monaten wird es wieder eng in den Aufnahmestellen. Für NRW sind Dortmund und Bielefeld die zentralen Anlaufstellen. Seit dem Sommer herrscht hier drängende Enge.

„160 Menschen sind seit gestern Abend hier angekommen“, berichtet Jörg Thiel, der für European Homecare die Leitung des Notquartiers übernommen hat. 160 in knapp 24 Stunden. Meistens seien es Familien. „Einige Menschen mussten in ihrer Heimat um ihr Leben bangen“, weiß Thiel, der ebenfalls Ansprechpartner für die Flüchtlinge ist. Alle seien mittlerweile gut versorgt worden.

Zunächst werden die Flüchtlinge registriert, jeder bekommt eine Karte um den Hals gehängt, auf der die persönlichen Daten stehen. Dann werden die Menschen untersucht. Wer gesund ist, bleibt und schläft auf Feldbetten in der Turnhalle . Wer krank ist, wird ins Krankenhaus gebracht . Fünf Flüchtlinge musste bislang dorthin, aufgrund von Herzproblemen, Asthma oder Epilepsie.

Das Gebäude selbst ist mit Flatterband abgesperrt. Einige Flüchtlinge stehen draußen, schnappen frische Luft. Doch die meisten Menschen, die vor der Sporthalle stehen sind Einsatzkräfte – von der Feuerwehr, den Maltesern, den Johannitern, vom Ordnungsamt oder vom DRK. Sie sind aus der ganzen Umgebung gekommen.

Halle ist unterteilt

Im Eingangsbereich ist ein Holztisch aufgebaut worden. Dort gibt es Nudelsuppe, Brot, Kaffee, Tee, Kakao oder Wasser. „Organisiert wurde das Essen von der Spezialeinheit Versorgung der Freiwilligen Feuerwehr Hombruch“, weiß Boris Thiemrodt, Sprecher der Feuerwehr. Ansonsten versorge diese Einsatzkräfte der Feuerwehr.

Eine Etage höher sind Gemeinschaftsduschen sowie das Untersuchungszimmer, im Keller ist die Turnhalle, die in drei Bereiche abgetrennt wurde: Frauen, Männer und Familien.

In der Halle spielen ein paar Kinder Fußball. Eine Frau füttert ihr Baby, andere sitzen auf den Holzbänken und blicken ins Leere. Sie warten. Was als nächstes mit ihnen geschieht, weiß keiner. „Die Politik ist jetzt gefragt, eine Lösung zu finden“, sagt Thiel.

Christina Römer



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